Forschung 08.02.2008, 19:33 Uhr

Produktionsforschung bringt durch Technologiesprünge entscheidende Wettbewerbsvorteile  

VDI nachrichten, Karlsruhe, 8. 2. 08, ciu – Was die Produktion in Deutschland und bei weltweiten Anwendern von deutscher Produktionstechnik noch effektiver machen kann, ist seit Jahren Thema in Karlsruhe. Mit dem neuen Leiter des Projektträgers Forschungszentrum Karlsruhe, Dr. Robert Ruprecht, sprachen die VDI nachrichten im Vorfeld der vom Bundesforschungsministerium (BMBF) veranstalteten 9. Karlsruher Arbeitsgespräche Produktionsforschung 2008, Mitte März.

Ruprecht: In den ersten Wochen habe ich die fast 90 Mitarbeiter des Projektträgers Forschungszentrum Karlsruhe und Neues aus den Arbeitsgebieten Produktionsforschung, Wassertechnologie und Entsorgung sowie Umwelt- und Energieforschung kennengelernt. Ich freue mich auf die Teamarbeit zu bestehenden und künftigen Forschungsprogrammen des Bundes und des Landes. Als Maschinenbauingenieur und Materialforscher hatte ich bereits vielfältige Beziehungen zu Wissenschaft und Wirtschaft. Mit Einführung durch meinen Vorgänger, Herrn Dr. Bey, wurden diese durch wertvolle Kontakte zu Politik, Unternehmen, Verbände und Instituten ausgebaut.

VDI nachrichten: Produzierenden Unternehmen, insbesondere im deutschen Maschinenbau, geht es derzeit sehr gut. Auch für 2008 wird mit einem Umsatzwachstum gerechnet. Wie schätzen Sie die Gefahr ein, dass vor lauter Wachstum der Zeitpunkt verpasst wird, Lösungen für künftige Wachstumsmärkte zu entwickeln?

Ruprecht: An der Anzahl und Qualität eingehender Förderanträge zur Produktionsforschung erkennen das Bundesministerium für Bildung und Forschung und wir, dass die deutsche Industrie auch in aktuellen Zeiten voller Auftragsbücher und hoher Auslastung sich sehr wohl für die vorwettbewerbliche Forschung zu zukunftsweisenden Themen der Produktion und innovativen Fertigungstechnologien engagiert. Nur durch Forschung können deutsche Unternehmen auch künftig im globalen Markt vorausschauende Technologievorsprünge erarbeiten und somit eine führende Rolle halten oder gar ausbauen.

VDI nachrichten: Auf welche Veränderungen werden sich deutsche Produktionsunternehmen einstellen müssen, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben?

Ruprecht: Bedingt durch den schnellen globalen Finanz- und Informationstransfer folgt die Produktion den Massenmärkten, der Verdrängungswettbewerb bei Massenprodukten wird derzeit immer größer. Dem kann die deutsche Industrie mit neuen Entwicklungen zum wandlungsfähigen Unternehmen, zum Management von Innovationen gerade in kleinen und mitteren Unternehmen sowie mit der Ausweitung der Gesamtangebote aus Produkten und Dienstleistungen begegnen. Eine Stärkung des Standorts Deutschland erwartet das BMBF auch durch die Entwicklung von ressourcen- und energieeffizienter Produktion und Produktionsausrüstung sowie die weitere Verbesserung des Schutzes von Produkt und Wissen.

VDI nachrichten: Produktpiraterie wird bei den Karlsruher Arbeitsgesprächen Produktionsforschung 2008 ein zentrales Thema sein. Um welche Maßnahmen zum Know-how- und Investitionsschutz wird es da gehen?

Ruprecht: Um der zunehmenden Produktpiraterie auch bei Investitionsgütern Einhalt zu gebieten, ist die Entwicklung von Schutzkonzepten unter parallelem Einsatz verschiedener Methoden zielführend. Neben Patent- und Markenschutz sind im Produkt und Produktionsprozess integrierte Schutzmaßnahmen zielführend, beispielsweise innovative Werkstoffentwicklung und -behandlung, spezielle Fertigungstechnologien und deren Kombinationen, die Kennzeichnung und Nachverfolgung von Schlüsselkomponenten von Produkten sowie die Integration von z. B. IT-basierten Ansätzen.

VDI nachrichten: Weitere Themen sind die Mechatronik sowie Logistik und Materialfluss. Hier wird es vermutlich um Funktionsintegration einerseits und Prozessoptimierung andererseits gehen. Können Sie Beispiele nennen?

Ruprecht: Ein Forschungsschwerpunkt für mechatronische Systeme ist die Erhöhung der Zuverlässigkeit sowie deren softwaregestützte Entwicklung und Analyse. In der Logistik wird der bedarfsgesteuerte Warenfluss voraussichtlich von der Anwendung von RFID zur Datenspeicherung profitieren. Bei der Auftragsabwicklung zwischen Unternehmen mit verschiedenen ERP-Systemen wird die neue offene Plattform myOpenFactory deutliche Verbesserungen gerade für kleinere und mittlere Unternehmen bieten.

VDI nachrichten: Alle Produkt- und Prozessoptimierung nutzt aber nichts, wenn die Verfügbarkeit der Lösung nicht stimmt. Teilweise werden gar 100 % gefordert. Aber wo lassen sich verbesserte Verfügbarkeitswerte wirtschaftlich sinnvoll erreichen?

Ruprecht: Da wir es zumeist mit der Produktion komplexer Investitions- oder Massengüter zu tun haben, bei denen Aufwand und Nutzen in wirtschaftlicher Relation stehen müssen, ist eine 100 %ige Verfügbarkeit für die gesamte Prozesskette nicht umsetzbar. Im Einzelfall ist im Unternehmen zu klären, welche Zielvorgaben sich betriebswirtschaftlich rechnen und welche Maßnahmen technisch und organisatorisch sinnvoll sind. Die Forschung kann hierzu einen Maßnahmenkatalog entwickeln und anbieten. Gerade auf dem Gebiet der organisatorischen Verfügbarkeit gibt es noch erhebliches, vergleichsweise leichter zu erschließendes Verbesserungspotenzial.

VDI nachrichten: Helfen in der Nanotechnologie Erfahrungen aus klassischen Fertigungstechniken, oder muss die Forschung dafür komplett neue Grundlagen liefern?

Ruprecht: Wie in der Mikrotechnik wurde und wird in der Nanotechnologie versucht, bekannte Fertigungstechnologien einzusetzen und weiterzuentwickeln, wobei mit zunehmender Miniaturisierung die Grenzen des Machbaren zu kleineren Dimensionen hin verschoben werden konnten. Jedoch sind es gerade neue Produktionsverfahren, mit denen beispielsweise Materialien in neuen Konfigurationen entstehen. Dabei gewinnen physikalische Phänomene gegenüber denen eines makroskopisch vorliegenden Werkstoffs an Bedeutung, z. B. besondere magnetische gepaart mit optischen Eigenschaften, mit denen sich durch innovative Fertigungstechnologien neue Produkteigenschaften realisieren lassen.

VDI nachrichten: Nanotechnik gilt als Zukunftstechnologie. Aber wie ist zu gewährleisten, dass Nanoprodukte auch prozesssicher gefertigt werden können?

Ruprecht: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert gerade auch im Bereich der Mikro- und Nanotechnik die Forschung und Entwicklung innovativer Produktions- und Fertigungstechnologien am Standort Deutschland. Ein Ziel der Forschungsprojekte ist es, im Labormaßstab vorhandene Lösungen zu Produktentwicklung, Fertigung, Montage bis hin zum Qualitätsmanagement in künftige wirtschaftliche Produktionsabläufe zu überführen. Die aktuellen Herausforderungen sind: robuste, zuverlässige Prozesse und geeignete Messgeräte. MARTIN CIUPEK

„Spitzentechnologien für den Wirtschaftsmotor Produktion, 9. Karlsruher Arbeitsgespräche Produktionsforschung 2008“ wird veranstaltet vom BMBF am 11. und 12. März 2008 im Kongresszentrum Karlsruhe

www.produktionsforschung.de

Von Martin Ciupek

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