Forschung 12.05.2006, 19:21 Uhr

Später Triumph auf dem Datenhighway  

VDI nachrichten, Karlsruhe, 12. 5. 06, rb – Er selbst hat es mit blitzschnellen Vorgängen zu tun. Als Prof. Dr. Jürg Leuthold jedoch bei der EU um Forschungsgelder für ein Telekommunikationsprojekt warb, musste er sich an andere Zeitdimensionen gewöhnen. Aber der Kampf mit dem Brüsseler Formularstapel hat sich für den Leiter des Instituts für Hochfrequenztechnik und Quantenelektronik der Universität Karlsruhe gelohnt.

Nach zähem Ringen steht mittlerweile fest: Insgesamt acht Forschungs- und Industriepartner aus sechs Nationen werden in den nächsten drei Jahren EU-gefördert daran arbeiten, den weltweiten Daten-Kreisverkehr zu beschleunigen und Nutzern eine breite Auffahrt zur Daten-Autobahn zu öffnen. Und das innerhalb des bestehenden Leitungsnetzes.

Licht statt Elektronen, lautet die Antwort des Karlsruher Triumph-Teams, auf die EU-Frage: Wie lässt sich Breitband für alle realisieren? Der Anspruch: mehrspurige Datenautobahnen für jeden einzelnen Nutzer die Möglichkeit z. B. für superschnelle Downloads oder Breitbandfernsehen – kurz für Dienste, die das Verarbeiten und Versenden riesiger Datenmengen voraussetzen.

Vielleicht war das Kürzel Triumph (Transparent Ring Interconnection Using Multi-Wavelength Photonic Switches) ein gutes Omen: Das Projekt mit dem optimistischen Namen wird seit März aus den Mitteln des 6. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union mit 2,75 Mio. € gefördert. Überzeugend konnten die Telekommunikationsprofis den Brüsseler Gutachtern darlegen, wie man mit Hilfe von Glasfaser-Schaltungen über die bestehenden Datenwege noch mehr Verkehr schicken kann.

Konzept und Technik der Triumph-Partner setzen an den Umschaltzentralen der Datenleitungen an. Der Telekommunikationsverkehr ist in hierarchischen Ringen angeordnet. Die E-Mail nach Amerika wandert durch die Hausleitung, mündet vor der Haustür in einen städtischen Kommunikationsring, von dort geht es ins regionale, dann ins bundesweite, europäische, und schließlich ins globale Netz.

Zwischen den Ringen regeln Umschaltknoten, so genannte Router, den Verkehr. Langsame und schnelle Datenleitungen stoßen hier aufeinander und müssen umgeleitet, gleichgeschaltet, koordiniert werden – eine Art Hauptbahnhof für Informationszüge.

In diesen Knoten, so Kommunikationsexperte Leuthold, entstehen die Hauptkosten. Daher setzt hier das Triumph-Vorhaben an. Um den Informationsumschlag zu erhöhen und die Weitergabe zu beschleunigen, sollen die Informationspakete in den Knoten per Licht statt wie bisher elektronisch weitergegeben werden. Neue Schaltungen, die mit Glasfasertechnik arbeiten, werden den Datenverkehr beschleunigen und verdichten, 16-mal mehr Information zum selben Preis oder günstiger ist das Ziel.

Damit es aber überhaupt soweit kommen kann, musste sich Leuthold erst einmal selbst als Informationssammler und Weiterleiter betätigen. Zwei Monate Schreibtischarbeit am Stück kostete es ihn, ehe der rund 120-seitige EU-Antrag zusammengestellt und in eine einheitliche Form gegossen war. Viel Aufwand mit ungewissem Ausgang. Denn von den Projektanträgen wird in der Regel nur ein geringer Prozentsatz bewilligt, im Falle von Triumph gerade mal 11 %.

Wer die Minimalanforderungen erfüllt hat, den klopfen die EU-Gutachter auf sechs Kriterien ab. Neben Punkten wie Relevanz, Exzellenz oder Wirkung wird dabei auch das Projektmanagement beurteilt, und hier gilt es bestimmte Vorgaben zu erfüllen. Selbst wissenschaftlich herausragende Projekte können scheitern, weil z. B. die Frage der Patentregelung nicht ausreichend geklärt war. „Man muss an alles denken“, weiß der Projektkoordinator aus eigener leidvoller Erfahrung.

Nachbessern ist im EU-Verfahren nicht vorgesehen. Doch das notwendige Quäntchen Glück war mit dem internationalen Team. Mit 25,5 von 30 möglichen Punkten schnitt das Projekt Triumph mehr als ordentlich ab. Dass dem so war, hätte Leuthold fast übersehen. Eine eindeutige Aussage war der EU-Antwort schwer zu entnehmen.

Erst der Anruf eines gut informierten Projektpartners schuf Gewissheit, dass es sich bei dem im besten Amtsenglisch gehaltenen vierseitigen Brüsseler Brief um so etwas wie eine Zusage unter Vorbehalt gehandelt hatte. Pragmatiker Leuthold blieb jedoch auf dem Boden: „Ich war bis zum Schluss skeptisch, die EU ist schließlich ein großes Gebilde mit verschiedenen Interessengruppen. Man weiß nie, welche die Stärkste ist.“ Recht hatte er insofern, als auch nach der Benotung noch einige Hürden zu überwinden waren.

Fördern wollten die Europa-Beamten zwar, aber mit rund einer halben Mio. € weniger, als von den Antragstellern kalkuliert. Es hieß also noch mit der finanziellen Heckenschwere hochfliegende Pläne der einzelnen Partner zurechtzustutzen. Prof. Leuthold rief alle beteiligten Projektpartner persönlich an, kämpfte um jeden Euro und setzte auf die Vernunft: „Das sind alles gestandene Leute, die wissen, um was es geht.“ Am Ende war das Budget auf die von der EU bewilligte Höhe getrimmt, der Antrag endgültig bewilligt.

Und jetzt folgte das triumphale Glücksgefühl? Der Gefragte schmunzelt: Nein, er bewahre auch in solchen Fällen seine europäische Zurückhaltung. Gefeiert hat Leuthold dann doch, zunächst im kleinsten Kreis. „Ich habe eine Flasche Sekt mit meiner Frau genossen. Sie hat mich schließlich lange nicht gesehen.“

In den kommenden Monaten wird sich daran wohl nicht viel ändern, auch wenn das EU-Projekt langsam in geregelte Bahnen mündet. Die eine oder andere Nachtsitzung sieht Leuthold auf sich zukommen. Bis zu einem gewissen Punkt ist das für ihn normal. Schließlich sei man ja Wissenschaftler aus Enthusiasmus: „Ich habe Freude am Aushecken von neuen Methoden“, erklärt er seinen Ehrgeiz. REGINA LINK

Von Regina Link

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