Forschung 27.01.2006, 18:42 Uhr

Nachwuchs bekommt Kontakt zur Konzernspitze  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 1. 06, cha – Bei Carl Zeiss sind aus vielen einzelnen Unternehmensbereichen rechtlich eigene Einheiten entstanden. Die 220 Vordenker in der zentralen Forschung von Zeiss sind systematisch auf der Suche nach Neugeschäft und neuen Kernkompetenzen. Die Zeiten, in denen FuE als Dienstleister für einzelne Unternehmensbereiche agierte, sind zumindest in Oberkochen vorbei.

Siegel: Nein, eine geheime Quelle haben wir nicht. Eines unserer Geheimnisse ist, ganz nah am Kunden zu sein und seine Bedürfnisse zu kennen, weil wir ihm genau zuhören, was er braucht. Zudem haben wir die Augen offen und nehmen sehr bewusst wahr, wie sich wissenschaftsbasierte Themen entwickeln, die für uns interessant werden können. Wenn wir solche identifizieren, dringen wir ganz tief in die Thematik ein und setzten die Technologien entsprechend unserer Kundenwünsche um.

VDI nachrichten: Innovationen lassen sich also nicht erzwingen?

Siegel: Nein, aber sie lassen sich in einem weiten Bereich planen und geplant umsetzen.

VDI nachrichten: Ihr Job ist es offensichtlich, neue Anwendungsfelder zu finden?

Siegel: Das ist nur ein Teil, denn unsere Aufgaben haben sich in den vergangenen drei Jahren ziemlich stark gewandelt. Die zentrale Forschung hatte vorher ausschließlich die Aufgabe, die Unternehmensbereiche in ihren Zukunftsprojekten zu unterstützen. Jetzt haben wir vier Hauptaufgaben für den Bereich definiert. Das sind: systematische Suche nach Neugeschäft, systematische Suche nach neuen Kernkompetenzen, Bearbeiten von Querschnittstechnologien, das sind Technologien, die nicht bei uns entwickelt werden, die wir aber in unseren Produkten einsetzen, und, wie früher, die Unterstützung der Bereiche bei ihren Zukunftsaufgaben. Die letztgenannte Aufgabe hat in der Bedeutung deutlich abgenommen, gegenüber den früheren 100 %.

VDI nachrichten: Wo und wie finden Sie und Ihre 220 Mitarbeiter neues Geschäft und neue Kernkompetenzen?

Siegel: Wir fangen üblicherweise damit an, indem wir ein Suchfeld definieren. Das ist ein Geschäftsfeld, in dem wir Ideen suchen und diese so weit entwickeln, bis wir sagen, diese Innovation hat Potenzial für ein größeres Geschäftsvolumen. Wir sprechen hier über Volumen von 100 Mio. € Jahresumsatz und aufwärts. Ist das zu erwarten, werden die Ideen entlang dieses definierten Prozesses so weit ausgearbeitet, bis sie sehr konkret werden. In dieser Phase sind wir bereits eng in Kontakt mit potenziellen Kunden und berichten laufend an den Vorstand. Ist das Produkt reif, mündet es schließlich in den Start eines neuen Geschäftsbereichs oder in die Übergabe eines größeren Projekts an einen existierenden Bereich zu seiner Geschäftsausweitung.

VDI nachrichten: Wie wirkt sich der Wandel auf die Arbeitsweise in Ihrer Abteilung aus?

Siegel: Wenn wir das Neugeschäft betrachten, geben wir heute einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern den Auftrag, ein Feld genau zu untersuchen. Natürlich bekommen sie Hilfe von Fachleuten, aber wir erwarten zunächst, dass sich unsere Ingenieure und Naturwissenschaftler auch für geschäftliche Zusammenhänge, Marktentwicklungen, Marktgrößen interessieren und darauf achten, wie die Konkurrenz arbeitet. Wenn das Projekt innerhalb unserer Innovationspipeline voranschreitet, müssen Geschäftspläne erarbeitet werden, die dem Vorstand präsentiert werden. Dadurch haben die jungen Leute gleich direkten Kontakt zur Konzernspitze, was ihnen eine große Chance bietet, sich zu profilieren und in Szene zu setzen.

VDI nachrichten: Das Durchschnittsalter in Ihrer Abteilung liegt bei 36 Jahren, und das, obwohl ein Großteil promoviert hat. Wie bekommen Sie einen solchen Schnitt hin, sind die Leute nach einer bestimmten Zeit ausgelaugt und müssen ausgetauscht werden?

Siegel: Ausgelaugt sind sie sicher nicht, sie sind eher auf Touren gebracht. Unsere Mitarbeiter sind typischerweise zwei bis vier Jahre im Bereich. Und sehr oft, wenn sie in den Projekten gezeigt haben, dass sie etwas können, gehen sie in einen operativen Bereich, ganz oft mit einem Projekt. Denn der Know-how-Transfer geschieht am effizientesten, indem das Projektteam mit in den Bereich wechselt und dort die operative Verantwortung übernimmt.

VDI nachrichten: Ihre Leute brauchen deshalb wohl Führungspotenzial?

Siegel: Wir versuchen schon bei der Einstellung Leute zu finden, die Führungsqualitäten besitzen. Dazu haben wir im Unternehmen ein Verfahren installiert, durch das Führungspotenzial erfasst wird. Meist durchlaufen die Mitarbeiter nach einem Jahr Firmenzugehörigkeit ein internes Assessment-Center, in dem versucht wird, ihr Führungspotenzial zu ergründen. Werden wir fündig, folgt eine interne und externe Ausbildung, um das Führungspotenzial auch zu entwickeln. Das alles läuft parallel zur Arbeit.

VDI nachrichten: Für das kommende Geschäftsjahr, das am 1. 10. 05 begonnen hat, suchen Sie rund 35 neue Mitarbeiter. Welche Aufgaben erwartet sie und was erwarten Sie von ihnen?

Siegel: Als Universitätsabsolventen oder Doktoranden arbeiten neue Mitarbeiter zunächst in Projekten mit, etwa an der Weiterentwicklung einer Technologie. Ich erwarte von den Personen, dass sie neben ihrer Grundausbildung zumindest Interesse für betriebswirtschaftliche Themen haben und Auslandserfahrung. Dabei geht es nicht allein um die Sprache, sondern darum, dass sie es gelernt haben, sich in anderen Kulturen zu bewegen. Solche Leute finden sich meist rasch in einer neuen Umgebung zurecht, sei es persönlich oder fachlich. PETER ILG

Von Peter Ilg

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