Forschung 17.10.2008, 19:37 Uhr

Intelligente Suche in großen Datenmengen  

VDI nachrichten, Saarbrücken, 17. 10. 08, ber – Herkömmliche Suchmaschinen werfen riesige Ergebnislisten aus. Oft ist es schwer zu erkennen, wo sich die gesuchte Information versteckt und ob sie überhaupt dabei ist. Mit dem System CompleteSearch haben Forscher am Max-Planck-Institut für Informatik die Suche in großen Datenbeständen verbessert. Nun wurde Holger Bast für seine Forschungsarbeit ausgezeichnet.

Google benutzt für die Suche einen vorab aufgebauten Index aus Schlüsselwörtern und ist dadurch sehr schnell. „CompleteSearch“ bietet noch mehr Komfort. Bast und sein Team haben die hinter der Suchtechnologie liegenden Indexe so weiterentwickelt, dass die Suchmaschine buchstabenweise reagiert und die Ergebnisse inhaltlich gruppiert.

Das Besondere an seiner Arbeit: Der Forscher konnte das Verfahren CompleteSearch bis zur Marktreife bringen. Im Einsatz ist es auf der Webseite des Max-Planck-Instituts für Informatik, bei der Jobbörse Absolventa und auf der online verfügbaren bibliographischen Sammlung wissenschaftlicher Publikationen im Bereich Informatik, dem Digital Bibliography & Library Project (DBLP), die 10 Mio. Suchanfragen pro Monat verzeichnen kann.

Ein Beispiel aus der DBLP: Ab dem dritten Buchstaben eines eingegebenen Begriffs sucht CompleteSearch. Bei jedem neuen Buchstaben ändert sich die Ergebnisliste dynamisch. Wer also „Goo“ eingibt, erhält zunächst Literatur, die „Good“ enthält, „goodman“, „gool“ und „goldreich“, gruppiert nach Autoren, Veröffentlichungsorten und Veröffentlichungsjahr. Tippt man noch das „g“, heißt das Suchwort „Goog“, und das System findet 137 Publikationen, die sich mit „Google“ beschäftigen, sieben mit „Googling“, fünf mit „Gongliang“.

Entscheidend für den Benutzer: Die neue Suchtechnologie gruppiert die Ergebnisse und gibt ihm Hilfen bei der Wahl des Suchworts, um besser durch den Datenbestand zu navigieren. Im Unterschied zur klassischen Recherche in Bibliotheksdatenbanken über starre Eingabemasken und feste Schlagworte lassen sich die relevanten Bücher nun komfortabel und schnell finden.

Bast sieht sich als Wissenschaftler und Praktiker zugleich. Der Anteil der Forschungsarbeit ist zwar hoch – so hat sein Team mit komplizierten mathematischen Verfahren erreicht, dass das System garantiert und nachweisbar schnell arbeitet. CompleteSearch ist eine rundum neue Entwicklung. „Wir haben nichts genommen, was es schon gibt, sondern alles neu bis auf die unterste Ebene ausgedacht und programmiert“, sagte Bast.

Aber: „Ich war nicht nur Ideengeber, sondern ich kenne alle Programme, die hinter der Technologie stehen, sehr detailliert“, betonte er. Diese Verbindung von Theorie und Praxis in einer Person sieht er als einen Grund für die guten Ergebnisse. Mathematische Analyse und das tatsächliche System hätten sich ständig gegenseitig beeinflusst.

Die Entwicklung der Algorithmen und Benutzerschnittstellen sowie die Realisierung kompletter Systeme hat die Jury von seinem Werk überzeugt. „Diese Vielfältigkeit im Können und Schaffen von Holger Bast kommt in dieser Ausprägung selten vor und ist einer der Schlüssel zu den tiefgreifenden Verbesserungen“, so Prof. Jürgen Mittelstraß, Vorsitzender des Kuratoriums der Alcatel-Lucent-Stiftung.

Im wissenschaftlichen Kontext aber wird diese Verbindung von Theorie und Praxis nicht immer honoriert. Denn es kann schon einmal vorkommen, dass eine Fehlersuche im System einige Wochen in Anspruch nimmt – Arbeit und Zeit, die beim Erstellen wissenschaftlicher Publikationen fehlt.

Daher freut sich der Preisträger, der derzeit als „Visiting Scientist“ bei Google in Zürich forscht, ganz besonders über die Auszeichnung, da sie seinen Blick über den Tellerrand der reinen Grundlagenforschung anerkennt.

Gänzlich ungewohnt sind Ehrungen für Bast aber nicht. Bereits eine Woche zuvor hatte die Landesbank Saar ihn für sein Projekt „Ultraschnelle Routenplanung via Transitknoten“ mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Das System soll 100 Mal schneller sein als herkömmliche Systeme. Mit einer neuen Methode konnten Bast und ein Kollege die Suche im Straßennetz Westeuropas, das aus 20 Mio. Kreuzungen und Abzweigungen besteht, auf 11 000 Transitknoten reduzieren. B. LANGE

Von B. Lange
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