Strömungen im Kopfhörer 09.08.2016, 10:29 Uhr

Soundsystem verhilft Schwimmern zu Top-Leistungen

Muss es immer Doping sein, um das letzte Quäntchen Leistung herauszukitzeln? Nein, zeigen Forscher der Uni Bielefeld. Ihr Soundsystem macht aus Strömungen Melodien, mit denen Schwimmer ihre Technik verfeinern.

Wie werden Schwimmer noch erfolgreicher? Indem sie Strömungen beim Schwimmen als Töne wahrnehmen, sind Forscher aus Bielefeld überzeugt. 

Wie werden Schwimmer noch erfolgreicher? Indem sie Strömungen beim Schwimmen als Töne wahrnehmen, sind Forscher aus Bielefeld überzeugt. 

Foto: Miguel Villagran/dpa

Das System besteht aus zwei Handschuhen mit dünnen Schlauch-Enden, die zwischen den Fingern befestigt sind. Die Schläuche sind mit einem Messgerät verbunden, das Strömungsdruckdaten an einen Laptop weiterleitet.

Eine Software sonifiziert die Daten, wandelt sie also in Klänge um. Die Töne übermittelt das System dann in Echtzeit per Stereo-Kopfhörer an den Schwimmer. Verändert der Athlet eine Bewegung, hört er live, wie sich auch der Ton verändert. 

Schwimmer profitiert von neuem Wasserbewegungsgefühl

Und das soll tatsächlich helfen? Ja, ist Klangforscher Thomas Hermann vom Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (Citec) der Universität Bielefeld überzeugt. „Wenn ein Schwimmer über das Hören den sich verändernden Strömungsdruck registriert, kann er beispielsweise genauer abschätzen, wie er größeren Schub bei gleichem Energieaufwand erzeugt. Er bekommt so ein umfassendes Wasserbewegungsgefühl.“ 

Das System bietet Sportlern neue Trainingsmöglichkeiten. „Beim Schwimmen mit diesem System entwickelt der Schwimmer einen Eigenklang – eine Art Melodie“, erklärt Hermann. „Wenn jemand besonders schnell eine Strecke gemeistert hat, kann er die Aufzeichnung der Melodie nutzen, um diesen Erfolg in seiner Vorstellung zu wiederholen und nachzuspüren. Durch dieses mentale Training kann er dann auch bei Wettkämpfen erfolgreich sein.“ 

Dr. Thomas Hermann (li.) und Dr. Bodo Ungerechts (re.) haben ein System entwickelt, das mit Klängen die Wahrnehmung von Schwimmern erweitert.

Dr. Thomas Hermann (li.) und Dr. Bodo Ungerechts (re.) haben ein System entwickelt, das mit Klängen die Wahrnehmung von Schwimmern erweitert.

Foto: CITEC/Universität Bielefeld

Der Trainer hört die Sounds über Lautsprecher. Er gibt dann Anweisungen zu den erzeugten Klängen und ihrem Rhythmus – etwa: „Gestalte die Handaktion so, dass der Ton schneller ansteigt.“ 

Athleten aus den Niederlanden sind vom Soundsystem überzeugt

Die Feuertaufe hat das System bereits bestanden. In einem Praxis-Workshop im September 2015 bestätigten Profischwimmer, dass ihnen das System hilft, ihre Technik zu verbessern. Schwimm-Mannschaften des PSV Eindhoven in den Niederlanden haben das System zudem zwei Monate lang getestet und im Training eingesetzt. Der Verein tritt in den Niederlanden in der höchsten Schwimmklasse an. 

Schwimmerin mit Sensorhandschuhen. Eine Software wandelt die Strömungsdaten in Klänge um. Beim Training lassen sich dann ganze Melodien erzeugen. 

Schwimmerin mit Sensorhandschuhen. Eine Software wandelt die Strömungsdaten in Klänge um. Beim Training lassen sich dann ganze Melodien erzeugen. 

Foto: Universität Bielefeld

Und wie geht es weiter? Die Forscher wollen ihren Prototypen weiterentwickeln, bei dem derzeit noch ein Mitarbeiter eine Angel mit dem Messgerät über dem Schwimmer führt. „Wir planen ein tragbares System, das unabhängig von anderen Personen genutzt werden kann“, sagt Hermann. Außerdem stehen weitere Kooperationen mit Schwimmvereinen auf dem Programm. 

Konkurrenz kommt von Andrea Rinaldo. Der ehemalige Profischwimmer hat sich mit Ingenieuren zusammengetan und einen digitalen Schwimmtrainer entwickelt, der sich am Hinterkopf montieren lässt. 

Von Patrick Schroeder

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