Forschung 23.11.2007, 19:31 Uhr

Innovationen im Unruhestand  

VDI nachrichten, Bonn, 23. 11. 07, ws – Die meisten Professoren müssen mit 65 Jahren in den Zwangsruhestand. Das macht bei Spitzenforschern wenig Sinn, da Deutschland damit auf enormes Wissenspotenzial verzichte, meinen Vertreter aus Wissenschaft und Politik. Aber wer zahlt die Weiterbeschäftigung?

Noch kurz vor der Verleihung des Nobelpreises am 10. Dezember reaktivieren die Helmholtz-Gemeinschaft und ihr Flaggschiff, das Forschungszentrum Jülich, den seit 2004 pensionierten Physiker Peter Grünberg als ersten „Helmholtz-Professor“.

Drei Jahre lang kann Grünberg jetzt nach eigenen Worten „Ecken aus meinen Arbeitsgebieten ausleuchten, in die sich das Hinschauen immer noch lohnt“. Es geht um Grundlagen für die Miniaturisierung von Computerchips.

Dafür stellt der frühere Arbeitgeber, die Helmholtz-Gemeinschaft, jährlich 250 000 € zur Verfügung, genug für eine Arbeitsgruppe mit zwei Doktoranden, einem fertigen Wissenschaftler, einem Techniker und Arbeitsmöglichkeiten in hochmodernen Labors.

Dabei gibt es nach der Parole des Institute for Advanced Studies in Princeton „no obligations, only opportunities“ oder, wie der Jülicher Vorstandschef Achim Bachem sagt, „alle Freiheit zum Spaß an der Forschung“.

Davon können die meisten Professoren nur träumen. Sie müssen normalerweise mit 65 in den Zwangsruhestand. Eine erste Ausnahme war der Physik-Nobelpreisträger von 2005, Theodor Hänsch. Für ihn schufen im vergangenen Jahr das Land Bayern, die Siemens-Stiftung und die Universität München eine Sonderregelung zur uneingeschränkten Weiterbeschäftigung. Bundesbildungsministerin Annette Schavan plädierte gleichzeitig für eine grundlegende Änderung des Pensionsalters für Spitzenforscher.

Das Vorbild, Innovation durch die Grauen, stammt aus Amerika. Dort gibt es keine Altersgrenze für Professoren. Der deutsche Physiker und bekannte Klimaforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker arbeitet jetzt als Dekan der Bren School of Environmental Science & Management an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara.

„Nach deutschem Recht bin ich einfach zu alt“, wundert sich Weizsäcker. Die Universität Köln schickte 2001 den Genetik-Professor Klaus Rajewsky in Pension. Der 65-Jährige wechselte an die US-Eliteuni Harvard, die für ihn eine eigene Professur schuf. „Das Rajewsky Laboratorium trägt sich längst selbst und liefert erstklassige Forschungsergebnisse“, stellte Jülichs Chef Bachem nach einem Besuch in Boston heraus.

Die Weiterbeschäftigung von Senioren sei eine Stellen- und damit eine Finanzfrage. Sie dürfe nicht zur Blockade für hoch qualifizierte Nachrücker werden, denen sonst nur die Abwanderung ins Ausland bleibt. „Jede einzelne Amtsverlängerung über 65 zum Nachteil der Jüngeren ist eine zu viel“, erklärt Michael Hartmer vom Deutschen Hochschulverband, der Interessenvertretung der Universitätsprofessoren und des wissenschaftlichen Nachwuchses. Vielmehr müssten wie für Hänsch und jetzt Grünberg zusätzliche Mittel bereitgestellt, womöglich von Stiftern eingeworben werden.

Bei der Verleihung der Helmholtz-Professur bat Ministerin Schavan ausdrücklich die Deutsche Forschungsgemeinschaft um eine besondere Seniorenförderung.

Das ist eine Absage an die Seniorenpolitik aus der Trickkiste der Finanzminister in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und den meisten anderen Bundesländern. Sie empfehlen den Hochschulen, den Großteil der Professoren bis 68 im Amt zu lassen, weil das Geld spart: Solange der pensionsreife Dozent noch im Dienst bleibt, braucht das Land dem Beamten kein Ruhegehalt zu zahlen, im Durchschnitt rund 5000 € pro Person und Monat.

Dementsprechend gilt diese 68er Regelung nur für Beamte, aber nicht für angestellte Professoren, die in die Rente einbezahlt haben. Methusalem-Politik ist der Totenschein für den wissenschaftlichen Wettbewerb, Spitzenforscher aber verdienen Förderung – über zusätzliche Gelder. H. HORSTKOTTE

Von H. Horstkotte

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