Mit Autopilot über den Mars 20.01.2015, 08:39 Uhr

Nissan und NASA arbeiten gemeinsam an fahrerlosen Fahrzeugen

Roboter-Experten der US-Raumfahrtbehörde NASA und Ingenieure des japanischen Autoherstellers Nissan wollen gemeinsam die Technik für fahrerlose Fahrzeuge entwickeln. Beide Seiten sind eine fünfjährige Kooperation eingegangen.

Der Mars-Rover Curiosity 2011 im Forschungslabor der NASA: Der Rover kann nur teilautonom über den Mars rollen. Gemeinsam mit Nissan will die NASA nun autonome Fahrzeuge für den Einsatz auf Planeten entwickeln.

Der Mars-Rover Curiosity 2011 im Forschungslabor der NASA: Der Rover kann nur teilautonom über den Mars rollen. Gemeinsam mit Nissan will die NASA nun autonome Fahrzeuge für den Einsatz auf Planeten entwickeln.

Foto: NASA/JPL-Caltech

Das gemeinsame Forschungsteam im Silicon Valley will sich insbesondere auf autonome Fahrsysteme, netzwerkfähige Anwendungen, die Mensch-Maschine-Schnittstelle sowie die Analyse und Verifikation von Software konzentrieren. Getragen wird die Kooperation vom NASA-Forschungszentrum Ames Research Center, für das 3000 Forscher im Silicon Valley arbeiten, und Nissans Silicon Valley Research Center.

Mars-Rover steuern künftig vollkommen selbstständig

Die NASA hat bereits über 1500 Technologien für die Raumfahrt entwickelt, die heute das menschliche Leben auf der Erde erleichtern. Auch die Brennstoffzelle gehört dazu. Sie wurde erstmals in den Raumfahrtprogrammen in der Praxis angewandt. Während die NASA aus den Erfahrungen Nissans bei autonom fahrenden Fahrzeugen lernen und vor allem auf die Kompetenzen des Herstellers in der Komponentenauswahl und deren Technik zurückgreifen will, setzt Nissan auf die Kenntnisse der NASA in Bezug auf die Interaktion zwischen Mensch und Maschine.

Curiosity beim Einsatz auf dem Mars: Der Rover schafft mit seiner teilautonomen Steuerung nur eine Spitzengeschwindigkeit von 0,13 Kilometern pro Stunde. 

Curiosity beim Einsatz auf dem Mars: Der Rover schafft mit seiner teilautonomen Steuerung nur eine Spitzengeschwindigkeit von 0,13 Kilometern pro Stunde. 

Foto: NASA/JPL-Caltech

Die Herausforderungen, mit denen sich Nissan bei der Entwicklung fahrerloser Autos auf der Erde und die NASA im Weltraum konfrontiert sehen, weisen nach Aussagen von Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn viele Parallelen auf. „Die Arbeit von NASA und Nissan, die sich zum einen auf den Weltraum fokussiert, und zum anderen auf die Erde, ist durch gleichartige Entdeckungen miteinander verknüpft“, sagte Ghosn bei der Vorstellung der Kooperation. „Die Partnerschaft wird Nissans Entwicklung von sicherer, autonomer Fahrzeugtechnologie beschleunigen.“

Die NASA ist vor allem an der Sensor- und Steuerungstechnik interessiert, die es Autos schon heute ermöglicht, im Verkehr Fußgänger und Fahrradfahrer zu erkennen, andere Autos zu überholen und Autos selbstständig einzuparken. Diese Technik könnte beispielsweise in künftigen Mars-Rovern oder bei der Erforschung anderer Planeten eingesetzt werden.

Mars-Rover Curiosity im NASA-Forschungslabor: Nissan und die NASA wollen autonome Steuerungssysteme für Automobile entwickeln. Die Forschungsarbeit ist zunächst für den Zeitraum bis 2020 vereinbart.

Mars-Rover Curiosity im NASA-Forschungslabor: Nissan und die NASA wollen autonome Steuerungssysteme für Automobile entwickeln. Die Forschungsarbeit ist zunächst für den Zeitraum bis 2020 vereinbart.

Foto: NASA/JPL-Caltech

Mars-Fahrzeuge sind besonders langsam unterwegs

Bislang sind NASA-Fahrzeuge wie der Mars-Rover Curiosity und der Rover Opportunity nur teilautonom und ausgesprochen langsam unterwegs. Der Curiosity-Rover erreicht derzeit lediglich eine Höchstgeschwindigkeit von 0,13 Kilometern pro Stunde.

Für die computergesteuerte Navigation des Rovers stellt sich die Oberfläche des Mars wie ein Hindernislauf mit Felsen, tiefen Sandgruben und anderen Hürden dar, so dass bisher nur ein ganz kleiner Teil des Planeten erforscht werden konnte. Zudem sind die Mars-Rover weiterhin auf Steuerungssignale von der Erde angewiesen.

Nissans Elektroauto Leaf vor dem Forschungszentrum Ames Research Center der NASA im Silicon Valley: Auf Basis des Leaf sollen neue Fahrzeuge entwickelt werden, die vollkommen autonom unterwegs sind.

Nissans Elektroauto Leaf vor dem Forschungszentrum Ames Research Center der NASA im Silicon Valley: Auf Basis des Leaf sollen neue Fahrzeuge entwickelt werden, die vollkommen autonom unterwegs sind.

Foto: Nissan

Für die NASA besteht nun die Chance, die Technologien, die für den Einsatz in urbanen Gebieten entwickelt werden, auf einen Rover zu übertragen. „Wir haben einen Rover auf dem Mars – er ist aber nicht autonom. Je tiefer wir in den Weltraum und damit an immer gefährlichere Orte vordringen, umso mehr Autonomie benötigen wir“, betont Pete Wooden, Direktor des Ames Research Centers der NASA.

Erste Testautos sollen schon Ende 2015 auf der Straße sein

„Es handelt sich hier um eine einzigartige Kombination von Fähigkeiten, die die Robotiker bei NASA Ames und wir bezüglich unseres Knowhows in der automobilen Autonomie mitbringen“, erklärt Dr. Maarten Siehrhaus, Direktor des Nissan Silicon Valley Research Center. Zunächst soll eine Online-Simulation entwickelt werden, bevor Ende dieses Jahres Autos für Testfahrten auf die Straße kommen.

Aufbauen soll die Entwicklung auf dem Elektroauto Nissan Leaf. Die Tests sollen ähnlich wie bei der NASA für die planetaren Rover von einem speziellen Kontrollzentrum vorgenommen werden. 

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