Forschung 20.10.2006, 19:24 Uhr

Praxisnahe Forschung für den Nachwuchs  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 20. 10. 06, jul – Zum sechsten Mal in Folge verwandelte sich der Europapark in Rust nahe Freiburg zu Deutschlands größtem Klassenzimmer. Den rund 15 500 Schülern aus über 400 Schulen wurden vom 12. bis zum 14. Oktober auf einer Ausstellungsfläche von über 11 500 m2 rund 100 Experimente aus Forensik, Physik, Chemie oder IT geboten.

Vielleicht ein Hoffnungsschimmer, denn an Nachwuchs fehlt es an allen Ecken und Enden, wie der Direktor des VDI, Willi Fuchs, zwei Stunden zuvor auf der Eröffnungsveranstaltung erläutert hatte. Fuchs wusste mit Zahlen zu überzeugen: „Zurzeit fehlen uns in Deutschland 18 000 Ingenieure, und der Fachkräftemangel ist in den vergangenen zwölf Monaten um 30 % gestiegen.“ Auch dass sich die Situation in den nächsten Jahren noch verschärfe, sei absehbar. Es müsse deshalb gelingen, mehr junge Menschen für die naturwissenschaftlichen und technischen Berufe zu begeistern. „Wir fordern immer Innovationen“, so Fuchs mit einem Seitenblick auf die Politik, „doch die können ohne Ingenieure nicht vorangetrieben werden.“ Dem will die vom VDI im Februar ins Leben gerufene Initiative „Sachen machen!“ engagiert entgegenwirken. Die Initiative ist auch im Europapark mit dabei.

Anders als bei vergleichbaren Aktionen schieben die Initiatoren, derzeit 86 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft, konkrete Projekte und Veranstaltungen an. Im ersten Jahr wurden schon 800 000 jugendliche Besucher gezählt. Bei denen rennen Fuchs und über 2500 weitere Mitstreiter mit ihrem Engagement an diesem Donnerstag offene Türen ein.

„Cool hier“, meint beispielsweise Frank, der gerade ein elektronisches Thermometer zusammenbaut und später einmal Mechatroniker werden will. Viele Experimente sind ständig besetzt. Immer wieder kommt es zu Wartezeiten. Und manchmal geht gar nichts ohne Voranmeldung.

Voll ausgebucht ist z. B das Fehling-Lab (benannt nach dem Chemiker Hermann Fehling), ein Kriminallabor der Universitäten Hohenheim und Stuttgart. Bei uns kommen immer komplette Klassen mit 20 bis 30 Schülern. „Ohne Termin funktioniert das nicht“, erklärt der Laborchef Peter Menzel.

Auch Marcel, Julia, Simon, und Niko gehen – ausgerüstet mit Handschuhen, Schutzbrille und Laborkittel ganz gewissenhaft zu Werke. Die vier jungen Kriminologen sollen Gift (hier simples Aspirin) aufspüren, das bei einem „Mordopfer“ den tödlichen Allergieschock auslöste. Dazu werden Originalproben – Zucker, Salz und Mehl – mit den beim Tatort gefundenen Nahrungsmitteln gründlich verglichen. Zunächst beäugen die vier die Kristallstruktur von Zucker und Salz. Mehlproben werden mit einer Iod-Lösung beträufelt und untersucht. Ein letzter Test mit Eisenchlorid bringt schließlich Klarheit. Nach einer halben Stunde ist der Beweis erbracht. Der Mörder war – der Gärtner.

Nicht nur die Kids sind begeistert. Auch die Klassenlehrerin, Rofina Lederle-Fütterer, ist von den Science Days überzeugt: „Die Kleinen können hier zum ersten Mal experimentieren, denen macht das unwahrscheinlich Spaß.“

Mit ihrem Urteil steht sie nicht allein. Bei der Beurteilung der letztjährigen Science Days vergaben Lehrer immerhin die Durchschnittsnote „2“. Drei Viertel nahmen praktische Tipps für ihren Unterricht mit. Und 60 % der Schülerinnen und Schüler erleben zum wiederholten Mal Biolabs, üben sich im Nanodesign, machen mit bei der Hirntour oder entdecken eigenhändig Erdgeschichte. Das außergewöhnlich große Interesse zieht inzwischen größere Kreise. Im Frühjahr 2007 eröffnet der Förderverein Science und Technologie e.V. gemeinsam mit dem Europapark ein „Science House“. Derzeit entsteht auf 1000 m2 Fläche eine Welt der Technik und Wissenschaft mit über 70 interaktiven Experimentierstationen – ergänzt durch Workshops, Shows und ein Science Café. Hier können künftig Jung und Alt übers ganze Jahr entdecken, „was dahintersteckt“.

ULLRICH HNIDA

www.science-days.de

www.sachen-machen.org

Von Ullrich Hnida

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