Forschung 13.07.2007, 19:29 Uhr

Junge Forscher auf den Spuren Alfred Nobels  

Hochtalentierte junge Forscherinnen und Forscher aus über 60 Nationen treffen sechs Tage lang auf die Wissenschaftselite – geadelt im Namen Alfred Nobels.

Als Gräfin Sonja Bernadotte, Präsidenten des Kuratoriums, für die Tagungen der Nobelpreisträgerstiftung wissenschaftliche Elite in der Lindauer Inselhalle am 1. Juli 2007 begrüßte, stand sie zum 20. Mal vor Nachwuchswissenschaftlern und Nobelpreisträgern – dieses Mal aus den Bereichen Medizinwissenschaften und Physiologie.

Für die Gräfin also eine fast normal gewordene Situation. Für die 563 jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt hingegen ein absolutes Novum. Vor ihnen lag eine Woche, deren Ausgang ungewiss schien.

Das gebuchte Paket: Sechs Tage ein Stelldichein von Studierenden, Graduierten, Postgraduierten und Nobelpreisträgern. Das Programm bespickt mit Vorträgen, Diskussionen und gemeinsamen Ausflügen.

Das Ziel: Mit Gleichgesinnten komplett in die Welt der Medizinforschung einzutauchen und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Und natürlich die großen Vorbilder – die Nobelpreisträgerinnen und -träger – einmal live zu erleben.

Dass dieses Treffen unter älteren Semestern als hoher Schatz gehandelt wird, davon wussten die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer nichts.

Edith Lubos zumindest war ahnungslos. Die Medizinerin, die den Weg aus Boston, wo sie gerade an der Harvard Medical School forscht, auf sich genommen hatte, war bei ihrer Ankunft etwas unschlüssig: „Ich wurde von meinem betreuenden Professor gefragt, schrieb daraufhin die Bewerbung in einer Nacht- und Nebelaktion und es hat geklappt.“

Doch bereits während der Eröffnungsveranstaltung wurde ihr klar, dass es alles andere als einfach ist, nach Lindau geladen zu werden. Allein aus China bewarben sich 20 000 junge Forscherinnen und Forscher im Rahmen einer nationalen Auswahl.

Dass die 29-jährige Wissenschaftlerin einen Platz ergattert hatte, verwundert kaum: Nach Medizinstudium und Promotion in Mainz – abgeschlossen mit Summa cum laude und ausgezeichnet mit dem Margarete-Waitz-Promotionspreis 2006 – habilitiert sie derzeit im Rahmen eines Stipendiums der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) an der Harvard Medical School, USA.

Ihre Eltern kannten den Namen „Harvard“ nicht. „Aber sie erzogen mich ein Stück weit so, diesen Namen einmal kennenzulernen“, so ihre Erklärung für ihren Wissenschaftsdurst.

Als Lubos zur Eröffnungsveranstaltung in die Lindauer Inselhalle kam, erwartete sie eine Schar Gleichgesinnter: Noch saßen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die meisten zwischen 20 und 30 Jahre jung, etwas verloren auf ihren Stühlen, den Blick fest nach vorne gerichtet. Die meisten kannten niemanden. Nur ihre Idole, die Nobelpreisträger, und die auch nur vom Hörensagen.

Auf der Bühne wurden die ersten wissenschaftlichen Eminenzen begrüßt. Sie diskutierten über die Medizin- und Lebenswissenschaften und ihren Bezug zu den Geisteswissenschaften, denn „2007 ist ja das Jahr der Geisteswissenschaften“, erklärte die Gräfin. Der freiheitliche Geist, der das Lebenselixier einer jeden Wissenschaft sei, wurde von den Laudatoren gepriesen.

Wer am darauffolgenden Tag in die Inselhalle zurückkehrte, der geriet ins Staunen. Denn die Nachwuchswissenschaftler hatten dem ersten auftretenden Nobelpreisträger gelauscht. Aber damit nicht genug: Als Timothy Hunt, Britischer Zellforscher, das Podium verließ, hingen sie ihm förmlich an den Lippen. Denn Hunt schien der perfekte Lehrmeister: Ein Entertainer der Wissenschaften – mit Ausführungen und Skizzen, denen Otto Normal bereits nach ein paar Sekunden nicht mehr folgen konnte. Lubos hingegen schien in eine Welt eingetaucht zu sein, die immer mehr an Struktur gewann.

Erst am Abend wurde dem Laien wieder etwas wohler in seiner Haut. Das Partnerland Nordrhein-Westfalen lud zum Dinnertalk in die Inselhalle und präsentierte sich als Innovations- und Forschungsstandort.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren wie alle auf der Tagung: Jung, hochbegabt und alle haben bereits heute beachtliches in der medizinischen Forschung geleistet.

Darüber hinaus verband Agnes Flöel, Eva Maria Neuhaus, Tilman E. Schäffer und Alma Zernecke eines: Sie alle forschen in Nordrhein-Westfalen – an der Uni Münster, an der Bochumer Ruhr-Uni, und an der RWTH Aachen. Warum sie das tun?

Darauf hatte Prof. Andreas Pinkwart, Innovationsminister NRW, die Antwort: „Das Land NRW rangiert in Sachen Medizin- und Biotechnologie deutschlandweit ganz vorne.“

So weist NRW einen der größten Pharma- und Chemiestandorte Europas auf. Die Dichte an Forschungsinstituten und Biotech-Unternehmen ist extrem hoch. Zudem betreibt die chemische und pharmazeutische Industrie extensive Forschung.

Auch Flöel, Neuhaus, Schäfer und Zernecke bescheinigen NRW sehr gute Forschungsbedingungen.

Doch eine Frage wurde an dem Abend nicht gestellt. Nämlich die, warum Wissenschaftler in Deutschland so wenig Geld verdienen. Schließlich hinterlässt diese geistige Eminenz ihre Spuren – überall auf der Welt, in dem sie uns mit ihren Forschungen und Kenntnissen Vorsprung schenkt. Der wiederum, wie im Fall der Medizinwissenschaften, verlängert bestenfalls das Leben.

Warum aber tun sie das? Denn sie werden weder reich und meistens auch nicht sonderlich berühmt. Es sei denn, sie werden Nobelpreisträgerinnen und -träger.

Fragt man Edith Lubos nach ihren Beweggründen, überlegt sie nicht eine Minute: „Wissenschaft ist mein Hobby und meine Leidenschaft. Damit reich zu werden, wäre schön, aber wenn nicht, mache ich es trotzdem.“

Was würde wohl ein Manager dazu sagen? Auch wenn er mit noch so viel Leidenschaft seinen Geschäften nachginge, würde er es wohl kaum für ein Jahresgehalt von unter 50 000 € brutto tun.

Ein Lichtblick: Am vergangenen Montag haben Bund und Länder beschlossen, im kommenden Jahr deutlich mehr Geld für Forschung ausgeben. Der Etat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) soll im Jahr 2008 um 3 % steigen.

Damit stehen etwa für die Forschung an den Hochschulen erstmals mehr als 2 Mrd. € zur Verfügung. Der Haushalt der Max-Planck-Institute, die Grundlagenforschung betreiben, steigt ebenfalls um 3 % Prozent auf gut 1 Mrd €.

Dass dieser Schritt mehr als notwendig ist, ist den politischen Akteuren klar: Schließlich haben Sie das Lissabon-Ziel einzuhalten, das ihnen die EU auferlegt hat: Von 2010 an müssen 3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Forschung und Entwicklung (FuE) ausgegeben werden. Ziel: Europa zur forschungsstärksten Region der Welt zu machen. Die Nachricht freut Edith Lubos. Aber ob sie davon profitieren wird, ist fraglich. „In den USA verdiene ich das Fünf- bis Zehnfache und finde beste Forschungsbedingungen vor.“

Und was spricht nun für den Forschungsstandort Deutschland, den die Politik so sehr anpreist? Im Moment nur die Hoffnung, dass etwa das Lissabon-Ziel und die Exzellenz-Initiative Früchte tragen. Immerhin gibt die Bundesregierung im Rahmen der Exzellenz-Initiative bis zum Jahr 2012 insgesamt 1,9 Mrd. € zusätzlich für den Hochschul- und Wissenschaftsstandort Deutschland aus.

„Die Forschungsbedingungen werden sich verbessern“, da ist sich Lubos sicher. „Nur leider braucht man hier viel Geduld.“ Es ist paradox: Lubos forscht mit einem Stipendium der DFG in den USA. Da war sie in Lindau eine unter vielen. Dafür, dass diese Nachwuchswissenschaftler zurückkehren, wird jedoch kaum etwas getan. jul

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