Kampf gegen Ebola 15.08.2014, 10:40 Uhr

Kanadische und Schweizer Forscher entwickeln Medikamente

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Afrika entwickeln auch Forscher aus Kanada und der Schweiz unter Hochdruck Medikamente: TKM-Ebola aus Kanada zeigt in Tierversuchen bereits 100-prozentigen Schutz gegen das Virus. Das Schweizer Unternehmen Okairos steht mit seinem Medikament angeblich sogar schon kurz vor dem Durchbruch und will noch dieses Jahr mit klinischen Tests beginnen. 

In Liberia verteilt eine Frau Broschüren, um die Bevölkerung über Ebola aufzuklären. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO starben in Westafrika an dem Virus bereits über 1000 Menschen. Die Länder suchen händeringend Medikamente. 

In Liberia verteilt eine Frau Broschüren, um die Bevölkerung über Ebola aufzuklären. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO starben in Westafrika an dem Virus bereits über 1000 Menschen. Die Länder suchen händeringend Medikamente. 

Foto: dpa

Nach inzwischen mehr als 1000 Opfern der Seuche will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch auf Mittel setzen, die noch nicht abschließend getestet sind. Eine Expertenkommission hat jetzt empfohlen, diese Medikamente unter bestimmten Bedingungen zu nutzen. Dabei müssten vor allem ethische Kriterien gelten: Die Patienten sollen gut informiert sein, alle notwendigen Daten sollen gesammelt und veröffentlicht werden, auch das Umfeld des Betroffenen müsse einbezogen werden.

Schweizer Forscher wollen neues Medikament 2014 klinisch testen

Derzeit gibt es Hoffnung, dass in absehbarer Zeit ein Impfstoff gegen Ebola zur Verfügung stehen könnte. Das Schweizer Unternehmen Okairos soll kurz vor dem Durchbruch stehen. Der britische Pharmariese GlaxoSmithKline, der die Firma im Mai für 250 Millionen Euro kaufte, hat das bestätigt. Noch in diesem Jahr soll der Impfstoff klinisch getestet, also am Menschen ausprobiert werden – die Zulassung wird aber auch hier noch auf sich warten lassen.

An der kenianischen Grenze kontrollieren Mitarbeiter die Körpertemperatur der Einreisenden. Sie wollen verhindern, dass sich die Epidemie in den Osten Afrika ausweitet. 

An der kenianischen Grenze kontrollieren Mitarbeiter die Körpertemperatur der Einreisenden. Sie wollen verhindern, dass sich die Epidemie in den Osten Afrika ausweitet. 

Quelle: dpa

Die wohl größte Hoffnung heißt im Moment ZMapp. Das Mittel einer kalifornischen Firma wurde Anfang des Jahres erstmals an zwei infizierten US-Amerikanern getestet und das mit großen Erfolg. Belastbare Aussagen über Risiken und Nebenwirkungen sind aber noch nicht möglich, deshalb hat das Medikament keine Zulassung auf dem Arzneimittelmarkt.

ZMapp funktioniert wie ein passiver Impfstoff, der als Serum injiziert wird. Zunächst werden Mäuse mit dem Erreger infiziert. Die Antikörper, die die Tiere daraufhin entwickeln, müssen genetisch modifiziert werden, damit Menschen sie vertragen können. Der Virologe Stephan Becker von der Universität Marburg setzt durchaus Hoffnungen auf ZMapp: „Wir wissen momentan von diesem ZMapp aus den Tierversuchen, dass es sehr gut gewirkt hat“, sagte Becker im Deutschlandfunk. Es habe den Patienten offenbar auch nicht geschadet.

Das größte Problem aber sei, dass das Mittel kaum verfügbar ist: „Die paar Dosen, die weltweit vorhanden waren, die sind inzwischen verbraucht. Und es dauert noch eine ganze Zeit lang, bis neues Material produziert worden ist.“ Aktuell sei ZMapp also kein Medikament, auf das man bauen könne, meint der Virologe.

Kanadische Firma entwickelt TKM-Ebola

TKM-Ebola wurde von der kanadischen Firma Tekmira entwickelt und hat angeblich in Tierversuchen schon im Jahr 2010 einen hundertprozentigen Schutz gegen das Virus gezeigt. Seit Anfang des Jahres laufen die entscheidenden klinischen Studien. Sie wurden aufgrund von Sicherheitsbedenken zwischenzeitlich unterbrochen, sind jetzt aber wieder aufgenommen worden. Der Hersteller selbst hat jetzt allerdings erklärt, dass das Mittel für den Einsatz in Afrika vorläufig nicht zur Verfügung stehe.

TKM-Ebola nutzt die natürliche Funktion der RNA-Interferenz. Es löst im Körper einen Prozess aus, bei dem fremde Ribonukleinsäure, also genetische Information, aufgespalten wird. So soll verhindert werden, dass die Information des Erregers im Körper aufgenommen wird.

Experimentelle Therapien brauchen Zeit

Der Ebola-Experte Prof. Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg hat große Zweifel, dass die bisher entwickelten Medikamente gegen die Seuche aktuell helfen können: „Es ist viel Geld und Zeit erforderlich, diese so genannten experimentellen Therapien so weiterzuentwickeln, dass sie für den Menschen zugelassen werden können.“

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