CeBIT 2009 13.03.2009, 19:40 Uhr

Intel setzt in der Krise auf Forschung  

Intel als weltgrößter Chiphersteller investiert ganz bewusst in der Krise, um gestärkt daraus hervorzugehen. Speziell in Deutschland geht es dabei um Themen wie Internet im Automobil oder RFID. Intels Deutschland-Geschäftsführer Hannes Schwaderer erläuterte am Rande der CeBIT die Strategie, die das Unternehmen hierzulande verfolgt. VDI nachrichten, Hannover , 13. 3. 09, jdb

Schwaderer: Die Straßen zwischen den Messehallen sind sicher etwas leerer als in den Vorjahren. Wir können uns aber nicht beklagen. Dieses Jahr ist die Qualität der Gespräche sehr gut. Es kommen die richtigen Leute aus den Unternehmen. Für uns läuft es sehr gut. Mir gefällt, dass man nicht mehr die Technik so sehr in den Vordergrund stellt, sondern Themen: Energieeffizienz, Green IT, digitale Gesundheit, Bildung – alles große gesellschaftliche Probleme.

Und wie laufen die Geschäfte in Deutschland? Spüren Sie die Krise?

Ich kann derzeit keine konkreten Zahlen nennen. Über die Krise hat man ja schon im vierten Quartal 2008 diskutiert, aber in Deutschland ist das wie ein ganz normales 4. Quartal gelaufen. Die kleinen wie die großen Unternehmen haben weiter investiert, die Konsumenten haben weiter gekauft. Das Privatkundengeschäft ist auch im Januar und im Februar deutlich gewachsen. Besonders im Bereich Notebook, da ging es im Januar sogar zweistellig nach oben gegenüber dem Vorjahr. Beim Privatkunden ist die Krise noch nicht angekommen, wenn es um PC-Anschaffungen geht.

Und im Geschäftskundenbereich?

Wir haben noch keine Zahlen, wie es im Geschäftsumfeld aussieht. Da ist zu erwarten, dass die Krise nicht spurlos an uns vorübergeht. Die Automobilindustrie hat ein erstes Zeichen gesetzt, die Zulieferer hängen da unmittelbar dran. Im Serverbereich hatten wir im Oktober 2008 einen normalen Auftragseingang, im November und Dezember ging es dann steil nach unten. Aber wenn wir einen Chip verkaufen, dann ist der ja erst vier bis acht Wochen später im Markt verbaut. Das, was wir im 4. Quartal gespürt haben, wird dann im 1. Quartal 2009 am Servermarkt ankommen.

Das ist generell regional sehr unterschiedlich: Deutschland hat auf Krisen bisher immer mit etwas Zeitverzögerung reagiert: später rein und später raus. Das war 2000/2001 so und das könnte jetzt wieder so sein. Viele Mittelständler sagen, sie haben volle Auftragsbücher, aber die Frage ist, ob die Kunden das abnehmen. Wenn man aber die Prognosen anschaut, was in der IT die nächsten sechs bis zehn Jahre passiert, dann ist da enormes Wachstumspotenzial. Die Krise wird das mit Sicherheit verzögern, aber sie wird es nicht aufhalten.

Ihr Aufsichtsratsvorsitzender Craig Barrett hat bei der CeBIT-Eröffnung angekündigt, gerade jetzt investieren zu wollen.

Ja, wir werden z. B. 8 Mrd. $ zusätzlich investieren in unseren neuen 32-nm-Fertigungsprozess. Das ist schließlich nicht unsere erste Krise. Wir haben auch in der Vergangenheit gerade dann stärker investiert, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Barrett hat es ja gesagt: Noch keine Krise hat den technischen Fortschritt gebremst. Und wenn man da nicht investiert, um Schritt zu halten, fällt man zurück. Die letzte Krise konnten wir für uns ganz gut nutzen.

Dazu gehört auch das neue Labor, dass Sie am Vortag der CeBIT in München eröffnet haben?

Wir investieren ja nicht nur in Fabriken, sondern auch in neue Lösungen, neue Technologien und da spielt das Labor zwei wichtige Rollen: intern und extern. Es ist ein sogenanntes „OpenLab“. Da geben wir keinen Forschungszweck vor, sondern bringen Leute aus ganz verschiedenen Industrien zusammen, aus Forschung und Lehre. Das zielt auf Lösungen in den Bereichen Automobil, Industrie, RFID, Gesundheitswesen oder Supply-Chain-Management. Das sind die Kernstärken der deutschen Wirtschaft. Wir wollen da möglichst viele an einen Tisch bringen. Die interne Rolle das Labors: Es soll koordinieren, was in unseren 18 Forschungsstandorten in Europa passiert. Hier werden wir uns einen Überblick verschaffen, um aus vielen Dingen ein großes Ganzes zu schaffen.

Also Entwicklungen aus Deutschland und Europa, die dann auch für den US- und Weltmarkt bestimmt sind?

Ja. Wir haben uns hier seit Jahren auf die Stärken des deutschen Marktes fokussiert. Zum Beispiel das Thema In-Car-Infotainment wurde aus Deutschland heraus entwickelt. Es gibt hier eine technologisch sehr fortschrittliche Automobilindustrie. Vor drei Jahren haben wir uns mit denen und deren Zulieferern zusammengesetzt und ein gemeinsames Verständnis entwickelt: Jetzt ist die Zeit und die Technologie reif, dass das Internet ins Auto kommt. Das Potenzial dafür ist aber auch weltweit so groß, dass jetzt auch in den USA eine Gruppe dafür aufgebaut wurde. Aber der Impuls kommt aus Europa.

Gibt es noch weitere Beispiele?

Wir sind hier praktisch als einzige Intel-Organisation weltweit sehr stark im Thema RFID involviert. Da ist sonst auf der ganzen Welt ein bisschen die Luft raus. Große Projekte sind etabliert worden, aber es hat nicht die flächendeckende Welle gegeben, die man sich erhofft hat. Das hängt mit Standardisierung zusammen, aber auch mit dem sehr stark vertikalen Charakter einzelner Lösungen. Deutschland ist hier die Ausnahme: Wir haben hier die größten Projekte und die größten Implementierungen im Logistikumfeld, im Gesundheitswesen oder im Bereich Fälschungssicherheit.

Gemeinsam mit unseren Partnern – Systemintegratoren, Softwareherstellern, Anwendern – wollen wir solche Projekte auf den Markt bringen. Ziel ist dabei, dass wir große horizontale Lösungen über viele Industrien hinweg aufbauen. Es muss übergreifend sein, dann wird es ein Massenmarkt. jdb

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