Forschung 20.07.2001, 17:30 Uhr

Profit und Promotion

Das Institut für Kraftfahrwesen (ika) und dessen Ableger, die Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH (fka), bieten Studierenden und Industrie gleichermaßen beste Bedingungen.

Das ist neu in der mehr als 100-jährigen Forschung und Lehre an der TH Aachen rund ums Kraftfahrzeug: Ein englischsprachiger Master-Studiengang „Automotive Systems Engineering“ praktisch nur für Ausländer. Die Aachener Maschinenbau-Fakultät bietet neben dem Diplomstudium bewusst keine grundständige Bachelor-Ausbildung an, die Bewerber müssen den Grad aber schon mitbringen. Und nur die Besten werden genommen. Von den knapp 30 Glücklichen der ersten Ausschreibungsrunde stammen mehr als die Hälfte aus Indien (Bangalore). Im Wintersemester kommen zehn Chinesen hinzu, mit freundlicher Unterstützung der Regierungen in Peking und Berlin. Umgekehrt machen die deutschen Studenten ihr Pflichtpraktikum gern im Ausland. „Wir haben starke Auslandsinteressen“, erklärt Jan-Welm Biermann, Akademischer Direktor am ika. „Wichtig ist uns insbesondere, dass international orientierte Studenten nicht an uns vorbei gleich weiter nach Westen ziehen, in die USA. Ein solcher Trend wäre unserem eigenen Standort abträglich.“

Der hat bislang Weltgeltung, vor allem aufgrund der Synergie zwischen dem Institut und seinem privatwirtschaftlichen Ableger, der „Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen“. In der Automobilwelt treten beide unter einem einheitlichen Markenzeichen auf („ika/fka“). Auch intern sind sie spiegelbildlich organisiert, in die Geschäftsbereiche Fahrwerk, Karosserie, Antrieb, Elektronik, Akustik, Verkehr. Prof. Henning Wallentowitz ist als Institutsleiter zugleich Vorsitzender des strategischen „Beirats“ der Forschungsgesellschaft. Ihre Ingenieure können bei ihm gleichzeitig den Doktor machen. Die Forschungsaufgaben ergeben sich maßgeblich aus dem Wissensbedarf der Kraftfahrzeughersteller und Zulieferer. Zu den engen Kooperationspartnern von ika/fka gehören die großen internationalen Autofirmen wie DaimlerChrysler, Ford und VW/Audi, ferner der Elektroniklieferant Bosch oder der Reifenproduzent Continental. Sie betrauen die Aachener Kollegen genauso mit möglichst gestern schon erledigten „Feuerwehraufträgen“ wie Grundlagenfragen. Beispielsweise soll eine plötzlich aufgetretene Geräuschquelle identifiziert und ausgeschaltet werden. Dafür ist die „Gesamtfahrzeugkompetenz“ vom Motor bis zum Reifen gefragt. Speziell für die Messung von Außengeräuschen steht eine hauseigene Teststrecke zur Verfügung. Zu den längerfristig lösbaren Grundlagenproblemen zählen etwa die Schwingungen. Diese wirken sich auf den Fahrzeugkomfort aus und gewinnen bei der heute angesagten Leichtbauweise wachsende Bedeutung. Die industrienahen Fragestellungen in Forschung und Entwicklung schlagen sich wie von selbst in der Lehre nieder. Privatdozent Biermann meint, dass die Ausbildung in Aachen wirklichkeitsnäher ist als das allzu theorielastige Angebot namhafter US-Hochschulen. Learning by doing ist für studentische Hilfskräfte, die bei laufenden Projekten des ika etwa an Prüf- und Messständen mitmachen, keine verheißungsvolle Parole, sondern Realität. Die beteiligten Studis nehmen auch an den Fachgesprächen mit Firmenvertretern teil, um möglichst früh Routine für Besprechungssituationen zu gewinnen. Der Ingenieur, der sich und seine Sache nicht präsentieren kann, steht auf verlorenem Posten. Oft entwickelt sich aus den Erfahrungen als Hilfskraft das Thema der Diplomarbeit und darüber der Kontakt zum ersten Arbeitgeber. Mitunter ist das die fka.

Auch das Hochschulinstitut beschäftigt und bezahlt weitaus die meisten seiner gut 50 wissenschaftlichen Mitarbeiter (Assistenten) mit Industrieaufträgen. Manche davon erscheinen „grundlegend“ genug für ein Promotionsthema. Als Beispiel nennt Biermann die „Schwingungsübertragung von Antriebswellen“. Andere Doktorarbeiten ergeben sich aus einer geschickten Kombination mehrerer verwandter Aufträge und Fragestellungen. Die Kunst der Institutsleitung liegt darin, immer für eine ganze Palette wissenschaftlich wie wirtschaftlich lohnender Projekte zu sorgen und gleichermaßen die Hoffnungen der Auftraggeber (Kunden) wie der Mitarbeiter (Doktoranden) zu erfüllen.

Das nennt man heute „Wissenschaftsmanagement“. Die Zwillinge ika/fka geben ein best practice-Beispiel.

HERMANN HORSTKOTTE

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