Zukunftsserie 16.12.2020, 09:09 Uhr

So stellen sich Menschen die Welt im Jahr 2050 vor

Wie werden wir 2050 leben? Lachen wir dann über die Corona-Pandemie oder kommen weitere Krisen auf uns zu? In unserer neuen Serie „So sieht die Welt 2050 aus“ sprechen wir mit Wissenschaftlern und weiteren Experten über spannende Zukunftsszenarien.

Futuristisches Stadtbild

Wie werden wir 2050 leben? Wir haben Menschen dazu befragt.

Foto: panthermedia.net/algolonline

2020 ist so ein Jahr, in dem viele von uns sich in eine ferne Zukunft wünschen. Wie geht es weiter, wenn diese Krise erst einmal überstanden ist? Wird alles wieder so wie vorher oder sogar besser? Wie leben wir in 30 Jahren? Dazu haben wir Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gefragt, wie sie sich das Jahr 2050 vorstellen. In unserer neuen Serie „So sieht die Welt 2050 aus“ verraten wir Ihnen ihre Antworten.

Wie werden wir nach der Coronakrise leben?

Den Auftakt bildet der Ingenieur Erik Marquardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik. Zudem sitzt Marquardt im VDI-Fachausschuss „Additive Manufacturing“.

Porträt Erik Marquardt

Erik Marquardt ist Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Verein Deutscher Ingenieure.

Foto: VDI

ingenieur.de: Frohes Neues Jahr! Die Silvesternacht ist vorbei, 2049 war gestern. Wir schreiben jetzt das Jahr 2050. Erzählen Sie uns, wie die Welt heute aussieht.

Erik Marquardt: Im Jahr 2050 ist die Welt verantwortungsvoller, nachhaltiger, individueller und vernetzter. Die Vernetzung bezieht sich nicht nur auf Urlaubsreisen, Handel und Datenleitungen, sondern auch auf Ernährung, Gesundheit und Klima. Die bis dahin knapp 10 Milliarden Menschen auf der Erde haben (hoffentlich!) erkannt, dass das Handeln jeder Gruppe, ja jeder, jedes Einzelnen Einfluss auf die Lebensbedingungen aller hat.

Autos sind …

… Teil eines ineinandergreifenden Mobilitätssystems mit Fahrrädern, Elektro-Kleinfahrzeugen und öffentlichem Nah- und Fernverkehr. Mit autonom fahrenden Autos lassen sich Car-Sharing- und Mobility-As-A-Service-Konzepte überzeugend vermarkten: Ein vollständig autonom fahrendes Auto braucht – ähnlich wie ein Taxi – keinen Parkplatz am Flughafen oder Bahnhof.

In meiner Stadt leben im Jahr 2050… 

… aufgrund der Nähe zu den Ballungszentren 20-30 % mehr Menschen als heute. Das ausgewiesene Bauland ist schon seit langem weitgehend genutzt. Der Widerstand, verbliebene Grün- und Agrarflächen als Bauland auszuweisen wächst aufgrund der Erholungsfunktion für die Bevölkerung und der Bedeutung dieser Flächen für das (Micro-) Klima in der Stadt. Neuer Wohnraum wird vor allem durch „Nachverdichtung“ geschaffen. Beim Abriss alter Gebäude und der Neubebauung mit mehr Wohnraum bleibt die Größe der vorhandenen Grünflächen durch Dachbepflanzungen etc. erhalten.

Es ist ein großes Problem in diesem Jahr, dass…

… die Etats für die schulische Ausbildung insgesamt und für die mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Allgemeinbildung im Besonderen in den vergangenen Jahrzehnten zu klein waren. Dadurch fehlen nicht nur Fachkräfte im Handwerk und im akademischen Bereich. Daten zur Bewertung des Klimawandels oder zur Bekämpfung von Pandemien basieren auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Eine gute Allgemeinbildung in der Bevölkerung hilft, diese Fakten zu bewerten und geeignete, gesamtgesellschaftlich akzeptierte Maßnahmen abzuleiten.

Jetzt weiß die Menschheit endlich, dass auf dem Mars…

… kein Mensch dauerhaft leben will und kann. Trotz aller Probleme ist die Erde immer noch der beste Ort für menschliches Leben. Entsprechend müssen alle Anstrengungen dahin gehen, diesen Lebensraum zu erhalten.

Mars: Ungewöhnliche Signale sorgen für Überraschung

Google ist inzwischen… 

Google ist, wenn es 2050 noch eine Rolle spielt, nicht nur ein Softwarehaus, sondern auch ein Anbieter von Waren und Dienstleistungen. Google weiß nicht nur, wann die Pizzeria am Urlaubsort geöffnet hat. Es bietet mir auch an, einen Tisch dort zu reservieren und schlägt mir vor, wie ich mit meinem Urlaubsgepäck schnell, bequem und umweltfreundlich dahin komme.

Wenn ich etwas einkaufen will, brauche ich…

… den Supermarkt um die Ecke und den Bauernladen im Nachbarort. Wenn es um Ersatzteile fürs Fahrrad oder die Technik im Haus geht, dann kann ich einen 3-D-Scan des gesuchten Bauteils mit meinem Smartphone machen und diesen 3-D-Scan als „Suchbegriff“ im Internet eingeben. Ich muss weder eine Typbezeichnung oder den Namen des Herstellers recherchieren. Wenn ich Glück habe, kann ich noch ein Original-Ersatzteil ergattern. Vielleicht werden mir auch geeignete Alternativprodukte angezeigt. Wenn das auch nicht hilft, werden mir zertifizierte Angebote von 3-D-Druckdienstleistern angeboten. Die Teile aus der additiven Fertigung sehen nicht nur aus, wie das zu Ersetzende. Da über die Suchfunktion das Teil als solches erkannt wurde, ist auch der Einsatzzweck bekannt und es werden nur Angebote angezeigt, die alle Qualitätsmerkmale einschließlich der erforderlichen mechanischen Eigenschaften aufweisen.

Mein Arbeitsplatz ist…

Arbeitsplatz? Ich hoffe, dass mein Tätigkeitsschwerpunkt im Jahr 2050 mit einem Alter von über 80 Jahren eher im privaten Bereich liegt!

Corona: Ist der Arbeitsplatz in Gefahr?

Wenn ich jetzt auf das Jahr 2020 zurückblicke, dann…

… war die Corona-Pandemie der Auslöser, dass in immer mehr Ländern erkannt wurde, dass die Ernährung und Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger globale Herausforderungen sind, die sich allein national nicht zufriedenstellend lösen lassen.

Danke für das Interview!

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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