Innovationskultur 10.07.2009, 19:42 Uhr

Ohne Fairness wird es schwierig mit Innovationen  

Eigentlich sollte aus EU-Sicht 2009 das Jahr der Innovation werden. Nun ist aus 2009 ein Jahr der Krise geworden, in der nicht nur Arbeitsplätze bedroht, sondern auch Innovationen gefährdet sind, obwohl diese nach einer Umfrage der FH Bonn-Rhein-Sieg von den Geschäftsführern als stärkster Hebel zur Steigerung des Firmenwerts angesehen werden. VDI nachrichten, Lübeck, 10. 7. 09, Fr

Innovationspolitisch gesehen beginnt die Krise erst dann, meint Frank Dievernich, wenn in den Unternehmen die Ressourcen so stark mit dem Ziel der Kostensenkung zusammengestrichen worden sind, dass kaum noch Raum für die Entwicklung von Neuerungen besteht.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, sieht Dievernich das Personalmanagement in der Pflicht. „Das HR Management hat eine Korrekturfunktion“, sagt Dievernich, Professor für Unternehmensführung an der Berner Fachhochschule. Aufgabe des Personalmanagements sei es, darauf hinzuweisen, wenn Kosteneinsparungs- und Effizienzziele zu Lasten von Ressourcen und Zeit gehen, die für sinnvolle Innovationen hätten eingesetzt werden können. Leider hätten die Personaler diese Rolle schon in der vergangenen Krise kaum wahrgenommen.

„Insbesondere Techniker und Ingenieure fragen mich häufig, wozu das HR Management benötigt wird, wenn es darum geht, Innovationen zu fördern“, berichtet Dievernich. Für ihn haben Personalmanager neben der Korrekturfunktion die Aufgabe, nicht weniger als den gesamten institutionellen „Kontext“, der Einfluss auf die Ressource Mensch hat, innovationsförderlich zu gestalten. Eine Forschungs-und Entwicklungsabteilung und ein betriebliches Vorschlagwesen zu haben, reiche heute nicht mehr aus.

Einer Studie von Kienbaum zufolge sehen zwar auch viele Unternehmenslenker eine Verbindung zwischen den eingesetzten personalpolitischen Instrumenten und Innovationen, aber leider fehle der „explizite Fokus“, so Dievernich. In Personalauswahlprozessen werde zu wenig auf die Kreativität der Kandidaten geachtet, und nur selten erkundige sich das Personalmanagement in Mitarbeiterbefragungen danach, welche Freiräume und wie viel Zeit den Beschäftigten eigentlich zur Verfügung stehen, um Ideen entfalten zu können.

„Auch in die Führungskräfteentwicklung ist das Thema zu integrieren“, sagt Dievernich. Innovationen zu fördern, setzt beispielsweise Mut bei den Führungskräften voraus, da zunächst nicht klar ist, ob sich eine neue Idee am Ende rechnet.

„Viele Personaler wissen auch, wie wichtig für die Generierung von Ideen funktions- und qualifikationsübergreifende Teams und Mentoren sind, die junge Mitarbeiter ermutigen“, so Dievernich. Trotzdem werde in schwierigen Lagen diese Einsicht kurzfristigen Kostenzielen geopfert. Und immer noch werde bei der Zusammenstellung von Teams viel zu wenig auf den Gesichtspunkt der Diversity geachtet. „Die mögen sich nicht“, sagt Professor Dieter Frey, Sozialpsychologe und Leiter des Center for Leadership and People Management Ludwig-Maximilians-Universität in München, allerdings zu der schwierigen Aufgabe, kreative Typen und andere in heterogenen Teams zu führen.

Dass finanzielle Anreize entscheidend sind, um die Innovationsfähigkeit einer Organisation zu steigern, bestreiten laut Kienbaum-Umfrage im Übrigen selbst die allermeisten Unternehmen. „Es spricht ja nichts dagegen, Innovationsziele auf der individuellen Ebene in Zielvereinbarungen aufzunehmen“, sagt Dievernich. Letztendlich sei eine darauf bezogene variable Vergütung aber nicht mehr als nur ein „Hygienefaktor“. Stattdessen komme es darauf an, dass Fehler toleriert würden und die Mitarbeiter über ihre Ideen offen mit der Führungskraft und untereinander kommunizieren könnten. Für Professor Frey ist eine solche Kommunikation durch beständiges Reflektieren gekennzeichnet. „Entscheidend ist eine hierarchiefreie Kommunikation“, sagt Frey.

Auch dafür ist das Personalmanagement zumindest mitverantwortlich, etwa indem Führungskräfte ausgewählt werden, die eine solche Kommunikation ermöglichen.

Wichtig ist nach Frey aber noch ein anderer Aspekt. „Wir haben durch eigene Forschungen festgestellt, dass Kreativität und Innovation ganz eng mit der Wahrnehmung von Fairness zusammenhängen“, sagt Frey. Dabei geht es allerdings weniger um „Ergebnisfairness“, also die Frage, welche Entscheidungen und Resultate am Ende verkündet werden, sondern vielmehr um „prozedurale Fairness“. Danach haben die Mitarbeiter das Bedürfnis, ihre Meinung zu artikulieren und ehrlich, echt und transparent über Hintergründe informiert zu werden. RAINER SPIES

Von Rainer Spies

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