Studie zum Fracking 17.09.2014, 06:55 Uhr

Methan gelangt durch undichte Bohrlöcher ins Trinkwasser

Eine neue Studie aus den USA findet einen direkten Zusammenhang zwischen der Gasfördermethode Fracking und gefährlichen Methanmengen im Trinkwasser. Das Gas steigt offenbar durch schlecht abgedichtete Bohrlöcher ins Grundwasser auf.

Fracking-Gegner protestieren: Eine neue Studie aus den USA stützt ihre Kritik. Danach gelangt Methan durch undichte Bohrlöcher ins Trinkwasser.

Fracking-Gegner protestieren: Eine neue Studie aus den USA stützt ihre Kritik. Danach gelangt Methan durch undichte Bohrlöcher ins Trinkwasser.

Foto: dpa

In einer neuen Studie haben amerikanische Wissenschaftler versucht, die Gründe für die hohen Methankonzentrationen im Grund- und Trinkwasser in der Nähe von Gasförderzonen in Pennsylvania und Texas herauszufinden. Die Studie, die jetzt in den „Proceedings“ der amerikanischen Akademie der Wissenschaften erschienen ist, sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem Fracking und den erhöhten Methangaswerten. Der Grund dafür sei aber nicht das Fracking selbst, sondern schlecht abgedichtete Bohrlöcher, über die das Methan bis in den Grundwasserspiegel und das Trinkwasser gelangt. Beim Fracking wird das Gestein unter hohem hydraulischen Druck aufgebrochen, so dass natürliches Gas entweichen und an die Oberfläche geleitet werden kann.

Das Methan stammt aus Vorkommen in tiefen geologischen Schichten

„In zwei Privathäusern haben wir die Kontaminierung sozusagen in flagranti erwischt“, sagt Robert Jackson, einer der Co-Autoren der Studie und Professor für Umweltforschung an der Stanford University. Gemeinsam mit Thomas Darrah von der Duke University in North Carolina, dem Leiter der Studie, haben die Forscher insgesamt 113 Brunnen und Trinkwasserquellen in Pennsylvania und 20 in Texas untersucht. In den von Jackson erwähnten zwei Haushalten stieg die Konzentration des Methans im Zeitraum von neun Monaten rasant an.

Vor allem konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass das in den Wasserproben gefundene Methan aus Vorkommen stammt, die sich weit unterhalb des Grundwasserspiegels befinden. „Die Chemie des Gases im Wasser veränderte sich im untersuchten Zeitraum, so dass wir es nicht nur mit hohen Methangaskonzentrationen zu tun hatten, sondern auch mit Methangas aus anderen, wesentlich tiefer gelegenen Lagerstätten“, sagt Thomas Darrah.

Verbesserte Abdichtungen könnten zukünftig das Methangas zurückhalten

Das Gas müsse aus tiefen geologischen Schichten über undichte Zementabdichtungen rund um die Bohrung nach oben gestiegen sein, folgerten die Wissenschaftler. „Die gute Nachricht ist, dass die meisten Probleme, die wir in diesem Zusammenhang entdeckt haben, in Zukunft durch Verbesserungen bei der Abdichtung vermieden werden können“, sagt Thomas Darrah.

Eine Fracking-Anlage im Bundesstaat Pennsylvania in Amerika. In Pennsylvania wurde im Sommer des vergangenen Jahres erstmals nachgewiesen, dass Trinkwasser durch Fracking belastet worden ist.

Eine Fracking-Anlage im Bundesstaat Pennsylvania in Amerika. In Pennsylvania wurde im Sommer des vergangenen Jahres erstmals nachgewiesen, dass Trinkwasser durch Fracking belastet worden ist.

Foto: EPA

Die Studie könnte neue Argumente liefern in einem seit Jahren schwelenden Streit zwischen der amerikanischen Öl- und Gasindustrie und Umweltforschern. Während die US-Energieunternehmen bisher behauptet haben, das Methanvorkommen im Trinkwasser habe natürliche Ursachen und sei nicht auf die Fracking-Methode zurückzuführen, fanden Studien regelmäßig erhöhte Methanwerte in der Umgebung von Gasbohrungen.

Auch in Parker County, einem der untersuchten Gebiete, hatten sich 2010 die Anwohner an die amerikanische Umweltschutzbehörde (EPA) gewandt, als sie vermuteten, dass ihr Trinkwasser mit Methangas kontaminiert war. Die EPA fand daraufhin in zwei Trinkwasserquellen Konzentrationen an Methangas, die hoch genug waren, um eine Explosion herbeizuführen. Der Fall verlief schließlich im Sande, weil die EPA die hohen Kosten und rechtlichen Unsicherheiten scheute, die ein offizielles Verfahren gegen den Gasproduzenten Range Resources bedeutet hätten.

Streit zwischen Gasförderunternehmen und Umweltschutzbehörde

Nun könnte das alles noch einmal aufgerollt werden und neue Fälle in Texas könnten hinzukommen. In nahezu allen untersuchten Haushalten war der chemische Fingerabdruck des im Trinkwasser gefundenen Methangases identisch mit dem von Methangas aus tiefen geologischen Schichten.

Ein Sprecher von Range Resources erklärte, dass die Experten im Unternehmen die Studie bisher noch nicht gelesen hätten. Er verwies auf frühere Tests, die bewiesen hätten, dass die Bohrungen des Gasunternehmens nicht mit erhöhten Gaskonzentrationen in den Trinkwasserbrunnen im Zusammenhang stünden.

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