Hoher Wasseranteil im Mondgestein 19.02.2013, 11:41 Uhr

Neue Zweifel an Entstehungstheorie des Mondes

Neue Untersuchungen von Mondgestein lassen Zweifel an der bisherigen Entstehungstheorie des Erdtrabanten aufkommen. Amerikanische Forscher analysierten Gesteinsproben, die von den Apollo-Missionen mitgebracht worden waren. Sie fanden heraus, dass die Mondkruste scheinbar schon früh in ihrer Geschichte große Mengen Wasser enthalten hat. Das wirkt sich auf bisherige Theorien zur Entstehung des Mondes aus.

Im Mondgestein wurde im Rahmen der Apollo-17-Mission Wasser entdeckt.

Im Mondgestein wurde im Rahmen der Apollo-17-Mission Wasser entdeckt.

Foto: NASA

Bisher ging man davon aus, dass vor etwa 4,5 Milliarden Jahren ein Himmelskörper von der Größe des Mars auf der Erde einschlug. Das bei der Kollision herausgeschleuderte Gestein sammelte sich unter enormer Hitze und gewaltigem Druck zu einem flüssigen Magma-Ozean, der im Laufe der Zeit abkühlte und sich verfestigte. Nach dem Aufprall, so dachte man, müsse sich sämtliches Wasser verflüchtigt haben. Lange Zeit galt der Mond als staubtrocken.

Bisherige Annahme: Wasser lagerte sich erst nach Entstehung ein

“Bis zur Apollo-Ära haben wir gedacht, der Mond sei komplett wasserlos”, sagt Hejiu Hui von der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana, der die Untersuchungen leitete. “Diese Ansicht änderte sich jedoch durch die Entdeckung von Wasser an der Mondoberfläche und in lunarem Gestein.” Allerdings gingen die Wissenschaftler davon aus, dass sich das wenige Wasser erst nach der Entstehung auf dem Mond eingelagert hätte. Asteroiden und Kometen oder chemische Reaktionen im Zusammenhang mit dem Sonnenwind könnten das Wasser auf den Mond gebracht haben, dachten sie.

Hui und seine Kollegen haben nun in Proben des Mondgesteins der Apollo-Missionen 15, 16 und 17 eingebettete Mineralien, sogenannte Kalknatronfeldspate, auf ihren Wassergehalt untersucht. Weil die analysierten Mineralkörnchen aus dem Inneren der Gesteinsbrocken stammten, konnten die Forscher eine Zufuhr von Wasserstoff durch den Sonnenwind ausschließen. Der Sonnenwind dringt nur maximal 0,2 Mikrometer tief in das Gestein ein. Per Infrarotspektroskopie entdeckten die Wissenschaftler in den Feldspat-Kristallen Wassergehalte ab sechs ppm (parts per million). Sie rechneten ihre Ergebnisse hoch und kamen zu dem Schluss, dass der frühe Magma-Ozean etwa 320 ppm Wasser enthalten haben könnte. Das wäre ein deutlich höherer Wassergehalt als in der Erdkruste.

Die bisherige Theorie, dass bei der Entstehung des Mondes sämtliches Wasser durch die Hitze des Einschlags ausgaste und sich im All verflüchtigte, lässt sich durch die neuen Funde schwer aufrechterhalten. Hejiu Hui schlägt als mögliche Erklärung eine Variante der Einschlagstheorie vor. Danach könnte der Einschlag sehr viel schwächer gewesen sein als bisher angenommen. Die Kristallisation des lunaren Magma-Ozeans hätte dann deutlich länger gedauert, so dass das vorhandene Wasser im Innern des Gesteins erhalten geblieben sei.

  • Gudrun von Schoenebeck

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