Forschung 12.05.2006, 19:21 Uhr

Körper in Action  

VDI nachrichten, München, 12. 5. 06, rb – Gegenstände reagieren auf einen Wink, weil das elektrische Nahfeld eines Körpers beliebig geformte Materialien zum Annäherungssensor macht. Wenn zusätzlich Daten fließen, entriegeln sich sogar Türen und Notebooks vernetzen sich. Was wie Zukunftsmusik klingt, findet sich bereits in einigen wenigen Anwendungen.

Vor Jahren noch ein Traum visionärer Wissenschaftler, inzwischen aber Realität: Der Körper des Menschen überträgt Signale zu elektronischen Geräten, die sich in seiner Nähe befinden. Das geht ohne lästige Kabel und bleibt auf etwa eine Armlänge beschränkt (siehe Kasten).

An Systemen, die das Nahfeld des Körpers als Datenkanal nutzen, arbeiten weltweit mehrere Firmen in unterschiedlichen Anwendungsbereichen. Der japanische Kommunikationskonzern NTT beispielsweise will in einer prototypischen Anwendung Chemiker davor bewahren, an ihrem Arbeitsplatz nach falschen Substanzen zu greifen. Schon wenn ein Forscher die Hand nach einem Behälter ausstreckt, wandert ein Identifikations-Code von dort über den Körper zu einem PDA (Personal Digital Assistant) an der Gürtelschnalle, der die Aktionen seines Besitzers überwacht und vor gefährlichen Mixturen warnt. „Mit RFID wäre die Reichweite zu groß“, erläutert Hideki Sakamoto das Konzept von „RedTacton“. „Das würde uns nicht erlauben zwischen verschiedenen Dosen zu unterscheiden.“

Künftig soll der Empfänger, der im Prototyp noch als Einschubkarte für Notebooks oder PC realisiert ist, in einer Art Armbanduhr Platz finden. Dann könnte das Gerät zum Beispiel am Handgelenk von Senioren Alarm schlagen, wenn sie nach den falschen Pillen greifen. „Das erfordert noch etwa drei Jahre Entwicklungsarbeit“, schätzt Sakamoto.

Derweil untersucht NTT andere Anwendungen: Weil das Signal Kleidung oder Schuhe durchdringt, reicht es, sich mit seinem Notebook an einen Platz zu setzen, an dem unter dem Teppich ein Empfänger installiert ist, um den Rechner in ein Konferenz-Netzwerk einzuklinken. Wieder agiert der Körper als Brücke, indem er die extrem schwachen Signale vom Notebook zum herkömmlichen Netz weiterleitet. „Früher ließ man bei einer Besprechung Papierdokumente zirkulieren, mit RedTacton tauscht man ebenso einfach elektronische Dokumente aus.“

Im oberbayerischen Wessling entriegelt eine ähnliche Technik Türschlösser, sobald jemand mit dem richtigen elektronischen Schlüssel in der Tasche nach der Klinke greift. „Am Türknopf und dem Schließmechanismus selbst ist nichts verändert, und der Schlüssel kann in der Tasche bleiben“, freut sich Stefan Donat, einer der Gründer der Ident Technology AG. Dank „Skinplex“ weiß auch die Bedienkonsole der auf der letzten Tokio Motor Show präsentierten Zukunftsstudie F600 von Mercedes schon bei der Annäherung einer Hand, ob der Fahrer oder Beifahrer nach ihr greift und bietet sofort die richtigen Menüs an. Das Geheimnis steckt in den Sitzen, von wo aus die Elektronik über den Körper des Bedieners unterschiedliche Signale erhält.

Doch die Technik erweist sich sogar als nützlich, wenn sie keine Informationen über den Absender verrät. „Wenn wir einfach registrieren, wie sich das Feld durch die Annäherung eines Objekts verändert, haben wir einen Annäherungssensor mit der Form und Größe des Bauteils, das überwacht werden soll“, erläutert Donat.

So wird z. B. das Cabrioverdeck selbst zum Sensor, egal ob Falttop oder Hardtop. Nähert sich ein Mensch oder Gegenstand den beweglichen Teilen, registriert die Elektronik ein verändertes Nahfeld und stoppt den Schließvorgang. „Unser Sensor misst gleichzeitig das Gefahrenrisiko“, betont Erfinder Wolfgang Richter von Ident Technology. „Je schmaler die verbleibende Öffnung, desto größer das Risiko und desto stärker ist auch das Signal.“

Mit ähnlichen Mini-Empfängern an den Ecken wird jeder Bildschirm zum annäherungssensitiven Monitor, der die Position einer Hand oder eines Fingers ermitteln kann. Schon ohne Berührung versteht er daher jeden Fingerzeig und unterscheidet auf Wunsch zusätzlich Fahrer und Beifahrer im Auto. „Später werden wir noch die Dynamik auswerten“, plant Richter. Damit kann man dann herausfinden, ob sich der Fuß des Fahrers vehement dem Bremspedal nähert. Richter: „Bevor die Fußsohle auf dem Pedal ist, könnte der Bremsassistent im Notfall schon mal den nötigen Druck aufbauen.“

KARLHORST KLOTZ

Von Karlhorst Klotz

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