Forschung 16.09.2005, 18:40 Uhr

„Supraleiter bei Raumtemperatur werden kommen“  

VDI nachrichten, Hongkong, 16. 9. 05 – Supraleiter bei deutlich höheren Temperaturen, wenn möglich bei Raumtemperatur könnten eine neue industrielle Revolution auslösen, meint Prof. Paul Chu, Präsident der Hong Kong University of Science and Technology. „Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir sie schließlich haben werden,“ meinte er im Interview mit den VDI nachrichten. Profitieren würden z.B. Stromversorgung, Kommunikationstechnologien und Informatik.

Chu: Sicher, wie wir heute wissen. Und das nicht nur auf der technischen und kommerziellen Seite übrigens. 1987, auf einem vom Magazin Nature in New York organisierten Symposium sagte mir ein sehr bekannter Physiker, wir brauchten sechs Monate, um die Supraleiter völlig zu verstehen. Wir warten immer noch.

VDI nachrichten: Warum diese Schwierigkeiten?

Chu: Wegen der enormen Komplexität des Phänomens und weil es mit einer ganzen Reihe von Dingen, die wir zu verstehen meinen, nicht zusammenpasst. Trotzdem wurde bei der Nutzung nicht schlecht gepunktet.

VDI nachrichten: Wie geht es weiter bei den Anwendungen, wenn es bei einer möglichen Nutzung bei -160 °C bleibt?

Chu: Zum einen eindeutig im Bereich der medizinischen Technik. Das Magnetic Resonance Imaging dank supraleitender Magneten zählt zu den Standardgeräten guter Kliniken und das ist nur ein Beispiel. Sehr viel wirtschaftlichere Generatoren unter anderem für Schiffe kommen zum Einsatz. Bei anderen Sensoren und Komponenten für die Kommunikation und den Energietransfer werden heute Supraleiter genutzt. Sehr schnelle Magnetschwebebahnen wurden in Japan getestet. Auf dem Flughafen in Birmingham wird diese Technologie schon genutzt. Die Qualität der mittlerweile zweiten Generation supraleitendender Drähte von Firmen wie der American Superconductor Corp. wird immer besser. Wir diskutieren Pläne für nationale, regionale und lokale Energieversorgungsnetzwerke basierend auf Supraleitern, die hundert Mal mehr Energie transportieren als traditionelle Netze. Insbesondere für junge Industrieländer mit Energieversorgungsproblemen wie China und Indien sollte das interessant sein, weil dort bereits zu Beginn der Installierung der benötigten Netze auf die Supraleiter zugegriffen werden könnte.

VDI nachrichten: Wie steht es mit Supraleiternetzen für fortgeschrittene Industrieländer wie die USA, Deutschland oder die Schweiz?

Chu: Dort ist das schrittweise Ersetzen herkömmlicher Netzbereiche durch supraleitende Linien eine interessante Option. Vor allem dort, wo die Netze an Kapazitätsgrenzen stoßen wie in Kalifornien zum Beispiel. In Nordamerika laufen bereits einige Tests und die Ergebnisse sehen gut aus.

VDI nachrichten: Was steht gegenwärtig im Zentrum der Supraleiterforschung?

Chu: Der nächste bedeutende Durchbruch wären selbstverständlich Supraleiter bei deutlich höheren Temperaturen, wenn möglich bei Raumtemperatur. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir sie schließlich haben werden, gefolgt von einer handfesten neuen industriellen Revolution. Die gesamte Stromversorgung, Geräte, Anlagen und Ausrüstungen aller Art, die Kommunikationstechnologien, Informatik, der Transportbereich, all das wäre betroffen. Wirtschaftlichere Schwebebahnen wären möglich und unglaublich schnellere Computer sowie eine neue Generation von Sensoren. Die große Frage ist, wo und unter welchen Bedingungen wir diese Supraleiter finden. Das heißt: Welche Materialien und welche Bedingungen? Darum geht es heute und die Spannung wächst in der Arena der forschenden Labors.

VDI nachrichten: Ihr Team eingeschlossen.

Chu: Sicher. In unserem Labor in Houston fanden wir bereits bei einigen Nanomaterialien Effekte, die auf die Möglichkeit der Supraleitung bei sehr viel höheren Temperaturen hinweisen.

VDI nachrichten: Nahe der Raumtemperatur?

Chu: Wie es aussieht, ist das eine Möglichkeit. JAN HOEHN

Von Jan Hoehn

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