Forschung 17.03.2000, 17:24 Uhr

Start auf der Hannover Messe: Kompetenz-Netze im Internet

Mit einem neuen Dienstrecht und Gründungsinitiativen will Forschungsministerin Edelgard Bulmahn neue Impulse in die Deutsche Forschungslandschaft senden. In ihrem nachfolgenden Beitrag zeigt sie, wie das konkret umgesetzt werden soll.

Die Bundesregierung hat nach Jahren der Vernachlässigung von Bildung und Forschung durch den Bund die Weichen neu gestellt. Wurden die Mittel für Bildung und Forschung in den Jahren 1993 bis 1998 um 700 Mio. DM runtergefahren, haben wir bereits im ersten Regierungsjahr den Mittelabbau mit 1 Mrd. DM zusätzlich mehr als kompensiert. Auch und gerade im Zukunftsprogramm bleiben wir dabei: die Zukunftsinvestitionen in Bildung und Forschung werden trotz der notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen in den folgenden Jahren weiter erhöht.
Die Bundesregierung vollzieht also einen Kurswechsel hin zu mehr Leistungsfähigkeit, einer klaren Orientierung auf Innovationen und damit zu mehr Beschäftigung. Doch wir nehmen nicht nur eine bessere finanzielle Ausstattung vor, wir setzten auch Strukturreformen um, die zu mehr Effizienz und Leistungsfähigkeit der deutschen Forschungslandschaft führen.
Nur durch exzellente Forschungsergebnisse kann die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands, kann die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung gesteigert werden. Ziel der Bundesregierung ist es, die Kompetenz Deutschlands bei den modernen Technologien auszubauen und die Marktchancen zu nutzen. In Wissenschaft und Forschung gilt es, Kompetenzen in den zukunftsträchtigsten Bereichen zu bündeln und diejenigen, die das am besten leisten, am stärksten zu fördern. Das Gesamtsystem der Forschung in Deutschland braucht eine stärkere Profilierung. Wir müssen Synergien durch Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und ihren Partnern im In- und Ausland schaffen.
Bei den Patenten, FuE-Aufwendungen oder den Weltmarktanteilen forschungsintensiver Güter sind wir in Europa vorn. Der Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands hat gezeigt, dass wir mit unseren Investitionen in FuE grundsätzlich richtig liegen.
Doch der Bericht zeigt auch, dass wir noch stärker in FuE investieren müssen, um die Spitzenposition behaupten zu können – das gilt auch und gerade für die Wirtschaft. Investitionen in Bildung und Forschung beschleunigen das wirtschaftliche Wachstum. Hier besteht ein klarer Zusammenhang. Länder, die vermehrt in Forschung und Entwicklung investieren, legen damit auch den Grundstein für ein höheres Wirtschaftswachstum.
Die derzeitigen Investitionen in Forschung und Entwicklung in Deutschland reichen auf Dauer nicht aus. Gerade in den letzten Jahren gab es sichtbare Verschiebungen der industriellen FuE-Kapazitäten in Richtung Übersee und zugunsten der kleinen nordeuropäischen Länder. Wenn wir im beginnenden Jahrzehnt auch beim Wirtschaftswachstum wieder einen vorderen Platz unter den OECD-Ländern belegen wollen, muss uns gemeinsam mit der Wirtschaft die entscheidende Trendwende bei FuE gelingen.
Die Gründung neuer technologieorientierter Unternehmen ist von entscheidender Bedeutung, um den Rückstand Deutschlands bei den Spitzentechnologien zu verringern und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen. Eine neue Kultur der Selbständigkeit soll deshalb an unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen Einzug halten. Mit „EXIST – Existenzgründer aus Hochschulen“ etwa werden wir deshalb das Gründungsklima und die dafür notwendige Infrastruktur deutlich verbessern.
Für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wollen wir neue Impulse in Deutschland geben. Mit der Modernisierung des Dienstrechts will ich daher die Leistungsanreize in Lehre und Forschung stärken und den „Transfer von Köpfen“ in die Wirtschaft erleichtern.
Forschungsnetzwerke bündeln Kräfte und Kompetenzen, und schaffen so Innovationen, die über den Tellerrand der eigenen Fachdisziplin hinausgehen. Nehmen wir zum Beispiel die Hirnforschung, die zu den faszinierendsten Forschungsbereichen zählt. Hier ist eine Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg zu organisieren, die Biologen, Physiker, Chemiker, Mediziner, Psychologen und Linguisten einbezieht. Wir wissen, die wirklichen Herausforderungen stecken in den Spitzentechnologien hoher Komplexität.
Auf der Hannover Messe 2000 werde ich den Startschuss für eine neue Internetplattform geben. Unter http://www.kompetenznetze.de können sich die besten deutschen Netzwerke international präsentieren.
Wissenschaft und Forschung stehen im Mittelpunkt der Gesellschaft. Forschung darf niemals Selbstzweck sein, sie darf den Nutzen für die Menschen nicht aus dem Auge verlieren. Die Entwicklung neuer Technologien muss daher den Menschen und der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dienen. Unsere Lebensqualität, eine starke Wirtschaft und eine gesunde Umwelt gründen auf unserem Streben nach Wissen.
Wir stehen dabei vor wissenschaftlichen und technischen Umbrüchen, die jeden Lebensbereich betreffen, nicht mehr nur die Umwelt und von uns selbst geschaffene Maschinen. Dabei müssen wir erfahren, dass nicht alles, was technisch machbar erscheint, auch ethisch verantwortbar ist. Wissenschaft und Forschung müssen sich dessen bewusst sein.
Zusammen mit den großen Forschungsorganisationen habe ich deshalb die Initiative „Wissenschaft im Dialog“ ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, die Menschen für Wissenschaft und Forschung zu begeistern und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Chance zu geben, ihre Arbeiten vorzustellen und transparent zu machen
Forschungspolitik muss immer beides sein: gezielte, inhaltliche Schwerpunktsetzungen und eine starke und breite Förderung der Grundlagenforschung. Bei den Schwerpunktsetzungen hat unsere Forschungspolitik den Anspruch, den Interessen der Menschen in besonderer Weise gerecht zu werden. Sie soll die Lebensqualität des einzelnen fördern, gesellschaftliche Entwicklungen zukunftsfördernd beeinflussen und die Entfaltung der Wirtschaft gezielt unterstützen. Dieser Aufgabe hat sich die Bundesregierung gestellt und in klare Prioritäten umgesetzt. Einige Beispiele möchte ich nennen.
Den Bereich Biotechnologie haben wir mit über 10 % Zuwachs deutlich gestärkt, um die in Deutschland entstehende Biotechnologiebranche zu einem wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Wirtschaftszweig zu entwickeln. Die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Gentechnik nehmen wir dabei ernst und haben deshalb die Sicherheitsforschung ausgebaut.
Die Informations- und Kommunikationstechnologien sind die Schlüsselbereiche dieses Jahrtausends. Die Durchdringung unserer Gesellschaft mit den modernen Techniken ist auch ohne staatliche Hilfe in vollem Gange, die Entwicklung zur Informationsgesellschaft ist jedoch kein Selbstläufer. Sie bedarf gestalterischer, politischer Initiativen, damit der Wandel beschleunigt und die Chancen genutzt werden. Bundesregierung und Wirtschaft schaffen hier mit Ihrer Greencard-Initiative und der deutlichen Steigerung der Aus- und Weiterbildungsanstrengungen die Rahmenbedingungen für Fortschritt und Beschäftigung.
Die Forschung in diesem Bereich zielt vor allem auf die Entwicklung neuer Beschäftigungsfelder und Märkte. So wird z.B. mit einem neuen Programm die Entwicklung von Netzen und Systemen für die nächste Mobilfunkgeneration in Deutschland gefördert.
Die Nanotechnologie, die Mikrosystemtechnik und die Produktionsforschung haben wir allesamt ausgebaut und werden mit neuen Förderprogrammen Impulse für die Zukunft und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze setzen.
Wenn wir auch die ökologische Modernisierung wollen, dann heißt das zudem, dass wir die enormen Möglichkeiten in der Biotechnologie und Medizin verantwortlich nutzen und weiterentwickeln müssen. Das sind die Aufgaben der Zukunft. E. BULMAHN
Edelgard Bulmahn: Das Gesamtsystem der Forschung in Deutschland braucht eine stärkere Profilierung.

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