Forschung 26.05.2000, 17:25 Uhr

Liegefahrrad mit Automatik-Gangschaltung

Rund 180 junge Forscherinnen und Forscher haben am Wochenende in Paderborn ihre Arbeiten vorgestellt. Für ihren Erfindungsreichtum wurden die Besten jetzt mit attraktiven Preisen belohnt.

Nur zwei kleine schwarze Knöpfe sind an Thessa Rudolfs Stirnband zu sehen. Es sind die Sensoren eines Blindenhilfsmittels, mit dem die 20-jährige Erfinderin Jugend-forscht-Bundessiegerin im Bereich Arbeitswelt wurde. „Das sind die gleichen Sensoren wie in den Einparkhilfen für Autos“, erklärt Thessa Rudolf. In eine Mütze eingebaut, helfen sie Sehbehinderten, Ästen oder Schildern auszuweichen. Denn Hindernisse in Brust- und Kopfhöhe können sie mit ihrem Stock nicht ertasten. Ein Forschungsprojekt aus aktuellem Anlass, erzählt die Erfinderin: „Vor zwei Jahren ist meine Großtante erblindet. Es gibt zwar viele solcher Systeme, aber die sehen so blöd aus, dass man sie nicht tragen kann.“ Also hat Thessa Rudolf ihr Vediamolo entwickelt. Mit Ultraschallsignalen erfasst das Gerät ein Hindernis vor dem Körper und warnt seinen Träger mit einem leisen Signalton hinter dem Ohr. Die Kinderkrankheiten habe sie inzwischen ausgemerzt, berichtet sie stolz Blinde haben Vediamolo getestet. So erkennt ihr Gerät sogar Blätter, denn selbst an denen könne man sich verletzen, wenn es zum Beispiel Brennnesseln sind, gibt sie zu bedenken.
Zu Hause haben Sehbehinderte mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Das Haltbarkeitsdatum von Lebensmitteln oder die Farbe und Waschtemperatur eines Kleidungsstücks können sie nicht fühlen. Aber hören: „Diese Bluse ist mittelblau und wird bei 30°C gewaschen“, ertönt Jördis Janssens Stimme aus einem kleinen Kästchen. Der Trick: In der Tasche der Bluse steckt ein kleines Plättchen, ein so genannter Transponder. Den erkennt der handliche Sprachcomputer in Jördis Janssens Hand und spielt die zugehörige Aufzeichnung ab. Sortiert sie die Bluse aus, bespricht sie den Computer einfach neu und legt den Transponder beispielsweise auf eine Pfirsichkonserve. Über 100 Gegenstände kann die Forscherin mit einem einzigen Handgerät erfassen.
Armbehinderten möchte Reiner Schäfer den Alltag vereinfachen. Er entwickelte eine Automatikschaltung für sein Liegedreirad, die sich in alle gängigen Nabenschaltungen integrieren lässt. Ein Mikroprozessor misst die Geschwindigkeit beim Fahren. Tritt man schnell in die Pedale, schaltet die Nabe von allein einen Gang hoch – tritt man wieder langsamer, schaltet sie herunter. Den Alltagstest hat das System allerdings noch nicht bestanden. „Seinen ersten Einsatz hat es diese Woche auf dem Liegeradfestival in Berlin. Auf dem Weg hierher wollte ich es lieber nicht ausprobieren“, zeigt Reiner Schäfer Bedenken gegenüber seiner eigenen Arbeit.
Einfach nur drauflosgebastelt haben die drei Jungforscher Stefan Leistritz, Martin Schmidt und Alexander Krause aus Thüringen. „Wir haben nichts weiter gemacht, als unsere Lego- und Stabilbaukästen aus DDR- Zeiten zusammenzuschmeißen und irgendetwas zu bauen“ – sie scheinen die ganze Aufregung um ihr Produkt nicht zu verstehen. Das Ergebnis der Bastelei: ein Roboter, der sich sehend und tastend durch die Halle bewegt. Noch braucht er dabei die Hilfe seiner Schöpfer, aber das scheint denen lästig zu sein, denn sie arbeiten bereits an seiner künstlichen Intelligenz.
Ebenfalls lästig fand Christian Scharfenberger sein Tamagochi. Deshalb schien es nur logisch, sich einen Roboter zu bauen, der die Pflege des japanischen virtuellen Kükens übernimmt. Damit er immer weiß, wo sein Pflegepersonal sich gerade aufhält, hat er seinem Roboter dann noch beigebracht, ihm hinterherzulaufen. „Damit ich bei Jugend forscht mitmachen konnte, musste er aber auch etwas Gescheites können“, begründet Christian Scharfenberger sein eigentliches Projekt: Von einem Laserleitstrahl geführt, findet der handballkleine Bruder von R2D2 aus den Star-Wars-Filmen den Weg durch ein Labyrinth. Der Laserstrahl leuchtet über die Hindernisse hinweg und hilft dem Roboter sich zu orientieren. Verliert er den Strahl, tastet er sich solange an den Barrieren entlang, bis er ihn wieder im Sensor hat. Damit Christian Scharfenbergers kleiner Begleiter bei der Suche nach seinem Leitstrahl nicht in Fallen läuft und dann nur noch zwischen zwei Hindernissen hin und her pendelt, hat er ihn zusätzlich mit einem ausgeklügelten logischen Erinnerungssystem ausgestattet. „Als ich mich entschieden hatte bei Jugend forscht mitzumachen, hatte ich noch genau drei Wochen bis zur Anmeldung, um den Laserstrahl zu entwickeln“, erzählt der pfiffige Forscher stolz. Hinter dem lustig über den Boden ruckelnden Spielzeug steckt aber ein durchaus ernsthafter Gedanke. Christian Scharfenberger stellt sich seinen Roboter als Raumüberwacher vor, beispielsweise in Museen. JO SCHILLING
Bequemes Radeln: Reiner Schreibers Erfindung legt selbstständig den richtigen Gang ein.
Bei Anruf – Alarm! Das elektronische Meldesystem von Torsten Stichowski, Christian Reichelt und Jens Schrader überwacht Häuser und sogar ganze Industrieanlagen.
Frozen Reality – die Zeit steht still. Mit synchron ausgelösten Kameras fotografiert Florian Maier dasselbe Objekt aus verschiedenen Blickwinkeln. Wettbewerb jugend forscht

Die jungen Sieger

Zum zweiten Mal in Folge nimmt Sascha Sebastian Haenel einen Bundessieg mit nach Hause – diesmal im Bereich Technik. Sämtliche Preise im Bereich Technik wurden übrigens vom VDI gestiftet. Auch den Sonderpreis des Präsidenten des VDI hat der 18-Jährige gewonnen. Sein Projekt: Ortsbestimmung für Mobiltelefone, Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung in GMS-Netzen und ein 3-Band-Datenfunkcontroller, mit dem er Anlagen über das Mobiltelefon fernsteuern kann.
Florian Maier erhält den 2. Preis im Bereich Technik. Mit aufwendiger Fototechnik friert er sozusagen die Zeit ein. Fällt beispielsweise ein Wassertropfen, so fotografiert Florian Maier ihn synchron aus verschiedenen Richtungen. Beim Abspielen der Bilder scheint die Zeit für den Tropfen stillzustehen – er lässt sich dann in Ruhe von allen Seiten betrachten.
Gewinnerin im Bereich Arbeitswelt ist Thessa Rudolf mit ihrem Vediamolo, einem Hilfsmittel für Blinde. Damit können Sehbehinderte hoch hängende Hindernisse erkennen und ihnen ausweichen.
Energie aus heißer Luft war den Juroren der Bundespreis Physik wert. Joachim Renz hat eine Wärmekraftmaschine für die Dritte Welt konzipiert.
Yueshi Lai will sich besser mit seinem Computer verstehen. Eigentlich sollte der ihm aufs Wort gehorchen, doch haben Spracherkennungsprogramme so ihre Tücken. Dafür, dass er die Fehlerquelle dieser Programme gefunden hat, bekommt er den Bundespreis Mathematik/Informatik.
Die zunehmende Monotonie von Einkaufsstraßen haben Carolin Porschen und Julia Schwickardi untersucht. Das stadtgeografische Thema belohnte die Jury mit dem Bundessieg Geo- und Raumwissenschaften.
Ebenfalls mit Strukturen, allerdings auf molekularer Ebene, haben Michael Müller, Anita Zeidler und Felix Schmäschke den ersten Platz der Sparte Chemie gewonnen. Sie wollen mit einem Computerprogramm die Sekundärstruktur von Proteinen voraussagen.
Der Bundessieger Biologie, Georg Schmitt, hat das Vorkommen von Tüpfelfarnarten in Kellenbachtal untersucht. js

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