Industrieforschung: Interview 02.11.2012, 19:55 Uhr

„Mein oberstes Ziel ist die effiziente Wertschöpfung in Deutschland“

Der neue Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft hat eine klare Vorstellungen davon, wie die industrielle Basis in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben kann. In Berlin machte Professor Reimund Neugebauer vorige Woche deutlich, wie wichtig ihm dabei Ressourceneffizienz ist.

Reimund Neugebauer

Reimund Neugebauer

Foto: Werkfoto

VDI nachrichten/INGENIEUR.de: Glückwunsch zu Ihrem neuen Tätigkeitsbereich, Herr Neugebauer! Wie fühlt es sich an, den Posten als Fraunhofer-Präsident von Herrn Bullinger zu übernehmen, der das Amt über viele Jahre prägte?

Neugebauer: Das ist eine große Herausforderung und eine anspruchsvolle Aufgabe. Fraunhofer ist gut aufgestellt und ein weltweit gefragtes Modell für die Zusammenarbeit Wissenschaft-Wirtschaft. Doch die Zeiten sind unsicher und turbulent geworden.

Fraunhofer muss sich anpassen an die Märkte und Rahmenbedingungen, die sich schneller als früher verändern. Wir müssen die Innovationskraft steigern und die Umsetzungsgeschwindigkeit erhöhen.

1992 wurden Sie Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Dresden. Was hätten Sie damals gesagt, wenn Ihnen jemand prophezeit hätte, dass Sie 20 Jahre später Fraunhofer-Präsident werden?

Neugebauer: Ich hätte zunächst gelacht und dann gefragt, wie man auf so eine Idee kommen kann. Damals hatte ich genügend damit zu tun, das Institut und den Lehrstuhl aufzubauen. Und das in einem schwierigen Umfeld.

Sachsen ist zwar die Wiege des Maschinenbaus, doch es gab keine Unternehmerkultur. Sie musste erst neu belebt werden.

Dazu habe ich den Industrieverein Sachsen 1828 im Jahr 2000 neu gegründet. Er hat heute 150 Mitgliedsunternehmen. Schließlich war ich auch noch Dekan der Fakultät Maschinenbau der Universität Chemnitz. Es gab also genügend zu tun. Ich habe in Chemnitz mit 37 Mitarbeitern angefangen, am Ende waren es über 500 – mit weiteren Standorten in Dresden, Augsburg und Zittau.

Sie haben sich in den vergangenen Jahren mit Strategien zur ressourceneffizienten Fabrik einen Namen gemacht. Wird das Ihre Arbeit als Fraunhofer-Präsident weiter begleiten?

Neugebauer: Ja, denn die Ressourceneffizienz hat für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft eine strategische Bedeutung. Denn wir können die beschlossene Energiewende nur meistern, wenn wir den Energieverbrauch konsequent minimieren. Dabei spielen Effizienztechnologien eine entscheidende Rolle, denn sie senken unabhängig von der Art der Energieversorgung Kosten und Ressourcenverbrauch. Wir haben gezeigt, dass sich in der Produktion 30 % Energieeinsparung erreichen lassen. Ähnlich Potenziale lassen sich in anderen Bereichen erschließen.

Doch wir sollten das Thema auf Rohstoffe erweitern, denn nicht nur Öl, auch viele weitere Rohstoffe werden knapper und damit teurer. Im Übrigen hängen Energie- und Rohstoffverbrauch eng zusammen, denn man braucht für die Aufbereitung der Rohstoffe sehr viel Energie. Also muss das Ziel eine Nullfehlerproduktion, vollständige Materialausnutzung und Kreislaufwirtschaft sein. An die Stelle von Rohstoffverbrauch muss Rohstoffgebrauch treten. Generell gilt: Wir müssen immer mehr Wertschöpfung mit immer weniger Ressourcen zustande bringen.

Welche Akzente wollen Sie als neuer Präsident sonst noch setzen?

Neugebauer: Wir wollen das weltweit gefragte Fraunhofer-Modell weiterentwickeln, das auf Dezentralität der Verantwortung, Heterogenität der Disziplinen und Synergien durch Vernetzung basiert. Wir werden uns auf „kognitive Innovation“ konzentrieren, auf die Entwicklung von hochwertigen, intelligenten Produkten und Verfahren, die nicht so einfach nachgemacht werden können.

Außerdem sehe ich ein großes Entwicklungspotenzial bei Systemlösungen, die von mehreren Fraunhofer-Instituten sowie Forschungs- und Industriepartnern entwickelt werden. Um das vorhandene Potenzial besser nutzen zu können, brauchen wir eine systematische und professionelle Verwertungsstrategie mit einer strategischen Akquisition. Dazu gehört der Ausbau der Fraunhofer-Allianzen zu Plattformen für Branchen oder Standorte.

Die Tätigkeitsbereiche der Fraunhofer-Institute sind sehr breit gefächert, auf welche neuen Themen freuen Sie sich besonders? Wo sehen Sie sinnvolle Verknüpfungen?

Neugebauer: Mein oberstes Ziel ist immer, effiziente Wertschöpfung in Deutschland zu unterstützen. Deshalb interessieren mich aktuelle Themen der Systemforschung wie Elektromobilität, „Morgenstadt“ oder „Industrie 4.0“ ganz besonders. Notwendig ist sicher, die Energiewende intensiv zu unterstützen, nicht nur durch Ausbau der alternativen Energien Sonne und Wind, sondern vor allem durch die Entwicklung von Effizienztechnologien.

Meine Vision ist die E3-Fabrik. Sie ist energieeffizient, emissionsfrei und ergonomisch. Mit einer solchen Fabrik wird wieder urbane Produktion möglich – mitten in Stadt, direkt neben den Wohngebieten der Mitarbeiter. Das schont die Umwelt, spart Kosten und ebnet den Weg zur nachhaltigen Wirtschaft. Die Systemkompetenz ist weltweit gefragt und öffnet der Wirtschaft neue Exportchancen.

Von Martin Ciupek

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