Forschung 25.01.2002, 17:32 Uhr

Smartakus liest das Mienenspiel

Der Prototyp eines Info-Kiosks wurde jetzt am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken entwickelt. Seit 1999 arbeiten die Forscher an einem Computer, der mittels intelligenter Software nicht nur die menschliche Sprache, sondern auch Gestik und Mimik versteht.

Möchten Sie ,Harry Potter‘ oder ,Der Herr der Ringe‘ sehen“, fragt eine freundliche Stimme. Der Geschäftsmann, der sich in der Stadt nicht auskennt, steht in einer Art Telefonzelle. Die Stimme stammt von Smartakus, einer Zeichentrickfigur, die ihm auf einer Projektionsfläche eine Reihe von Filmen präsentiert. Der Mann wählt mit dem Finger einen aus und sagt: „Den hier.“ „Sie wollen ,Der Herr der Ringe‘ sehen“, wird er noch einmal gefragt. „Ja“, bestätigt er.

Nun tauchen die Namen einiger Kinos auf, der Geschäftsmann sucht sich eines in der Nähe aus. Smartakus blendet die Sitzplätze des Filmtheaters ein. Der Mann gibt seine Kreditkartennummer an, greift sich das ausgedruckte Ticket und macht sich auf den Weg.

Noch gibt es den Info-Kiosk nur als Prototyp am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken. Er ist im Rahmen von „Smartkom“ entstanden. Das Leitprojekt wird vom Bundesforschungsministerium mit 15 Mio. Euro gefördert. Der Name ist Programm: Nichts anderes als eine smarte Kommunikation möchten die rund 70 Forscher unter Führung des DFKI erreichen. Seit 1999 arbeiten sie an einem Computer, der mit intelligenter Software nicht nur Sprache, sondern auch Gestik und Mimik versteht.

„Wir wollen weg von der PC-Anmutung. Das Gerät soll sich dem Benutzer anpassen“, erklärt Projektmanager Anselm Blocher. Zum interdisziplinären Forscherteam gehören neben Vertretern von Forschungseinrichtungen und Universitäten (München, Stuttgart oder Erlangen) auch solche aus der Industrie, etwa DaimlerChrysler, Philips, Sony oder Siemens. Letztere steuern rund 9 Mio. Euro bei.

„Wir haben drei verschiedene Anwendungsszenarien konzipiert“, berichtet Blocher. Eines davon ist „Smartkom-Home/Office“. Es ist ein Computerarbeitsplatz, der als Schaltzentrale in einer vernetzten Wohnung den Videorecorder programmiert, die Heizung einschaltet, die Börsendaten liefert oder Fahrplanauskünfte gibt.

„Smarktkom-Mobil“ heißt eine tragbare Variante. Den Zugang zum Internet schafft eine GSM-Verbindung. Für die Navigation mit digitalen Karten, etwa auf Reisen, sorgt ein integriertes GPS-Modul.

„Smartkom-Public“ ist, wie im Kinoauskunftsszenario oben beschrieben, die Weiterentwicklung des öffentlichen Fernsprechers zur modernen Kommunikationszelle, mit Breitbandtechniken, Scanner oder Bildschirmtelefon ausgestattet. Dabei hilft der elektronische Assistent Smartakus dem Nutzer durchs Menü. „Ein Handbuch soll überflüssig werden. Das Gerät soll intuitiv bedient werden können“, so Blocher.

Das hört sich einfach an, die Technik dahinter aber ist hochkomplex. Denn neben Spracherkennung, -analyse, -verstehen, -steuerung und -synthese kommen noch die „Dimensionen“ Mimik und Gestik hinzu – hier müssen erst neue Konzepte für diese Art der Mustererkennung entwickelt werden. „Insgesamt haben wir 35 Programm-Module, die integriert werden müssen“, erläutert der Projektmanager.

Schließlich muss das System auch erkennen, welche Absichten der Nutzer hat – und darauf reagieren. Es muss so robust sein, dass widersprüchliche Signale nicht zum Programmabsturz führen. Die Forscher haben Smartakus entsprechend programmiert: Im Zweifelsfall fragt er nach. Außerdem muss der elektronische Butler so intelligent sein, dass er „merkt“, wenn sein „Kunde“ kurz vor einem Wutausbruch steht und ihn rechtzeitig an einen menschlichen Kollegen im Call-Center übergeben. EVDOXIA TSAKIRIDOU

www.smartkom.org

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