Forschungs-Projekt 21.12.2012, 18:28 Uhr

„Race 2050“: Transportindustrie zukunftsfähig machen

Mit einem neuen wissenschaftlichen Ansatz arbeitet ein interdisziplinäres Expertenteam aus fünf Ländern daran, der europäischen Verkehrsindustrie langfristig die Zukunft zu sichern und zeigt damit, welche Managementkompetenzen künftig zwingend sind.

Die Transportindustrie zählt zu den wichtigsten Wachstumssäulen Europas.

Die Transportindustrie zählt zu den wichtigsten Wachstumssäulen Europas.

Foto: BASF

Forschung von ihrer Wirkung her denken – das ist ungewöhnlich in der Wissenschaft. Doch genau das machen Experten aus sechs Ländern im Projekt „Race 2050“, das im September startete. Sie identifizieren nicht nur die wesentlichen Faktoren für eine in den nächsten 40 Jahren nachhaltig wachsende europäische Transportindustrie. „Wir müssen die Zukunft erfinden, damit wir eine bekommen“, so das Motto des Forschungsteams.

Der Forschungsfokus gilt denn auch den Folgen von Zukunftsszenarien, den Lernprozessen, die sie in Gang setzen, erläutert Luidger Dienel, Projektverantwortlicher und Leiter des Zentrums Technik und Gesellschaft der TU Berlin. Entsprechend wird ein „didaktisch motiviertes Bedrohungsszenario“ bis 2030 entwickelt und gleichzeitig ein richtungsweisendes „Wunschszenario“ oder Leitbild bis 2050.

Projekt „Race 2050“ setzt auf bisherigen Erfolgsmodus der Transportindustrie

Damit folgt das Projektdesign dem Erfolgsmodus der Transportindustrie, die seit Jahren zu den wichtigsten Wachstumssäulen Europas zählt. „Den technologisch und wirtschaftlichen Spitzenrang verdankt die Branche wesentlich ihrer Flexibilität und Offenheit, mit der sie in den letzten 40 Jahren auf die drei großen Bedrohungsszenarien reagierte“, behauptet Dienel.

Zum Beispiel 1967. Damals erschütterte „Die amerikanische Herausforderung“ die europäische Industrie. In seinem gleichnamigen Buch zeichnete Jean-Jacques Servan-Schreiber ein Kontrastbild des Neuen und Alten Kontinents, auf dem Amerikas Managementtechniken, Forschungspotenziale und Technologien die Konkurrenten aus Europa alt, schwach und wenig zielorientiert erscheinen ließen. Der Schock wirkte, er mobilisierte Europa und forcierte transnationale Kooperationen. Sie gipfelten 1969 im deutsch-französischen Airbus-Vertrag.

Zehn Jahre später trat Japan als großer Herausforderer auf die Weltbühne. Verkehrsexperten prophezeiten, dass die fernöstliche Effizienz bis zur Jahrhundertwende Europas Transportindustrie zur japanischen Kolonie degradieren werde. Auch dieses Horrorbild setzte in Europa Energien frei: Die Industrie reagierte mit einer radikalen Umgestaltung ihrer Produktionskultur.

Projekt „Race 2050“: Europäische Transportindustrie konkurrenzfähig machen

Nun, seit der Jahrhundertwende ist China europäischer Angstgegner schlechthin. 2011 warnte die EU-Kommission, China fördere Forschung und Entwicklung zielführend, Europa dagegen stiefmütterlich und diffus. Tatsächlich produziert China schon heute am meisten Autos weltweit es ködert Käufer von Hybridfahrzeugen, macht gewaltige Fortschritte bei der Produktion von Hochgeschwindigkeitszügen und bietet dafür das längste Eisenbahnnetz. Auch die chinesische Flugzeugindustrie startet durch.

Bisher ist Europas Verkehrsindustrie gestärkt den düsteren Prophezeiungen entstiegen, da sie sich auf neue Rahmenbedingungen einstellen konnte. Die Erfahrung lässt das Prognosegeschäft aufblühen. Die EU und supranationale Institutionen wie die OECD, ebenso einzelne Staaten, die Auto- oder Flugzeugindustrie stellen laufend aktualisierte Zukunftsstudien bereit, etwa Trans-Tools, Stoa oder Transvisions. Qualitätskriterien und Standards sowie Netzwerke zu prognostischen Methoden und Anwendungen werden etabliert.

Aus dieser Fülle qualifizierter Studien erstellt das Race-Team einen synoptischen Pool. Oder, wie Dienel es ausdrückt: „Wir reduzieren die Komplexität, indem wir die wichtigsten Kriterien oder Kategorien als Schema in der Vertikalen und Horizontalen optisch nachvollziehbar darstellen mit der Möglichkeit, sich mit einzelnen Kriterien oder Studien intensiver zu beschäftigen.“

„Race 2050“ schließt unterschiedliche Bedrohungsszenarien ein

Zu den zentralen Bedrohungskategorien gehören Klimawandel, Umweltbelastung, Energieknappheit, Bevölkerungs- und Verkehrsexplosion. Didaktisch experimentiert das Team mit narrativen Szenarien, die vom Science-Fiction-Autor Karlheinz Steinmüller zu Geschichten umgeschrieben werden, um Lernprozesse und letztlich unternehmerisches Organisationslernen anzuregen.

„In Organisationen wird permanent von oben nach unten gesagt, wohin die Reise geht“, sagt Dienel. Wettbewerbsfähigkeit aber braucht Leitbilder, die Top-down-Kulturen aufbrechen, indem sie Organisation und Mitarbeiter unter einer „Corporate Identity“ zusammenführen. „Die meisten Unternehmen wissen, dass sie einen Kulturwandel hin zu mehr Partizipation durchziehen müssen“, sagt Dienel. Viele haben bereits eigene Abteilungen für Mitarbeiter- oder gar Bürgerbeteiligung eingerichtet. Ohne transparente und glaubhafte wissenschaftlich unterfütterte Leitbildvision aber bleibt Sand im Getriebe.

Race 2050 steckt mitten in diesem vielschichtigen Zukunftsprozess der Transportindustrie. Ein Projekt mit komplexem Ansatz, das didaktisch stets die Wirkung mitreflektiert und damit ein neues Anforderungsprofil für künftige Manager absteckt. Dienel: „Wichtige Zukunftskompetenzen sind partizipatives Organisationslernen und kognitive Risikobereitschaft, die neue Denkstrukturen ermöglicht.“

Basis des Erfolgs aber bleibe die technologische Solidität der europäischen Transportindustrie. Gefragt seien Zusatzqualifikationen und flache Hierarchien, nicht der smarte, technikferne Manager.

Von Ruth Kuntz-Brunner

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