Forschung 08.07.2005, 18:39 Uhr

Junge Ingenieure sind reif für die Insel  

Der Physiknobelpreisträger Klaus von Klitzing wollte als Student in Lindau teilnehmen. Er bekam eine Absage. „Ich habe dann beschlossen, den Nobelpreis zu gewinnen, damit ich immer teilnehmen kann“, erklärte er lachend. Es sei für ihn eine große Freude, mit den jungen Nachwuchswissenschaftlern zu sprechen. In diesem Jahr hatten sich unter die 750 Mediziner, Physiker und Chemiker auch erstmals herausragende Ingenieure gemischt. Acht vom VDI und der Lindau-Kommission ausgewählte Kostbarkeiten des Standorts Deutschland nutzten die Gelegenheit und trafen auf 47 Nobelpreisträger. „Das war eine einmalige Woche“, zeigt sich Peter Hildebrandt, einer der Teilnehmer, begeistert.

Der Student der Allgemeinen Ingenieurwissenschaften an der TU Hamburg-Harburg kam während der vergangenen Woche mit Vorträgen, Diskussionsrunden, Social Events und einem Ausflug zur Insel Mainau sogar noch zu besonderen Ehren. So hatte er Gelegenheit, seine Studienarbeit mit dem Chemienobelpreisträger von 1992 Rudolph Marcus (USA )zu besprechen. Hildebrandt (23), der von seinem Spezialgebiet Systemtechnik auch mit Begeisterung mehr als einen Blick ins Innovationsmanagement und in die Geisteswissenschaften wirft, ist ein Verfechter des Diskurses. Nur im Gespräch lasse sich wirkliches Verständnis gewinnen. „Vorlesungen und Übungen sind geeignet, um Faktenwissen zu lernen“, betont er. Der Überflieger, der aufgrund seiner Leistungen im Gymnasium – nach einigen Kämpfen mit dem Kultusministerium – nicht nur zwei, sondern gleich drei Leistungskurse belegen konnte, ist froh, dass es in Deutschland endlich eine Elitediskussion gibt, da der Begriff Leistung extrem negativ besetzt sei. Er machte aber auch deutlich, was er unter Elite versteht: Verantwortung. Ein praktisches Beispiel aus seinem Leben: Da er weniger Zeit für das aufwändige Studium benötige als Kommilitonen im Allgemeinen, könne er diese Zeit in die Fachschaftsarbeit investieren.

Auch Erik Kolb (25) von der RWTH Aachen, Maschinenbau- und BWL-Student, hat so seine eigenen Vorstellungen vom Begriff Elite: „Ich fühle mich als jemand, der sich als Sportler sieht. Der liebt Herausforderungen und arbeitet hart daran, und das macht mir Spaß. Ich sehe mich nicht als Elite.“ Was ihm am Begriff nicht gefalle, sei, dass dieser oft benutzt werde, um jemanden besser zu stellen. „Wenn ich mich mit irgendjemandem unterhalte, der keine hohe Bildung hat, möchte ich mich gleichgestellt fühlen. Und das kann ich, wenn ich mich nicht als Elite fühle. Der andere hat beim Gang durch die Welt ganz genauso seine eigenen Beobachtungen wie jemand, der sehr viel weiß.“ Sabine Jakobs (33), Spezialistin für Projektmanagement in der Softwareentwicklung an der RWTH Aachen, warnte davor, alles an Schulnoten festzumachen: „Einstein war kein besonders guter Schüler, aber er hat Großartiges geleistet“, sagte die junge Wissenschaftlerin, die in wenigen Wochen ihr erstes Kind erwartet und an ihrer Dissertation schreibt. Es war auffällig, dass eigentlich alle Teilnehmer den Begriff, der in der Eröffnungsrede der Veranstaltung fiel, eher mit einer Aufgabe als mit einer Auszeichnung füllen. So wie Benedikt Hofmann (23) von der TU München, der gerade seine Diplomarbeit in Dänemark über die Optimierung von Einspritzverläufen bei Großdieselmotoren schreibt. „Es ist das Wertvollste, sozialverträglich zu bleiben, darunter verstehe ich die Fairness, auch Menschen, die andere Fähigkeiten mitbekommen haben, zu helfen und füreinander da zu sein. Ob sich das Ideal während des beruflichen Werdegangs realisieren lässt, ist schwer vorherzusagen.“

Nicht jeder kam zwar direkt mit einem Nobelpreisträger ins Gespräch – und nicht jeder hatte das vorher auf seiner Agenda – doch die „Koryphäen der Forschung live zu erleben“, wie es Sebastian Trimpe von der TU Hamburg-Harburg formulierte, war für die Ingenieure etwas Besonderes. „Ich habe so auch einen Überblick über die Tendenzen in der Forschung erhalten“, meinte Trimpe (24). Sabine Jakobs allerdings hatte das unverhoffte Glück, an einem Abend in lockerer Runde mit vier Nobelpreisträgern (!) zu plaudern.

Da für Ingenieurwissenschaften kein Nobelpreis verliehen wird, war Hofmann daran interessiert, was andere Wissenschaftler über Erfindungen aus dem ingenieurtechnischen Bereich denken. „Und ich muss sagen, man bekam schon gezeigt, dass man ein wertvolles Mitglied der wissenschaftlichen Gesellschaft ist.“ Nobelpreisträger von Klitzing brachte es auf den Punkt: „Ingenieure müssen die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung umsetzen.“

Im Herbst wird die Lindau-Nobelpreisträgertreffen-Kommission darüber beraten, ob und inwieweit die Veranstaltung für andere, nicht Nobelpreis-nominierte Disziplinen nach diesem Versuchsballon mit Veranstaltungs-Partner VDI geöffnet wird. Es könnte also sein, dass bei der nächsten interdisziplinären Tagung wieder Ingenieure mitmachen können.

Und was machen dann die anderen, die in diesem Jahr auf der Insel am Bodensee waren? Wahrscheinlich sind sie alle noch in Deutschland, denn das Bekenntnis zum Standort fiel positiv aus. Alle Teilnehmer sehen ihre Zukunft am liebsten made in Germany. Marlies Richter (22) von der TU Ilmenau ist zuversichtlich, dass sie im Bereich Energietechnik im Mittelstand etwas finden wird. Und auch Tom Tiltmann (35) von der RWTH Aachen, Vater von zwei Kindern, setzt nicht nur wegen familiärer Aspekte auf Deutschland, obwohl er Auslandserfahrung vorweisen und sich auch vorstellen kann, im englischsprachigen Ausland zu arbeiten. Stefan Heinrich (34) von der Otto-von-Guericke-Uni in Magdeburg ist seit 2002 dort Juniorprofessor und würde dort eigentlich auch gern berufen werden, das wäre seine erste Wahl. Doch aufgrund amtlicher Regelungen könnte das schwierig werden. Aber eine Professur in Deutschland soll es sein.

C. HANTROP

 

Von C. Hantrop

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