Meteoriteneinschlag vermutet 15.01.2015, 12:45 Uhr

Ringförmige Bruchstelle mit zwei Kilometer Durchmesser entdeckt

Geophysiker eines deutschen Forschungsinstituts haben bei Flügen über das Eis der Antarktis eine ringförmige Bruchstelle entdeckt, die von einem Meteoriteneinschlag vor mehr als zehn Jahren stammen könnte. Sie hat einen Durchmesser von etwa zwei Kilometern und soll nun näher untersucht werden.

Das AWI-Forschungsflugzeug Polar 6 beim Start an der belgischen Antarktis-Forschungsstation Princess Elisabeth. Mit ihm wurde die mutmaßliche Einschlagstelle per Radar und einem so genannten Laseraltimeter vermessen.

Das AWI-Forschungsflugzeug Polar 6 beim Start an der belgischen Antarktis-Forschungsstation Princess Elisabeth. Mit ihm wurde die mutmaßliche Einschlagstelle per Radar und einem so genannten Laseraltimeter vermessen.

Foto: Jos Van Hemelrijck/International Polar Foundation

Als Christian Müller kurz vor Weihnachten die Prinzessin-Ragnhild-Küste in der Antarktis überflog und aus dem Fenster schaute, wollte er zuerst seinen Augen nicht trauen: „Ich sah in fünf oder sechs Kilometern Entfernung eine kreisförmige Struktur von etwa zwei Kilometern Durchmesser. Ich fragte mich, was eine solche Form im Eis ausgelöst haben könnte.“

Eine mögliche Antwort fand Müller in zwei älteren Studien, die deutliche Hinweise darauf enthalten, dass im Jahr 2004 ein Meteorit in der Antarktis einschlug. Demnach wurden bei Infraschall-Messungen im für den Menschen nicht hörbaren Bereich Schallwellen in der Region registriert, die von einem größeren Körper stammen mussten. Außerdem stellten australische Wissenschaftler damals eine Staubspur in der Atmosphäre fest, die auch für einen Meteoriten sprach.

Krater dürfte sich bewegt und verändert haben

Einige Tage nach der Entdeckung nahmen Geophysiker des Alfred-Wegener-Instituts, das zum deutschen Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung gehört, die Narbe im Eis genauer unter die Lupe.  Sie vermaßen bei einem weiteren Flug mit ihrem Forschungsflugzeug Polar 6 die mutmaßliche Einschlagstelle per Radar und einem so genannten Laseraltimeter, das die dreidimensionale Struktur einer Oberfläche aus der Entfernung genau erfassen kann.

Die vermutliche Einschlagsstelle des Meteoriten: Original-Luftaufnahme der ringförmig umrahmten Bruchstruktur im Schelfeis. Schwach erkennbar ist die ringförmige Struktur.

Die vermutliche Einschlagsstelle des Meteoriten: Original-Luftaufnahme der ringförmig umrahmten Bruchstruktur im Schelfeis. Schwach erkennbar ist die ringförmige Struktur.

Quelle: Tobias Binder/Alfred-Wegener-Institut

Mithilfe dieser Daten und zusätzlicher Fotos und Videos wollen Experten beim AWI in Bremerhaven das Phänomen nun weiter untersuchen. Das ist unter anderem deshalb nötig, weil sich die Einsturzstelle in den vergangenen zehn Jahren massiv verändert und bewegt haben dürfte. „Wir rechnen damit aufgrund von Schneeansammlungen, Erosion durch den Wind und der ständigen Verformung durch die Bewegung des Eises selbst“, sagt Graeme Eagles, Leiter der Forschungsgruppe in der Princess Elizabeth Station am Südpol.

Bohrungen im Eis geplant

Bestätigt sich der Verdacht eines Meteoriteneinschlags, dann sollen weitere Untersuchungen vor Ort folgen. Unter anderem wollen die Forscher dann tief ins Eis bohren, um möglicherweise konkrete Spuren des Meteoriten zu finden.

Bis dahin können aber Jahre vergehen, weil zunächst die aktuellen Forschungen abgeschlossen werden müssen. Die Flüge, bei denen der Krater entdeckt wurde, sind Teil zweier Projekte, bei denen die geodynamische Entwicklung des „Dronning Maud Lands“ untersucht wird, also der Afrika zugewandten Seite der Antarktis.

Von Werner Grosch

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