Erfindermesse Iena 09.11.2012, 19:55 Uhr

Lösungen für kleine und globale Probleme

Was haben Katzenklappe, Skate-Board, Baustellenklo, Schwimmflügel und Mikrofasertuch gemeinsam? Sie alle wurden auf der Erfindermesse Iena erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Vergangene Woche fand die Leistungsschau der findigen Freigeister zum 64. Mal statt. In Nürnberg erwartete die Besucher ein bunter Strauß nützlicher Gimmicks und weltverbessernder Geistesblitze.

Ideenmesse Iena.

Ideenmesse Iena.

Foto: Werkfoto

Die „Solaris-Sauerstoff-Anreicherungsanlage“, erfunden von Schülerinnen der Käthe-Kollwitz-Schule in Esslingen, hilft Mikroorganismen dabei, Gewässer zu säubern.

Die präsentierten Ideen sind alle neu. Die Urheber sind es nicht. Einige sind Wiederholungstäter. Oliver Scheib beispielsweise. Der Pfälzer war vor zwei Jahren schon einmal auf der Erfindermesse. Damals hatte er dem Publikum eine Art Airbag für Hunde vorgestellt. Der Luftsack sollte die Vierbeiner allerdings nicht vor schmerzhaften Zusammenstößen bewahren, sondern sie im Falle von Ungehorsamkeit ausbremsen. Zünden ließ sich der „DogStop“ per Fernbedienung. Er spreizte die Vorderläufe des Tieres – was jeden Gedanken ans Weiterrennen vereitelte. „Das System hat gut funktioniert“, unterstreicht Scheib. „Leider aber war es wegen der aufwendigen Technik für viele Hundehalter zu teuer.“ Besserung verspricht seine Neuerfindung. Sie heißt „NoHuDo“ – No Hunting Dog.

NoHuDo ist auf den ersten Blick ein breites Halsband. Es besteht aus einem Stoffschlauch, in dem eine Metallspirale integriert ist. Im Normalfall ist die Spirale unter Spannung und der Stoff gerafft. Im Ernstfall wird die Feder per Fernbedienung aus ihrer Verankerung entlassen. Das erledigen zwei kleine Servo-Motoren. „Dann schießt der Stoffschlauch dem Hund über den Kopf. Er kann sein Opfer nicht mehr sehen und bleibt stehen“, so Techniker Scheib.

Probleme mit dem Tierschutz befürchtet der Konstrukteur nicht. „Ich habe das System an meinem Hund getestet. Nur vier Mal habe ich es auslösen müssen. Jetzt weiß mein treuer Begleiter, was passiert, wenn er etwa Joggern oder Hasen nachstellt. Er ist viel gefügiger geworden.“ Angst vor dem Halsband habe er nicht. „Im Gegenteil: Er freut sich, wenn ich es anlege. Das ist das Signal für ihn, dass wir Gassi gehen.“

Energie aus Wasser: Innovative Segmentkranz-Wasserräder passen sich den natürlichen Gegebenheiten des Flusslaufs an

Ebenfalls zum wiederholten Male auf der Messe ist Hartmuth Drews. Der 62-jährige Ingenieur hat seine Ideen zur Energieerzeugung aus Wasserkraft weiter vorangetrieben. Bereits vermarktet hat er seine patentierten Segmentkranz-Wasserräder. Dank ihres modularen Aufbaus lassen sie sich in der Größe variieren und so den natürlichen Gegebenheiten des Flusslaufs anpassen. Im letzten Jahr stellte er dann sein Flussmühlenkraftwerk vor, das auf Pontons installiert und im Fluss verankert wird.

Nun will er mehrere Pontons zu einem „Schwarm“ verknüpfen. Die Besonderheit: Jedes einzelne Wasserrad des Verbundes lässt sich horizontal so drehen, dass es im optimalen Winkel zur Anströmung steht.

„Installiert wird der Schwarm idealerweise in Gebieten mit Gezeitenströmungen“, so Drews. „Dort ist die Fließgeschwindigkeit relativ hoch.“ An einem Prototyp wird noch gearbeitet. In der Theorie erzeugt das System aber schon viel Energie. „Wir haben in einer Computersimulation 50 Einheiten vor dem Eidersperrwerk aufgebaut. Bei einer Fließgeschwindigkeit des Wassers von 3,5 m/s würden sie genügend Strom erzeugen, um 2000 Haushalte zu versorgen.“

Wasserkraft ist auch das Steckenpferd von Vincent Coady. Sein „Sea Demander“ soll ebenfalls in Schwärmen auftreten. Einsatzgebiete sind küstennahe Gewässer mit Wellengang oder Flüsse.

Ein einzelner Sea Demander besteht im Wesentlichen aus einem segmentierten Aluminiumschild. Die einzelnen Segmente bilden in der Ausgangslage eine fast geschlossene Fläche. Trifft eine Welle oder fließendes Wasser darauf, wird das Schild nach hinten geschlagen. Dort öffnet es sich mechanisch und schwingt – bewegt von Gegengewichten – zurück in die Ausgangslage. So macht jeder Sea Demander stetig eine Viertelumdrehung.

„Der Clou besteht nun darin, dass wir fünf Anlagen so in einer Reihe aufstellen, dass sie insgesamt eine vollständige, redundante Umdrehung abbilden“, so der Bielefelder. „Die bis zu 800 Newtonmeter starken Drehmomente werden über ein Freilaufklemmkörpersystem auf einen Generator übertragen. Schon bei Flussgeschwindigkeiten von 1 m/s erzeugen wir mit fünf Anlagen 50 kW.“

Einen Praxistest hat der Sea Demander noch nicht absolviert. „Wir werden aber demnächst in einem Seekanal erste Versuche starten“, so Coady. „Leider ist das sehr teuer – und noch finanzieren wir alles aus privaten Mitteln.“

Gesundheitsstuhl „Salsero“ trickst das Schmerzgedächtnis aus

Dieses Schicksal teilt Edwin Jäger. Auch sonst hatte der 48-Jährige nicht immer Glück im Leben: „Ich war Tänzer am Theater – bis zu einem Bühnenunfall vor sieben Jahren.“ Nach einer nötigen Rücken-OP riet ihm ein Physiotherapeut zu aktivem Sitzen, um die Rückenmuskulatur zu stärken. „Ich habe dann verschiedene Gymnastikbälle ausprobiert“, so der Oberschwabe. „Sie waren mir aber alle zu grobmotorisch. Um mein Schmerzgedächtnis auszutricksen, brauchte ich mehr Instabilität.“ Als er nichts entsprechendes auf dem Markt fand, wurde er selbst zum Möbeldesigner.

Ergebnis ist der „Salsero“-Gesundheitsstuhl. Die Sitzfläche ist auf einer frei beweglichen Metallkugel mit nur etwa 10 cm Durchmesser gelagert. „Das macht das Sitzen anfangs recht anstrengend“, so der Erfinder. Physiotherapeuten zeigten sich aber begeistert.

Der Stuhl ist inzwischen in einigen Sanitätshäusern erhältlich. Nicht aber die Weiterentwicklung zur „Sitz-Maus“. Jäger baute dazu in die Sitzfläche einen 6-Achsen-Sensor ein. Nun kann er den Cursor auf seinem Bildschirm lenken, in dem er sein Gewicht auf dem Stuhl verlagert. Das Mausklicken wird simuliert durch waagerechtes Rollen nach links oder rechts – je nach gewünschter Maustaste.

Jäger räumt ein, dass das System gewöhnungsbedürftig ist und vielleicht nicht jeden dazu bewegen kann, sich von der klassischen Maus zu verabschieden. Deshalb plant er aktuell eine Vermarktung als eine Art von „Joystick“ für Computerspiele oder als Hilfsmittel für Körperbehinderte.

Vollen Körpereinsatz verlangt auch der „sich selbst aufblasende Fahrradreifen“ der beiden Taiwanesen Li-Lin Chen und Jun-Qin Chen. Das Prinzip ist einfach wie genial. „Wir haben eine Metallscheibe an die Achse montiert“, so Li-Lin Chen. „Ihr Aufhängungspunkt lässt sich so verschieben, dass sie in der Rotation zum Exzenter wird.

Die resultierenden Auf- und Abbewegungen werden an einen Pumpenkolben übertragen. Ein Druckwächter lässt nun nur so viel Luft in den Reifen, dass jederzeit komfortables Fahren möglich ist – selbst bei kleinen Löchern im Schlauch.“

Sogar kleine Wunder gab es zu bestaunen auf der jüngsten Iena-Messe. Jedenfalls preist die atila GmbH ihre jüngste Erfindung als „WC-Wunder“ an. Dahinter verbirgt sich ein innovatives Kloschüssel-Reinigungsutensil. „Von einer klassischen Klobürste unterscheidet sich unser Produkt gleich in mehrfacher Hinsicht“, unterstreicht Produktmanager Anton Stöhr. „Statt auf Kunststoff setzen wir auf Silikon – und das ist dank der integrierten Silberionen sogar antibakteriell. Weiterer Vorteil: Statt Borsten haben wir Noppen – und die wirken fast wie ein Peeling für die Keramik.“ Unzugängliche Stellen kenne das WC-Wunder nicht. „Die Spitze und die Ohren des Produkts sind flexibel. Dadurch gelangt man spielend unter den Rand der Kloschüssel und selbst in das Knie des Abflussrohrs.“

Innovativer Seifenspender erinnert ans Händewaschen nach dem Toilettengang

Nach dem Besuch des stillen Örtchens gilt seit jeher: Hände waschen nicht vergessen! Wer es versäumt, könnte zukünftig lautstark an diesen Fauxpas erinnert werden – und zwar von der „forschen Hilda“. Dahinter verbirgt sich ein innovativer Seifenspender, entwickelt von Schülern des Hilda Gymnasiums Pforzheim in Kooperation mit Studenten der Hochschule Pforzheim.

Der 15-jährige Etienne Bührle erklärt die Funktion: „Die forsche Hilda ist mit optischen Sensoren ausgestattet. Sie erkennt, wenn jemand das Klo aufgesucht, anschließend aber einen Bogen um das Waschbecken gemacht hat. In diesem Fall ertönt eine Durchsage. Der entsprechende Text ist frei wählbar.“ Doch Hilda kann noch viel mehr „Sie registriert, wann der Seifenvorrat zu neige geht und sendet eine SMS an den Hausmeister. Sie erkennt außerdem anhand der Handtemperatur des Nutzers, ob dieser fiebrig ist. Gegebenenfalls mischt das System dann Desinfektionsmittel in die Seife.“ Selbst an die Finanzierung des Systems haben die Entwickler gedacht. „Auf dem Display lassen sich Werbebotschaften platzieren“, so Bührle.

Als Werbegeschenk soll auch die „Stop-it-Einkaufswagenbremse“ den Markt erobern. Entwickelt wurde sie von Regina Schmidtner, Felix Nutz und Michael Lang. Alle drei sind 18 Jahre jung und Auszubildende der Pfleiderer-Unternehmensgruppe. Ihre Erfindung soll verhindern, dass sich Einkaufswagen beim Entladen in Fahrt setzen und parkende Autos beschädigen. Sie besteht aus einem etwa 6 cm langen Metall-Keil, der an zwei gegenüberliegenden Seiten stufenförmig eingesägt ist. Die beiden anderen Seiten sind glatt. „Die Nutzung ist kinderleicht“, so Nutz. „Man schiebt den Keil mit der glatten Seite zwischen Rad und oberer Radaufhängung. Wenn er dann um 90° gedreht wird, beißen sich die Stufen im Gummi des Rades fest.“

Bissig geht es auch am Stand von David Martic und Martija Lastovcic zu – zumindest akustisch. Die beiden Kroaten stellen lautstark ihre „didaktische Gitarre“ vor. Die Besonderheit des Instruments: Im Griffbrett sind insgesamt 132 LEDs verbaut – in jedem Bund unter jeder Saite eine. Sie zeigen dem Gitarren-Neuling an, wie er seine Finger bewegen muss, um gängige Akkorde zu spielen. „Wir haben mit dieser Erfindung unsere beiden Leidenschaften kombiniert“, so Student Martic. „Elektrotechnik und Rockmusik.“

Die Leidenschaft der Gruppe „SO2ES“ der Käthe-Kollwitz-Schule in Esslingen ist der Umweltschutz. Die 16- bis 19-jährigen Mädchen haben die „Solaris Sauerstoff-Anreicherungsanlage“ entwickelt – abseits des regulären Unterrichts. Ziel ist es, Gewässer vor dem Erstickungstod zu bewahren. Miterfinderin Sonja Frank erklärt: „Wir haben eine 12-V-Solarbatterie in eine Boje eingebaut. Gespeist wird sie von einem oben aufgesetzten Solarpanel. Die gewonnene Energie wird genutzt, um eine Luft- und eine Wasserpumpe anzutreiben. Sie versorgen die im Gewässer lebenden Mikroorganismen mit Sauerstoff. Den Kleinstlebewesen wird so ermöglicht, Giftstoffe in ihrer Umgebung abzubauen.“ 

Von Stefan Asche

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