Innovation 23.01.2009, 19:39 Uhr

Sparkurs bei Forschung kann die Zukunftsfähigkeit kosten  

Gleich bleibende oder sogar verstärkte Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) angesichts der Krise, geht das? Mit einem eindeutigen Ja plädierten hochkarätige Redner auf dem 2. Innovationsgipfel vergangene Woche in München für mehr Forschungsausgaben in Unternehmen hierzulande. Darüber hinaus forderten Experten gerade jetzt, mehr Ingenieursnachwuchs anzuheuern und mehr in die Ausbildung von Ingenieuren zu investieren. VDI nachrichten, Berlin, 23. 1. 09, rb

„Wir können uns aus der Krise nicht heraussparen“, sagte Intel-Deutschlandchef Hannes Schwaderer auf dem 2. Innovationsgipfel in München. Damit stand er vergangenen Dienstag beim hochkarätigen Treffen von Vertretern der Hightech-, Automobil-, Luft-, und Raumfahrtindustrie zusammen mit Forschung und Politik nicht alleine da.

Nun ist dies für Chiphersteller Intel ein leichtes Bekenntnis. Das räumt Schwaderer für seine Industrie ein, in der „90 % der Produkte, die wir im Januar auf dem Markt haben, schon im Dezember des gleichen Jahres nicht mehr aktuell sind“. Schwaderer weiß: „Ohne Investitionen wären wir nicht überlebensfähig.“

Eine solche Denke mahnte Joachim Milberg in seiner Keynote für die gesamte deutsche Wirtschaft an. Der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und Vorsitzender des Aufsichtsrates der BMW AG rechnete vor, dass in Deutschland ausreichend FuE-Investitionen nicht einmal in wirtschaftlich guten Zeiten getätigt werden. Laut Milberg wurden in den vergangenen Jahren nur rund 2,5 %, gemessen am Bruttosozialprodukt, für FuE ausgegeben. Damit sei noch nicht einmal das „Lissabon-Ziel von 3 % erreicht“.

Lege man diese Messlatte an, klaffe allein für das Jahr 2006 eine Lücke von 10,6 Mrd. € in Forschung und Entwicklung. Umgerechnet auf Arbeitsplätze hätten bundesweit 90 000 Menschen mehr in FuE beschäftigt sein müssen.

Milberg ist sich darüber im Klaren, dass derzeit Profitabilität und Liquidität weit mehr bei der Bewertung von Unternehmen zählen als die Innovationsleistung. Der BMW-Aufsichtsratsvorsitzende mahnte, „Entwicklungsprojekte in Balance zu den Quartalsberichten beizubehalten“. Und er plädierte zudem dafür, gerade jetzt vermehrt Nachwuchs anzuheuern: „Wenn wir jetzt nicht weiter einstellen, dann haben wir in sieben Jahren ein großes Problem.“

Wie viel durch Innovation made in Germany entstehen kann, rechnete Bernhard Grill vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) anhand der Entwicklung des Audiokompressionsstandards MP3 vor. Er berichtete, dass sich das Fraunhofer-Institut 2008 im Standardisierungswettbewerb um die fünfte Generation von MP3 durchgesetzt habe – gegen Samsung, LG, ETRI und damit die Crème de la Crème aus Korea sowie gegen Audiospezialisten wie Dolby, Philips und Thomson.

Grill rechnete vor, was mit MP3 bislang verdient wurde. Jenseits von Lizenzeinnahmen, die „jährlich rund 300 Mio. € betragen“, machten andere Industrien Geschäfte, indem sie MP3 in andere Produkte integrieren. Grill: „Wer einen VW Golf mit MP3-Funktion im Autoradio bestellt, bezahlt einen Aufpreis von 305 €.“ Zudem zögen Innovationen weitere Investitionen nach sich. So wurde durch die Schlüsseltechnologie MP3 die Entwicklung und Fertigung rund um das „Worldspace Satellitenradio“, das vor allem Afrika und Asien mit Hörfunk versorgt, nach Europa geholt. Angesichts der marktbestimmenden Industrie aus Asien und den USA mit Herstellung in Asien in puncto MP3-Abspielgeräten jedoch räumte Grill ein: „Es wäre noch besser gegangen.“

Auf dem Innovationsgipfel kamen auch die Rahmenbedingungen für FuE hierzulande auf das Tablett. Detlef Müller-Wiesner, Chief Operating Officer Innovation beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, wies darauf hin, dass in Frankreich Unternehmen bis zu 100 Mio. € ihrer FuE-Ausgaben von der Steuer absetzen könnten: „Gerade Mittelständler könnten hierzulande sehr davon profitieren.“ Diese Idee wäre im Konjunkturpaket an die Kanzlerin enthalten gewesen, sei aber nicht mehr aufgegriffen worden. NIKOLA WOHLLAIB

Von Nikola Wohllaib

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