Forschung 04.06.1999, 17:21 Uhr

Jungforscher „tierisch neugierig“

„Tierisch neugierig“ waren die 6813 Teilnehmer des 34. Bundeswettbewerbs Jugend forscht – und in diesem Jahr fielen vor allem die Eloquenz der Jungforscher und der gestiegene Anteil der Mädchen ins Auge, der sich gegenüber dem Vorjahr auf 34 % verdoppelt hat.

Erkenne Verena“, sagt Verena Bögelein aus Bayern selbstbewußt in das Auge Nathans. Der Weise steht zwar noch als Name am Messestand für das Identifikationssystem von Verena Bögelein und Matthias Schott. „Doch der Name Nathan war leider schon rechtlich geschützt“, berichtet die 20jährige enttäuscht, „deshalb heißt unser System nun biomeX.“ BiomeX arbeitet mit einem lernfähigen Computerprogramm, so daß Änderungen im Aussehen erkannt werden. Da es mit den Daten von Stimme und Gesicht arbeitet, ist es besonders sicher. „Auch unterschiedliche Sprechgeschwindigkeiten oder eine neue Frisur können biomeX nicht verunsichern“, verspricht Verena Bögelein. Die Fünftplatzierte sieht sich als Frau im Wettbewerb nicht nachteilig behandelt, im Gegenteil: „Als Frau in der Wissenschaft bin ich Konkurrenz gewohnt.“
Auch Sascha Sebastian Haenel aus Niedersachsen ist Konkurrenz gewohnt. „Neben Jugend forscht mache ich immer auch die Physik-Olympiade mit“, erläutert der Bundessieger im Fachgebiet Technik stolz. Sein Projekt: Eine Mobilstation für die weltweite Anlagensteuerung über das Handy-netz GSM mit Internetanbindung. So ist es möglich, vom komplexen Chemiereaktor bis zur Kaffeemaschine in der Küche jede Anlage von beinahe jedem Punkt der Erde anzusteuern. Meßdaten können dabei auch kontinuierlich als HTML-Seite im Internet stehen. So kann jederzeit online der Anlagenzustand überwacht werden. „Das System ist auch in der Lage, bei Störungen eine E-Mail loszuschicken“, erklärt der 17jährige. Für den Einsatz auf Schiffen oder Lastwagen, hat Haenel eine Schnittstelle in seine Station eingebaut, die jederzeit die Ortung über das GPS-System erlaubt.
Matthias Hullin aus dem Saarland kann dem Computer Flötentöne beibringen. „Es klappt nur bei Instrumenten, die definierte Klanglagen haben“, sagt er grinsend und imitiert einen Posaunenspieler, „also nicht gerade bei der Posaune.“ Seine Idee: Er zeichnet die mit einem Blasinstrument gespielte Melodie auf und analysiert das Frequenzspektrum mit Hilfe der Fouriertransformation. So kann er Störgeräusche eliminieren und die Obertöne herausfiltern. Den erkannten Grundton schließlich zaubert er in korrekter Notenschrift auf den Bildschirm, Halbtonzeichen inklusive. „Selbstverständlich übersetzt mein System die Noten auch in jede gewünschte Tonart und Geschwindigkeit“, erläutert der 18jährige, der mit seinem Projekt im Fachgebiet Physik den zweiten Platz geschafft hat und dafür 2000 DM einkassierte. Für Musiker, die keine Noten beherrschen, ist der Notenzauber ein Segen: Nun können Sie ihre Kunst endlich doch zu Papier bringen. Mit einem Mausklick druckt Matthias Hullin die fertige Partitur.
Bescheidenheit ist seine Sache nicht: „Ich habe so viele Ideen. Und deshalb habe ich gesagt, jetzt gehe ich in die vollen und nehme mal mit drei Projekten teil.“ Zweimal mit Erfolg: Gerald Hartwig aus Berlin wurde Landessieger im Fachgebiet Arbeitswelt und in Chemie. Sein Chemie-Projekt: Ein Reaktor, der Industrieabwässer 25mal schneller reinigt, als bisherige Reaktoren dies können. Der Treibstoff für den Reaktor ist die Sonne. Eine Schicht aus Anthracen speichert die Lichtenergie und gibt diese an den im zu reinigenden Wasser gelösten Luftsauerstoff weiter. Der so angeregte Sauerstoff wirkt oxidativ. „Mein Reaktor ist sogar in der Lage, Pestizide und Dioxine abzubauen“, wirbt der Erfinder, der mit seinen 16 Jahren bereits acht Patente angemeldet hat. Für Disco und Kino hat der geschäftstüchtige Gerald da keine Zeit, „denn das fällt natürlich flach für meine Forschungsarbeit“. Der Lohn aller Mühe: Fünfter Platz im Fachbereich Chemie und einen Sonderpreis der Bundesstiftung Umwelt.
Helmar Dittrich aus Berlin legt enttäuscht die dunkle Brille ab und reicht sie weiter: „Schauen Sie hier durch, dann ist es räumlich.“ In der Tat: Was aussah, wie eine Fernsehübertragung mit Bildstörung, erscheint durch Dittrichs Brille dreidimensional. Die Jury war trotzdem nicht überzeugt: Einen Preis hat der Berliner für seine Idee nicht erhalten, die trotzdem pfiffig ist. Denn Helmar Dittrichs 3-D-Fernsehen kommt ohne großen Aufwand aus: Eine normale Videokamera und ein normaler Fernseher reichen ihm. Vor dem Kameraauge allerdings steckt seine Arbeit – ein optisches System aus drei Vollspiegeln und einem teildurchlässigem Spiegel für die gleichzeitige Aufzeichnung von zwei im Augenabstand versetzten Videobildern. Dazu kommen zwei Polarisationsfilter und ein Flüssigkristallschalter. Dieser schaltet mit der Fernsehfrequenz von 50 Hz zwischen beiden Polarisationsrichtungen hin und her. So zeichnet der 18jährige auf dem Videoband zeitlich hintereinander die Informationen für jeweils das linke und das rechte Auge auf. Beim Betrachten setzt man eine Brille mit Flüssigkristallschaltern auf, die wiederum mit 50 Hz geschaltet ist. Ergebnis: Fernsehen in 3-D.
DETLEF STOLLER
Persönliche Not machte den 16jährigen Daniel Gurdan aus Bayern erfinderisch: Damit er trotz verlorenem Zeigefinger weiter jonglieren kann, erfand er den Jonglierhandschuh (siehe Link unten).
Sascha Sebastian Haenel aus Niedersachsen ist Preisträger im Fachgebiet Technik. Seine Entwicklung: Eine Funkstation, die es über Satellit ermöglicht, jede Anlage von jedem Punkt der Erde aus zu steuern.

Von Detlef Stoller
Von Detlef Stoller

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