Ganz ohne DNA 14.09.2016, 13:25 Uhr

Mit Haarproteinen Kriminelle überführen

Bis zu 100 Haare fallen dem Menschen täglich aus – meist ohne Wurzel. An einem Tatort gefunden, taugen diese bislang nicht als Beweismittel. Denn für die Analyse der DNA wird die Wurzel benötigt. Jetzt haben Forscher ein neues Verfahren entwickelt, um Menschen zu identifizieren. Und dafür reicht ein einziges Haar ohne Wurzel.

Forscher Glendon Parker mit einer 250 Jahre alten Haarprobe: Er und sein Team haben eine Methode entwickelt, mit der sich anhand von Haarproteinen Menschen identifizieren lassen. 

Forscher Glendon Parker mit einer 250 Jahre alten Haarprobe: Er und sein Team haben eine Methode entwickelt, mit der sich anhand von Haarproteinen Menschen identifizieren lassen. 

Foto: Julie Russell/LLNL

Erinnern Sie sich noch an Christoph Daum? Er war im Herbst 2000 Trainer von Bayer 04 Leverkusen und bereits als Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft gesetzt, als ihm eine positiv getestete Haarprobe auf Kokain zum Verhängnis wurde. Im menschlichen Haar verbergen sich aber noch weit mehr Informationen als die über Drogenkonsum. US-Forscher um Glendon Parker von der Utah Valley University haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich aus den Proteinen im Haar ähnlich wie durch eine DNA-Probe die Identität des Haarträgers herauslesen lässt.

Proteine sind robuster als DNA

Ein großer Nachteil bei der Identifizierung von Menschen mittels DNA: Die fragilen Erbinformations-Moleküle können sich durch Umwelteinflüsse rasch zersetzen. Proteine hingegen sind um ein Vielfaches robuster und bleiben so über längere Zeiträume erhalten. Zudem gibt es bei den einzelnen Aminosäuren individuelle Unterschiede. Die Forscher um Glendon Parker haben nun im Fachmagazin „Plos One“ ihr zum Patent angemeldetes Verfahren vorgestellt.

Haarschaftproben von Verstorbenen analysiert

Es sind zwei Datensätze, die den Forschern als Basis ihrer Untersuchungen dienten. Der erste Datensatz sind Haarproben von 76 nicht miteinander verwandten Menschen europäischer, amerikanischer sowie afrikanischer Abstammung. Der zweite Datensatz entstand aus sechs verschiedenen Haarschaft-Proben von Verstorbenen, die von Archäologen auf alten Friedhöfen in London und Kent ausgegraben worden sind. Die Proben sind bis zu 250 Jahre alt, was die Robustheit der Proteine verdeutlicht.

Noch nicht so präzise wie DNA-Analyse

Aus diesen beiden Datensätzen konnten die Forscher 185 Marker identifizieren, das sind Proteinstellen, an denen individuelle Merkmale existieren. Je nach Probe identifizierten sie zwischen 376 und 18.563 unterschiedliche Proteine. Das sich so ergebende individuelle Muster erlaubt es, eine Person in einer Gruppe von einer Million Menschen eindeutig zu identifizieren.

Diese Trefferquote reicht an die Präzision heutiger DNA-Analysen noch nicht heran. „Wir befinden uns mit der proteinbasierten Identifizierung momentan an dem Punkt, wo das DNA-Profiling in den frühen Tagen seiner Entwicklung stand“, kommentiert Mitautor Brad Hart vom Lawrence Livermore National Laboratory im US-Bundesstaat Kalifornien.

„Die Methode wird für die Forensik bahnbrechend sein“

Das Ziel der Forscher ist jedenfalls gesetzt: In Zukunft soll ein einziges Haar ausreichen, um aus den über sieben Milliarden Erdbewohnern den Haarträger eindeutig zu identifizieren. „Die Methode wird für die Forensik bahnbrechend sein“, sind sich zumindest Glendon Parker und seine Protein-Jäger sicher.

Die britische Polizei in West Yorkshire kann selbst latente Fingerabdrücke auswerten, die aus nur schwer sichtbaren Substanzen wie Drüsensekreten bestehen. Möglich macht das die sogenannte MALDI MSI-Methode. 

Die britische Polizei in West Yorkshire kann selbst latente Fingerabdrücke auswerten, die aus nur schwer sichtbaren Substanzen wie Drüsensekreten bestehen. Möglich macht das die sogenannte MALDI MSI-Methode.

Quelle: Police West Yorkshire

Verraten Fingerabdrücke der Polizei nur die Identität der Täter? Nein, sie speichern sogar deren Essgewohnheiten. Um an diese Informationen zu kommen, haben britische Wissenschaftler gemeinsam mit der Polizei in West Yorkshire ein Analyseverfahren auf Molekülebene entwickelt. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

 

Von Detlef Stoller

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