Prognosen 22.01.2010, 19:44 Uhr

Innovationen im Blindflug finden  

Welche Innovationen werden das kommende Jahrzehnt bestimmen? Forschungschefs von IT-Unternehmen und Experten aus Chemie, Biotechnologie, Materialforschung und Telekommunikation zeigten vergangenen Dienstag auf dem 3. Innovationsgipfel in München Trends auf. Dabei kommt Neues nicht nur aus den Labors, auch Konsumenten sind Ideengeber. VDI nachrichten, München, 22. 1. 10, jdb

Ob Waschen mit sehr viel weniger Wasser, Ballaststoffe zum Trinken, lebende Zellen, die über Nacht in Großküchen den Schmutz wegfressen und morgens eine saubere Umgebung hinterlassen, oder Rechenzentren, die auf Satelliten ihre Dienste tun: All dies und noch viel mehr wird uns in der nächsten Dekade an Innovationen erwarten. Davon zumindest gehen die Experten aus, die vergangenen Dienstag auf dem 3. Innovationsgipfel in München ein wahres Innovationsfeuerwerk zündeten.

„Nachhaltigkeit ist der Treiber für Innovationen der nächsten Dekade“, steht für Christian-André Weinberger fest. Der Manager, der weltweit die Strategie der Wasch- und Reinigungsmittel bei Henkel verantwortet, ruft Nachhaltigkeit als neuen Qualitätsstandard aus, „ohne den man in den kommenden Jahren kein neues Produkt mehr auf den Markt bringen kann“. Waschen bei 20 °C und weniger sei deswegen die Devise der nächsten Dekade, kombiniert mit Innovationen aus den Henkel-Forschungslabors.

Und diese Innovationen sind meist unsichtbar. „Es sind Bakterien oder Pilze, die wir als winzige Zellfabriken konstruieren, vermehren und im industriellen Kontext als Enzymlieferanten nutzen“, sagte Karl-Heinz Maurer, Leiter der Abteilung Biotechnologie in der globalen Forschung bei Henkel. Durch solche sogenannte „weiße Biotechnologie“ ließen sich Basis-Chemikalien mit neuen und effektiven Eigenschaften entwickeln, z. B. Enzyme, die bei noch niedrigeren Temperaturen Schmutz entfernen, damit auch Waschzeiten verkürzen und Energie einsparen.

Das Beratungsunternehmen McKinsey geht davon aus, dass ein Drittel des Chemieumsatzes bis zum Jahr 2020 mit weißer Biotechnologie gemacht wird. Henkel-Manager Maurer beurteilt die Entwicklung vorsichtiger.

Auch die Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) setzt auf Nachhaltigkeit als Treiber von Innovation. „Wir verursachen weltweit nur 2 % der CO2-Emissionen“, sagte Joseph Reger, Chief Technology Officer von Fujitsu Technology Solutions, stellvertretend für eine ganze Industrie. Doch das Potenzial, das IT anderen Industrien biete, um Energie einzusparen, sei enorm. Intelligente Stromzähler oder die Steuerung von Gebäuden auf Basis von IT nannte Reger als Beispiele und gab folgende Formel aus: „Verbrauchen wir dabei 1 KWh, können andere 5 KWh einsparen.“

Dass Innovation unter dem globalen Wettbewerbsdruck mehr denn je entscheidend für den Unternehmenserfolg ist, darin waren sich alle Experten einig. Nur wie sie entsteht, darüber gingen die Meinungen weit auseinander.

„Für bahnbrechende Innovationen müssen wir uns Blindflüge leisten können“, sagte Fujitsu-CTO Reger. Dies sei jedoch „während der derzeitigen Krise sehr schwer“. Positiv beurteilt Reger die Tendenz, hauseigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen zu öffnen und über das Internet neue Ideengeber zu finden – und damit auch branchenfremde Experten auf bestimmte Forschungsprobleme anzusetzen.

„Die Quellen für Innovation werden durch das Internet sehr viel einfacher erreichbar“, ist Reger überzeugt. Dies ist auch das Credo von Henkel-Manager Weinberger. „Bevor ich einen Auftrag an die Forschungsabteilung gebe, höre ich den Endverbrauchern sehr gut zu und werte z. B. Blogs aus.“

Den umgekehrten Weg geht das britische Unternehmen Dyson. „Bei neuen Produkten brechen unsere Ingenieure systematisch bisher übliche Konstruktions- und Funktionsprinzipien“, skizzierte Andreas Finke dessen Innovationskultur. Staubsauger ohne Beutel oder Händetrockner, die ohne Hitze funktionieren, entstehen über langjährige Entwicklungsarbeit und Prototypen. „Erst danach robben wir uns langsam wieder an die Bedürfnisse der Kunden heran“, erläuterte Finke. NIKOLA WOHLLAIB

www.innovation-network.net

Von Nikola Wohllaib

Stellenangebote im Bereich Forschung & Entwicklung

Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Entwicklungsingenieur Leistungselektronik und elektrische Motoren (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Entwicklungsingenieur / Innovation & Development Engineer (m/w/d) Bad Hersfeld
B. Braun Avitum AG-Firmenlogo
B. Braun Avitum AG Entwicklungsingenieur Elektrotechnik (m/w/d) Melsungen
XENIOS AG-Firmenlogo
XENIOS AG Projektleiter R&D (m/w/d) im Bereich Neuproduktentwicklung Heilbronn
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Werkstoffwissenschaftler (m/w/d) Für den Bereich Technologie und Innovation Raum Pforzheim
Murrelektronik GmbH-Firmenlogo
Murrelektronik GmbH Senior Konstrukteur (m/w/d) Oppenweiler
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Entwickler für Leistungselektroniken (m/w/d) Dortmund
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Systemingenieur / Designer Elektromobilität (m/w/d) Dortmund
KOSTAL-Firmenlogo
KOSTAL Testingenieur für Elektromobilität (m/w/d) Dortmund
Carl Zeiss AG-Firmenlogo
Carl Zeiss AG Leiter der Gruppe Mechanical Design (m/w/x)

Alle Forschung & Entwicklung Jobs

Top 5 Forschung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.