Forschung 08.08.2008, 19:36 Uhr

Lebensqualität schafft Wirtschaftskraft  

Harte ökonomische Daten sagen weniger über die Zukunft eines Standortes als weiche Faktoren wie Kreativpotenziale, soziale Innovationen und die Erwerbsbeteiligung von Frauen.

Die Geschäftsidee des nächsten DAX-Unternehmens könnte in diesem Moment in einem idyllisch Flecken zwischen der Schwäbischen Alb und dem Bodensee zünden. Oberschwaben sei nämlich „ein Eldorado für Mittelständler, Ingenieure und Facharbeiter“, behaupten die Autoren der aktuellen Standortstudie „Zukunft Deutschland 2020“ und gehöre damit ebenso wie Freiburg, Hannover und die Oberpfalz zu den Regionen mit dem höchsten wirtschaftlichen Potenzial.

Oldenburg, Chemnitz oder Deggendorf dürften einer eher mittelmäßigen Zukunft entgegen schauen. Hier gibt es entweder zu wenig Kindertagesstätten, zu viele männliche Alleinverdiener oder es riecht auf den Feldern nach Chemie. Deshalb will dort keiner hin.

Denn der Hintergrund des doch einigermaßen verblüffenden Ergebnisses ist die besondere „Brille“, mit der die Zukunftsforscher die deutschen Landkreise und Ballungsgebiete betrachtet haben. Während andere Standortprognosen streng auf makroökonomischen Daten aufbauen – Wirtschaftsleistung, Zahl der Erwerbspersonen, Arbeitslosigkeit und Kaufkraft -, zieht das Zukunftsinstitut von Trendforscher Matthias Horx daneben auch „weiche“ Standortfaktoren ins Kalkül. Zum Beispiel soziale Innovationen wie:

– Kinderbetreuung,

– Altersaktivität, gemessen an der Beschäftigungsquote von Menschen zwischen 55 und 65 Jahren,

– Öko-Anbau in der Landwirtschaft,

– die Frauen-Erwerbsquote und

– der Anteil von Vätern in Elternzeit.

Bei den insgesamt 18 Indikatoren, die zur Bewertung der Top-Regionen herangezogen wurden, sind der Anteil am Bruttoinlandsprodukt, die Zahl der Patentanmeldungen und die Nähe von Hochschulen zur Wirtschaft nicht unter den Tisch gefallen. „Aber wir haben die Wirtschaftsdaten im Kontext der wichtigsten sozialökonomischen Veränderungsprozesse unseres Lebens im 21. Jahrhunderts reflektiert“, erklärt Studienprojektleiter Eike Wenzel. Und das sind just die vom Institut seit geraumer Zeit plakatierten Gesellschafts- und Konsumtrends, Lebensstilveränderungen und Megatrends wie Gesundheit, Bildung, Silberne Revolution.

Der geheime Champion Oberschwaben fiel den Forschern aufgrund der geringen Arbeitslosigkeit auf. „Entgegen der üblichen Logik, wonach Zukunftsökonomien nur gedeihen können, wenn viele junge Beschäftigte vorhanden sind und der Dienstleistungssektor boomt, beweisen die Oberschwaben das Gegenteil“, schreiben die Autoren, „hier ist der Anteil des produzierenden Gewerbes an der Gesamt-Bruttowertschöpfung zwischen 2000 und 2005 um 44,2 % gestiegen.“ Gewertet wird das als klarer Hinweis auf eine „Shareholder Value freie Zone“, und – als Beleg dient der Erfolg des oberschwäbischen Nudelproduzenten Buck – auf die Hinwendung der Region zum Megatrend Gesundheit.

Insgesamt 13 Vorreiterregionen haben die Trendforscher in einer 180-seitigen Studie beschrieben, eingeteilt in die Kategorien Potentialregionen (Hannover, Oberschwaben, Freiburg und die Oberpfalz), Urbanitäts-Netzwerke (Rhein-Neckar, Nürnberg, Dresden, Karlsruhe) sowie Meta-Regionen (Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Frankfurt). Wer sich wie Stuttgart, Bremen oder das Saarland irgendwo wiederfindet, sollte das angesichts des langen Prognosehorizontes als Herausforderung verstehen. „Aber eben nicht nur gerichtet an die Wirtschaftsförderung, sondern mindestens genau so an die Stadtentwicklung“, betont Eike Wenzel. „An manchen NRW-Standorten wie etwa Duisburg spricht man seit Jahren von Strukturwandel, aber es geschieht wenig. Bei anderen ist der Versuch steckengeblieben. Wie in Köln: In den 90er Jahren als künftige Medienhochburg hochgelobt, hat man hier doch viele Enttäuschungen erlebt.“

Obwohl die Studie bewusst auf ein Ranking der Regionen verzichtet, liegen die Top-Wirtschaftsstandorte im Jahr 2020 eher im Grünen als in den pulsierenden Großstädten. „In der nächsten Zeit werden wir uns von dem guten alten Stadt-Land-Gegensatz verabschieden müssen“, glauben die Zukunftsforscher. Weitsichtige Politiker könnten daraus den Schluss ziehen, dass sich die Pendlerpauschale damit eines Tages ohnehin erledigt.

CHRISTINE DEMMER

www.zukunftsinstitut.de

Von Christine Demmer

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