Kostenfrei publizieren und recherchieren 24.01.2019, 11:35 Uhr

Open Access: Was der Deal zwischen der Forschungsallianz und Wiley bedeutet

Der freie Zugang zu Informationen ist in kam einer Branche so entscheidend wie in der Wissenschaft. Doch Publizieren und Publikationen kosten Geld – viel Geld. Diesem Dilemma begegnet die Einigung zwischen Wiley und dem Hochschulkonsortium von Mitte Januar.

Blick in eine Bibliothek mit weißen Regalen rechts und links des Ganges

In der Wissenschaft ist der Zugang zu Informationen nicht nice to have, sondern grundlegende Voraussetzung für Forschungen auf der Höhe der Zeit.

Foto: panthermedia.nettrongnguyen

Ein Konsortium aus 700 akademischen Einrichtungen und der Verlag Wiley haben im Projekt „Deal“ eine Vereinbarung getroffen. Mitglieder des Verbunds erhalten freien Zugang zu den wissenschaftlichen Artikeln, Forscher können kostenlos publizieren. Mit weiteren Verlagen wird verhandelt.

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Das wusste schon Goethe. Und auch in der Forschung ist der schnöde Mammon leider allzu oft der limitierende Faktor. Das beginnt bereits bei der Recherche. Denn Forschungsergebnisse werden in der Regel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht. Wer die Artikel lesen möchte, muss meist dafür bezahlen. Aber auch für die Forscher, die ihre Ergebnisse in den einschlägigen Medien publizieren möchten, ist das Ganze nicht kostenlos. Nun muss man fairerweise dazusagen, dass auch für die Verlage Kosten anfallen. So werden die Artikel unter anderem vor der Veröffentlichung von anderen Experten begutachtet. Man spricht hier von Peer-Review. Damit soll ein gewisses Niveau gewährleistet werden.

Freie Fahrt für freie Forschung

Die Qualitätskontrolle hat also ihre Berechtigung, aber das alte Dilemma bleibt: Forschung mit Bezahlschranken ist nicht wirklich frei. Das ist auch der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen allzu bewusst. Dieser Zusammenschluss aus rund 700 akademischen Einrichtungen wie Hochschulen, Bibliotheken und Forschungsinstituten hat sich zum Ziel gesetzt, den Zugang zu Wissen zu erleichtern. So entstand das Projekt Deal. „Durch die Effekte eines Konsortialvertrages auf Bundesebene sollen die einzelnen Einrichtungen finanziell entlastet werden“, beschreibt die Projektgruppe ihr Vorhaben. Ihr Ziel ist es, bundesweite Lizenzverträge für das gesamte Portfolio elektronischer Zeitschriften der großen Wissenschaftsverlage abzuschließen. Fast zwei Jahre hat die Projektgruppe verhandelt. Nun ist ein erster Durchbruch gelungen.

Neues “Publish&Read”-Modell mit Wiley

Am 15. Januar 2019 hat das Konsortium einen Vertrag über ein sogenanntes „Publish&Read“-Modell mit dem Wissenschaftsverlag Wiley abgeschlossen. Die Vereinbarung gilt zunächst für drei Jahre. Organisationen, die in der Allianz organisiert sind, erhalten gegen eine jährliche Gebühr Zugang zu allen wissenschaftlichen Publikationen des Verlagshauses. Und das nicht nur für künftige Publikationen, sondern auch für zurückliegende bis ins Jahr 1997. Das Forschungszentrum Jülich hat hochgerechnet, dass die Nutzer seiner Zentralbibliothek nach Vertragsabschluss auf zehnmal so viele Zeitschriften von Wiley zugreifen können wie bisher.

Darüber hinaus können Wissenschaftler der Allianz-Institute ihre Publikationen nun kostenlos publizieren. Der komplette Vertragstext soll Mitte Februar auf der Webseite des Deal-Projekts veröffentlicht werden. Der Anfang ist also gemacht. Aber „die konkrete Umsetzung des Vertrages wird sicher zahlreiche Detailfragen aufwerfen, da vielfach Neuland betreten wird“, meint Barbara Lison, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes, der ebenfalls dem Konsortium angehört.

Neues Open-Access-Journal und Symposium geplant

Um das Thema weiter voran zu bringen, möchten Wiley und die Projektgruppe im Rahmen der Kooperation drei neue Initiativen auf den Weg bringen. So möchten die Partner ein „neues Flaggschiff unter den Open-Access-Journals“ etablieren. Geplant ist eine interdisziplinäre Zeitschrift in der führende Wissenschaftserkenntnisse aus der globalen Forschungsgemeinschaft veröffentlicht werden sollen. Dieses Journal soll sowohl Vorbild für weitere Open-Access-Publikationsmodelle sein als auch ein Forum, um Erfahrungen auf diesem neuen Feld zu sammeln.

Darüber hinaus soll eine Projektgruppe eingerichtet werden, die sich speziell mit den Themen Open Science und Author Service Development beschäftigt. Deren Ziel wird es sein, neue Publikationskonzepte weiter voran zu treiben. Last but not least soll jährlich ein Symposium für deutsche Nachwuchswissenschaftler stattfinden, in dem die Partner zukunftsweisende Ideen für die Forschungskommunikation erarbeiten möchten.

Die Verhandlungen mit Elsevier und Springer Nature laufen weiter

Mit den beiden anderen großen Wissenschaftsverlagen Elsevier und Springer Nature ist das Projekt Deal noch im Gespräch. Bei Springer Nature rechnen die Verantwortlichen mit einem baldigen Durchbruch. „Wir sind zuversichtlich, dass es bis Mitte 2019 zum Abschluss eines Deal-Vertrages mit Springer Nature kommen wird“, erklärt etwa Horst Hippler, ehemaliger Präsident der Hochschulrektorenkonferenz und Leiter des Projekts Deal. Als Zwischenschritt hätten sich Verhandlungspartner auf eine erneute kostenneutrale Verlängerung der bestehenden Verträge für das Jahr 2019 geeinigt. „Die Verhandlungen mit dem Deal-Team haben in den letzten Monaten deutliche Fortschritte erzielt – wir sind auf die Zielgerade eingebogen“, kommentiert Dagmar Laging, Vice President Institutional Sales Europe bei Springer Nature den aktuellen Stand der Gespräche. Die nochmalige Verlängerung der bestehenden Verträge gebe den Verhandlungspartnern die notwendige Zeit, sich „auf die tatsächliche Umsetzung und einen reibungslosen Übergang vom alten Modell in das neue“ zu konzentrieren.

 

Mehr zu Open Access:

Um ein Gefühl für die Zeit zu bekommen, die bei der Forderung nach freiem Zugang zu Wissen bisher verstrichen ist, haben wir den Artikel „Spielregeln für die virtualisierte Wissenschaft“ aus 2006 herausgekramt. Thema: Eine Studie zu „Märkten der virtualisierten Wissenschaft“ von Rand Europa fordert die Regierung auf, Bedingungen für die Veröffentlichung von Ergebnissen von Forschungen, die mit öffentlichen Geldern finanziert wurden, zu klären.

Von Sabine Philipp

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