Fußgänger erforscht 05.06.2013, 12:01 Uhr

Simulation hilft Stadtplanern: Nie mehr überfüllte Bürgersteige

Um von einem Ort zum anderen zu kommen haben Großstädter viele Möglichkeiten. Davon nutzen sie verschwindend wenige. Mit einer Computersimulation lassen sich jetzt bevorzugte Routen vorhersagen. Dieses Wissen kann für die Stadtplanung und auch für die Bekämpfung von Seuchen genutzt werden. 

Stadtplaner können künftig die Breite von Bürgersteigen so planen, dass sie nie überfüllt sind. Sie können auch Verkehrsampeln so steuern, dass die Mehrzahl der Fußgänger nur kurz auf grünes Licht warten muss. Dafür müssen sie nur ein Modell anwenden, das deutsche, amerikanische und französische Forscher entwickelt haben. Danach bewegen sich Menschen, wenn sie zu Fuß unterwegs sind, auf bevorzugten Routen. Unter Millionen Möglichkeiten, nacheinander mehrere Ziele anzusteuern, wählen sie nur wenige aus. Bei einer Million Möglichkeiten, sechs verschiedene Ziele anzuschauen, begnügen sich die meisten Menschen in einer Großstadt mit ganzen vier Varianten.

Forscher des Massachusetts Institutes of Technology (MIT) im US-amerikanischen Cambridge, des Göttinger Max-Planck-Institutes für Dynamik und Selbstorganisation und des Orange Labs im französischen Issy les Moulineaux haben diese überraschenden Erkenntnisse bei Studien in Paris und Chicago gewonnen. Sie berücksichtigten Routen mit maximal sechs Anlaufstellen, weil es kaum Menschen gibt, die mehr Ziele ansteuern. Gut 30 Prozent der Menschen aus Chicago und etwa 40 Prozent der Bürger von Paris bewegten sich sogar nur zwischen zwei Orten hin und her. Das Modell, das die internationale Forschergruppe entwickelte, lässt sich an jede Großstadt anpassen. Es müssen lediglich einige Parameter geändert werden, etwa die Zahl der Arbeitnehmer.

Ähnliche Modelle gibt es bereits, allerdings nur für Bewegungen über große Entfernungen. Diese nutzen etwa Behörden, um Vorkehrungen gegen eine Ausbreitung von Infektionen zu treffen. Bei kurzen Distanzen versagen diese Modelle allerdings. Man weiß zwar, dass eine Seuche, die in Südostasien auftritt, nach kurzer Zeit von Reisenden in die USA eingeschleppt wird. Wie sie sich dann aber innerhalb von New York verbreitet lässt sich bisher nicht vorhersagen.

Standortermittlung per Handy

Die Wissenschaftler – auf deutscher Seite ist das Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation beteiligt – haben die Daten, die sie für das Modell brauchten, vor allem mit Hilfe von zehntausenden Fragebögen ermittelt. In Paris konnten sie zudem auf die Ortung von tausenden Mobiltelefonen zurückgreifen. Diese melden, wenn sie eingeschaltet sind, ständig, zu welchen Funkzellen sie gerade Kontakt haben. In Großstädten mit einem dichten Netz von Sende- und Empfangsanlagen lässt sich daraus der jeweilige Standort auf wenige Meter genau ermitteln.

Von Wolfgang Kempkens Tags:

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