Gründungsfinanzierung 26.10.2012, 19:55 Uhr

Steuergelder bringen Spin-offs in Schwung

Erfindungen sind in Forschungsinstituten an der Tagesordnung. Manchmal nehmen die Urheber ihre Innovationen zum Anlass für eine Ausgründung. Ihre Arbeitgeber unterstützen sie – teils auch finanziell. Ist es richtig, dass öffentlich geförderte Institute Wagniskapital verteilen? Eine neue Leitlinie des Bundesforschungsministeriums gibt Antworten und setzt Grenzen.

Das Surgery Pad im Einsatz.

Das Surgery Pad im Einsatz.

Foto: Werkfoto

„Wir verschaffen Wissenschaftlern, die eine Ausgründung aus einem unserer Institute planen, die nötigen Freiräume“, sagt Thomas Doppelberger, Leiter der Fraunhofer Venture. Dafür habe man das Pre-Seed-Programm „Fraunhofer fördert Existenzgründungen“ (FFE) auf die Beine gestellt. Bis zu 150 000 € pro Projekt erlauben es den Gründern in spe, in Ruhe ihr Konzept zu entwickeln, Marktforschung zu betreiben und einen Businessplan zu verfassen.

Im FFE-Programm übernehmen die Fraunhofer-Zentrale und das jeweilige Institut jeweils zur Hälfte ein Jahr die Personalkosten von bis zu drei Teammitgliedern. Es ist Teil eines ganzen Pakets von Leistungen, mit denen die Forschungsorganisation Gründer aus ihren Reihen unterstützt. Sie stellt den Teams auch Interims-Manager zur Seite, hilft bei Patenten und anderen Rechtsfragen und verschafft ihnen Zugang zu einem breiten Netzwerk potenzieller Geldgeber. Das beginnt mit dem High-Tech-Gründerfonds (HTGF) und BayernKapital als möglichen Frühphasen-Investoren und geht mit einer ganzen Reihe von VC-Gesellschaften weiter, zu denen Doppelbergers Team Kontakte pflegen. Teils ist die Kooperation sogar vertraglich manifestiert. „Wir lassen unsere VC-Partner sehr früh von Gründungsprojekten wissen, die in ihr Portfolio passen“, erläutert er. Unverbindlich. Ohne Verpflichtung für Investoren und Gründer.

Spin-offs: Ministerium gibt Forschungseinrichtungen grünes Licht für Beteiligungen

Konkreter ist eine Beteiligung der Fraunhofer-Gesellschaft selbst. FFE-Förderung, Beratung und überlassene Schutzrechte lässt sie sich durch Firmenanteile abgelten. „Diese Lösung schont die Liquidität der Start-ups“, sagt Doppelberger. Auch finanziell beteilige man sich von Fall zu Fall – wenn Institut, Zentrale und die Experten von Fraunhofer Venture zustimmen. Maximal 25 % eines Spin-offs darf die gemeinnützige Forschungsorganisation erwerben und nur als Co-Investor auftreten. Zuweilen stockt sie in weiteren Finanzierungsrunden ihre Einlage auf, um ihre Anteile nicht verwässern zu lassen.

Den Rahmen dafür setzt eine seit Juni geltende Leitlinie des Bundesforschungsministeriums. Im Sinne erleichterten Wissens- und Technologietransfers gibt sie Forschungseinrichtungen grünes Licht für Beteiligungen an ihren Ausgründungen, sofern sie bestimmte Regeln einhalten. Vorher mussten die Organisationen jeden Schritt in Finanzierungsverhandlungen mit dem Ministerium abstimmen, was allen Beteiligten Zeit und Nerven kostete. Nun dürfen sie sich „im Rahmen ihrer steuerbegünstigten Vermögensverwaltung in eigener Verantwortung und Entscheidung“ beteiligen. Dabei dürfen maximal 2,5 Mio. € pro Beteiligung fließen, der Anteil am Spin-off darf 25 % nicht überschreiten und dessen Rechtsform muss eine Haftungsbegrenzung sicherstellen. Zudem soll die Forschungsorganisation für das Beteiligungsmanagement Spezialisten hinzuziehen, wenn sie als strategisches Element ihres Know-how-Transfers gehäuft Beteiligungen eingeht. Und auch das Controlling regelt die Leitlinie, um sicherzustellen, dass keine öffentlichen Gelder versickern.

Auch Helmholtz-Gemeinschaft fördert Spin-offs als Direktverbindung zwischen Forschung und Märkten

Spin-offs als Direktverbindung zwischen Forschung und Märkten fördert auch die Helmholtz-Gemeinschaft. Analog zum FFE hat sie das Pre-Seed-Programm „Helmholtz Enterprise“ aufgelegt. Es schafft den Forschungszentren durch zusätzliche Personalmittel den nötigen Freiraum, um Gründer für die Vorbereitung ihrer Ausgründung ein Jahr lang freizustellen. Zentrale und Institut teilen sich die Kosten für bis zu 36 Personenmonate pro Projekt. Zusätzlich erhalten Gründer Mittel für Coachings, Beratung sowie Patent- und Marktrecherchen. Zweimal jährlich berät ein Gremium interner und externer Experten über Anträge gründungswilliger Helmholtz-Forscher.

Finanziert wird das Programm aus einem zentral verwalteten „Impuls- und Vernetzungsfonds“, der auch den 2011 aufgelegten Helmholtz Validierungsfonds (HVF) speist. Er soll bestehende Lücken zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren Vermarktung schließen. Forschergruppen erhalten zwischen 250 000 € und 1 Mio. € pro Jahr, um Prototypen zu entwickeln, die technische Machbarkeit neuer Verfahren und Produkte zu beweisen oder im Bereich Bio- und Medizintechnik präklinische Studien voranzutreiben. Das generierte Know-how soll dadurch für Unternehmen so attraktiv werden, dass sie Lizenzen erwerben. Alternative: Die beteiligten Forscher nutzen es als Gründungsidee.

Das Management des Fonds hat die Helmholtz-Gemeinschaft seinerzeit öffentlich ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt der Berliner Frühphasen-Investor Peppermint VenturePartners.

Peppermint hat mit seinem gut 30 Mio. € schweren Charité Biomedical Fund (CBF) auch an eine Forschungseinrichtung angedockt: Der vor allem auf Medizintechnik-Gründer zugeschnittene Fonds ist eng mit der Berliner Uniklinik Charité und ihren An-Instituten vernetzt. Einer der beteiligten Geldgeber ist die von Milliardärin Johanna Quandt initiierte Charité Stiftung, die das Ziel verfolgt, die Uniklinik zum dynamischen Unternehmen zu entwickeln. Zudem will sie dort Gründergeist wecken. „Entrepreneurial Boot Camps“ gehören ebenso zu den Maßnahmen wie das jährlich ausgerichtete Charité Biomedical Entrepreneurship Summit.

Humedics GmbH ist erstes Spin-off, das Kapital aus dem CBF erhält

Der von Peppermint VenturePartners aufgelegte CBF ist aber nicht allein auf Charité-Spin-offs zugeschnitten. „Die Kooperation drückt sich darin aus, dass wir uns bei unseren Finanzierungen auf die Expertise von Charité-Spezialisten stützen können und Ausgründungen wahlweise selbst finanzieren oder anderweitige Kontakte vermitteln, wenn sie nicht in unser Portfolio passen“, erläutert Joachim Rautter, der zum Gründer- und Geschäftsführungskreis der Peppermint VenturePartners zählt.

Bei einem Charité-Spin-off hat es schon gepasst. Die Humedics GmbH, die ein Diagnose-Verfahren für Lebererkrankungen per Atemtest entwickelt, hat als erstes von bisher zwei Start-ups Kapital aus dem CBF bekommen. Der Topf ist also noch gut gefüllt, um weitere Ausgründungen zu finanzieren.  

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