Deutschland zahlt 230 Mio. Euro 29.05.2017, 13:49 Uhr

Mit größtem Spiegelteleskop der Welt auf der Suche nach Leben im All

Jetzt wird es richtig spannend: Der Grundstein für das – mit Abstand – größte Teleskop der Welt ist gelegt. Läuft alles nach Plan wird das größte technische Auge der Menschheit ab 2024 seinen Blick tief in den Weltraum richten. Es wird ferne Galaxien so detailliert abbilden wie nie zuvor. Und soll Leben im Weltall finden.

Diese künstlerische Darstellung zeigt das Extremely Large Telescope auf dem Cerro Armazones im Norden Chiles in Betrieb. Das Teleskop ist hier zusammen mit den eingeschalteten Lasern gezeigt, die künstliche Sterne in der Hochatmosphäre erzeugen. An der Grundsteinlegungszeremonie für das Teleskop  am 26. Mai 2017 nahm die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet Jeria teil.<strong> </strong>

Diese künstlerische Darstellung zeigt das Extremely Large Telescope auf dem Cerro Armazones im Norden Chiles in Betrieb. Das Teleskop ist hier zusammen mit den eingeschalteten Lasern gezeigt, die künstliche Sterne in der Hochatmosphäre erzeugen. An der Grundsteinlegungszeremonie für das Teleskop  am 26. Mai 2017 nahm die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet Jeria teil. 

Foto: L. Calçada/ESO

Gebaut wird das europäische extrem große Teleskop E-ELT auf dem 3.048 m hohen Berg Cerro Armazones in der Atacamawüste im Norden Chiles. Das Riesenteleskop wird ein Rekordhalter mit großem Abstand zu seinen Kollegen sein: E-ELT wird mit fünf Spiegeln ausgestattet, wovon der größte einen Durchmesser von sage und schreibe 39 m haben wird – die derzeit größten Teleskope haben maximal Zehn-Meter-Spiegel.

Konstruktionsentwurf des E-ELT: So sollen Kuppel und Teleskop aussehen, wenn sie fertig gebaut sind.

Konstruktionsentwurf des E-ELT: So sollen Kuppel und Teleskop aussehen, wenn sie fertig gebaut sind.

Foto: /L. Calçada/ESO/ACe Consortium

Was der riesige Spiegel leisten soll? Mit ihm lassen sich erstmals sehr ferne Planeten direkt betrachten. Und vielleicht so in der Nähe bekannter Sterne auch neue Sonnensysteme entdecken. Die Forscher hoffen sogar, durch Spektralanalysen Hinweise auf Leben auf anderen Planeten zu finden. Das E-ELT wird für die Wissenschaft ab Betriebsbeginn im Jahr 2024 ganz neue Blicke auf das Universum ermöglichen. Von den rund 2.500 Astrophysikern in Deutschland werden rund zwei Drittel mit Daten des E-ELT arbeiten.

Neues Teleskop fängt 15-mal mehr Licht ein

„Der Sprung von den gegenwärtigen Teleskopen zum ELT ist etwa so groß wie der Sprung von Galileos Auge zu seinem Teleskop“, betonte ESO-Chef Tim de Zeeuw. Das weltgrößte Teleskop E-ELT kann 15-mal so viel Licht einsammeln wie die bisherigen Teleskope der Zehn-Meter-Klasse und 16-mal kleinere Details erkennbar machen als das Weltraumteleskop Hubble. Und es wird auch deutlich größer sein als die beiden ebenfalls derzeit in Planung befindlichen Großteleskope, das amerikanische Thirty Meter Telescope und das Giant Magellan Telescope.

Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet (r.) hält zusammen mit ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw, ein Bild des zukünftig weltweit größten optischen Teleskops. In Atacama wurde am 26. Mai der Grundstein zu dessen Errichtung in Chiles Wüste gelegt.

Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet (r.) hält zusammen mit ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw, ein Bild des zukünftig weltweit größten optischen Teleskops. In Atacama wurde am 26. Mai der Grundstein zu dessen Errichtung in Chiles Wüste gelegt.

Foto: Sebastian Beltran Gaete/Agencia Uno/dpa

„Hier wird mehr als ein Teleskop errichtet“, sagte Chiles Staatschefin Michelle Bachelet beim Festakt zur Grundsteinlegung. „Es ist Sinnbild der Möglichkeiten von Wissenschaft und Technologie sowie des Potenzials der internationalen Zusammenarbeit.“

Hauptspiegel modular aufgebaut

Die Optik des E-ELT beruht auf einem neuen Design, bei dem das Licht an insgesamt fünf Spiegeln reflektiert wird. Der Hauptspiegel besteht aus 798 Segmenten,  jedes davon 1,4 m breit, aber nur 5 cm dick. Der Sekundärspiegel, auf den das Licht des Hauptspiegels konzentriert wird, hat einen Durchmesser von 4 m.

15 Länder am Bau beteiligt

Das gigantische Teleskop ist ein Projekt des europäischen Forschungsinstituts ESO. Daran beteiligt sind 15 Länder, darunter auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Deutschland steuert als größtes ESO-Mitglied rund 230 Millionen Euro der Baukosten von insgesamt rund 1,1 Milliarden Euro bei.

Diese künstlerische Darstellung zeigt das European Extremely Large Telescope (E-ELT) in seiner Kuppel. Das E-ELT wird ein Teleskop für sichtbares Licht und das nahe Infrarot mit einem Hauptspiegel von 39 m Durchmesser. Es wird gewissermaßen das größte Auge sein, das die Menschheit auf den Himmel richtet. 

Diese künstlerische Darstellung zeigt das European Extremely Large Telescope (E-ELT) in seiner Kuppel. Das E-ELT wird ein Teleskop für sichtbares Licht und das nahe Infrarot mit einem Hauptspiegel von 39 m Durchmesser. Es wird gewissermaßen das größte Auge sein, das die Menschheit auf den Himmel richtet. 

Foto: L. Calçada/ESO

Auf den Bergkuppen rings um die E-ELT-Baustelle stehen bereits weitere Teleskope der Europäischen Südsternwarte ESO: La Silla, das Very Large Telescope (VLT) und das Atacama Large Millimeter Array (Alma). Die Anlagen befinden sich mitten in einer 1.270 km2 großen Schutzzone, in der die empfindlichen Geräte nicht durch Lichtverschmutzung, also Licht von Städten oder Industrieanlagen oder durch Bergbau beeinträchtigt werden dürfen.

Bevor am Freitag der Grundstein für das ELT gelegt werden konnte, sind bereits entscheidende Arbeiten voran gegangen: Die Bergkuppe wurde bereits 2014 weggesprengt, damit überhaupt eine ausreichend große ebene Fläche für den Bau des neuen Riesenteleskops geschaffen werden konnte.

Hier finden Sie eine Liste der größten Teleskope der Erde für den tiefen Blick ins All.

 

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