Forschung 28.10.2005, 18:41 Uhr

Referenzmaterial lässt Betrüger auffliegen  

Materialien, die rund um die Uhr per Expresskurier in Labors unterwegs sind.

Olivenöl, Fisch und Kartoffelbrei gehören ebenso zum Angebot wie Genmais Bt 11 sowie Myoglobin zum Nachweis von akutem Herzinfarkt, aber auch Stahl. „Ein sehr wichtiges Material sind Stahlstäbe, so genannte charpy pieces, die als Parameter für die Bruchfestigkeit von Stahlsorten gelten und für die Exportindustrie eine eminente Bedeutung haben“, erklärt die Chemikerin Andree Lamberty beim Rundgang durch das 1800 m² große Lager. In den konventionellen Lagerräumen herrschen mit 18 °C Raumtemperatur und einer Luftfeuchtigkeit von 50 % noch angenehme Arbeitsbedingungen für die in weißen Kitteln arbeitenden Mitarbeiter.

Brigitte Fontenelle kommt jedoch selbst an warmen Tagen in dicker Daunenjacke und Winterschuhwerk daher. Bevor sie hinter der Isoliertür verschwindet, zurrt sie sich die Kapuze fest über dem Kopf zu. Hinter der Temperaturschleuse der nächsten Tür erwarten sie arktische -70 °C. Sie sammelt bestellte Proben für Überseelabors aus dem Tiefkühlfach.

In diesen begehbaren Tiefkühlschränken lagern medizinische Proben, DNA-Tests und kritisches Material für medizinische und biologische Analysen. So beispielsweise Gentests von genetisch veränderten Organismen wie dem Genmais Bt11 oder medizinische Substanzen, Enzyme oder Cholesterol. Die zugelassenen BSE-Schnelltests gehören ebenso zum Probensortiment wie Tyrosin zur Schilddrüsenkontrolle oder Myoglobin zum Nachweis von akutem Herzinfarkt.

„Wir haben hier Kohl, Karotten, Milch- und Kartoffelpulver, Apfel- und Orangensaft, Schweinefleisch, Leber, Fischöl und Muscheln“, gibt die Lagerleiterin Lamberty eine kleine Kostprobe in der Lebensmittelabteilung. Alles gefriergetrocknet, zermahlen oder als Konzentrat luftdicht verpackt in Beuteln, Röhrchen oder Medikamentenfläschchen.

Wenn es darum geht, Grenzwerte von genetisch veränderten Organismen (GVO) in Lebensmitteln einzuhalten oder den sicheren Nachweis von Rinderwahnsinn (BSE) im Tierfleisch zu führen, spielt das Institut für Referenzmaterial und -messungen (IRMM) in Geel eine zentrale Rolle. So unterstrich EU-Forschungskommissar Janez Potocnik bei der Einweihung die herausragende Bedeutung des Geeler Zentrums. Dass auch der amerikanische Prionenforschers Stanley B. Prusiner, mit dem Geel eine Wissenschaftskooperation unterhält, zur Eröffnung als Festredner auftrat, unterstreicht die Bedeutung des Institutes.

Zuverlässige Messergebnisse seien von erheblicher Bedeutung im Umweltschutz, in der Lebensmittelsicherheit und bei der Gesundheitsüberwachung, so Potocnik in Geel. Referenzmaterialien seien für die Industrie ebenso von Bedeutung wie im Kampf gegen Betrug.

So beschloss die EU-Kommission unlängst die Beimischung von „solvent yellow“, um billiges Dieselheizöl von hochwertigem Dieselkraftstoff zu unterscheiden und damit Steuerbetrug zu unterbinden. Zoll- und Betrugsbehörden erhalten vom IRMM in Geel validierte Farbstoffmessstreifen, die in Sekundenschnelle Betrüger auffliegen lassen. Auch zur Kontrolle der ab dem 1. Januar 2005 geltenden neuen Schwefeldioxidabgasnormen liefert das EU-Referenzinstitut an Laboratorien und Prüflabors der Erdölindustrie validierte Agenzien.

„Die Ansprüche an verlässliche Ergebnisse von Prüf- und Zertifizierungslabors im Umwelt, Gesundheits- und Lebensmittelbereich sind deutlich gewachsen“, erklärt Prof. Hendrik Emons den gestiegenen Bedarf an zertifiziertem Probenmaterial. Als Leiter des IRMM ist er für die wissenschaftliche Analytik, die Qualitätskontrolle und die Validierung aller Referenzmaterialien verantwortlich. Damit steht er mit jedem einzelnen Prüfbericht, die einen kompletten Raum füllen, mit seiner Unterschrift gerade. Überdies organisiert er die Weiter- und Ausbildungsmaßnahmen für Labor- und Fachpersonal vor allem in den neuen EU-Mitgliedsländern.

Jährlich verlassen rund 20 000 Proben sicher verpackt oder mit Trockeneis in Kühlboxen das IRMM auf dem Weg zu Prüflabors in der gesamten EU aber auch weltweit. Jede Probe kann auf dem Weg zum Bestimmungsort im Internet verfolgt und „problemlos über 30 Jahre dokumentiert werden“, versichert Lamberty, während der nächste Expresskurier das hoch gesicherte IRMM-Gelände verlässt.

THOMAS A. FRIEDRICH/ber

Von Friedrich/Bettina Reckter

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