Forschung 04.03.2005, 18:37 Uhr

In den USA wachsen die Sorgen um die Zukunft  

Die Forschungsausgaben sinken, gut ausgebildete Fachkräfte fehlen, die Zahl der Hochschulabsolventen schrumpft. Die Angstgegner heißen China und Indien.

Als die Amerikaner im August 2004 bei den Olympischen Spielen von Puerto Rico und Argentinien im Basketball geschlagen wurden, war das für viele Amerikaner eine unbegreifliche Demütigung: In einer Sportart, die sie jahrzehntelang dominiert hatten, lagen sie am Boden.

Auf eine ähnliche Erfahrung müssen sich die Amerikaner wohl in Sachen technologische Wettbewerbsfähigkeit einrichten, so ein im Februar erschienener Report der American Electronics Association (AeA) unter dem Titel „Losing the Competitive Advantage?“

Auf ihre Fähigkeit, immer neue und leistungsfähigere Technologien zu entwickeln, stützen die USA ihre Rolle als führende Wirtschaftsmacht. Doch die Fähigkeit bröckelt dramatisch, so die Daten der Untersuchung.

Die Diskussion um die Zukunftsfähigkeit der USA ähnelt der Diskussion in Deutschland und Europa. So wird auch die Bedrohung der technologischen Leistungsfähigkeit an ähnlichen Entwicklungen festgemacht: dem relativen Verfall der öffentlichen Forschungsförderung, der mangelhaften Qualifizierung des Nachwuchses schon in den Schulen, dem Desinteresse für Technik-Studiengänge und schließlich dem Rückgang ausländischer Absolventen und Wissenschaftler an US-Hochschulen.

Gestützt wird die AeA-Studie durch einen Report unter dem Titel „Is the US losing its competitive edge?“ der US-Task Force on the Future of American Innovation.

Und während die USA schwächeln, bauen Länder wie China, Südkorea, Indien und Russland ihren Technologie-Sektor aus und gewinnen damit an Wettbewerbsfähigkeit.

„Die USA sind der sprichwörtliche Frosch in einem Topf voll Wasser, der nicht merkt, wie die Wassertemperatur langsam steigt“, konstatiert die AeA-Studie.

So rangiert die größte Weltmacht nur an sechster Stelle, vergleicht man die Zahl der Ingenieurabsolventen (bachelor-degrees) weltweit. Süd-Korea, mit nur einem Sechstel der US-Bevölkerung , hat fast so viele Ingenieur-Absolventen wie die USA.

Zudem steigt in anderen Ländern die Zahl der Promotionen in den Ingenieur- und ingenieurnahen Fachbereichen schneller als in den USA.

Ein wichtiges Alarmsignal sehen die Autoren des AeA-Berichts in der Tatsache, dass die Forschungsförderung durch die US-Bundesregierung zunehmend an Gewicht verliert. Wegweisende Durchbrüche der vergangenen Jahre wie das Internet, GPS, verschiedene Entwicklungen in der Nanotechnologie oder die Bar Codes gingen auf Förderung durch die Bundesregierung zurück – entweder über die National Science Foundation oder die Defence Advanced Research Projects Agency. Jetzt geht diese Förderung zurück.

Zugleich verlagerte sich der Schwerpunkt der Bundes-Förderung von den technologienahen Sektoren hin zu den Lebenswissenschaften: 1981 gingen 48 % der Förderung an den Technologiesektor, 36 % in die Lebenswissenschaften. 2003 lag der Technologiesektor bei nur noch 32 %, die Lebenswissenschaften aber bei 54 %.

Außerdem reduzierte auch die Industrie ihre Ausgaben für Forschung von 172 Mrd. Dollar (2000) auf 163 Mrd. Dollar (2002).

An diesen Trends wird sich wohl auch künftig kaum etwas ändern: Die Förderung der zivilen Forschung durch die Bundesregierung soll, so der Haushaltsentwurf von Präsident George W. Bush für das Jahr 2006, weiter sinken.

Doch das ist nur ein Indiz für den langsamen Verfall der Technologiemacht USA. Der AeA-Report beklagt bei der Ausbildung eine ähnlich desolate Lage wie die Pisa-Studie für Deutschland: Mangelhafte Leistungen bei den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Als Folge dessen fehlt den USA der wissenschaftliche Nachwuchs aus den eigenen Reihen.

Erschwerend kommt hinzu, dass in den USA die Kosten für die Ausbildung schneller wachsen als das durchschnittliche Familieneinkommen.

Bisher waren die USA immer in der Lage, dieses Problem durch ihre hohe Attraktivität für Studenten und Wissenschaftler aus Drittländern zu kompensieren. So gingen 2002 noch 47 % aller Master-Abschlüsse und 56 % aller Promotionen in den Ingenieurwissenschaften an Ausländer. In anderen Fächern war es ähnlich.

Doch dieser Zufluss wurde nach dem 11. September stark gebremst, die Zahl der Abschlüsse durch Ausländer in den Ingenieurwissenschaften ging zwischen 2003 und 2004 um 36 % zurück. Und die Zahl der Visa-Bewilligungen für Fachkräfte fiel 2001 bis 2004 um 27 %.

Gleichzeitig, notiert der Bericht der AeA mit Sorge, erleichterte Japan ausländischen Fachkräften den Zuzug.

Doch die Zahl der aus dem Ausland stammenden Wissenschaftler und Studenten in den USA geht nicht erst seit dem 11. September zurück. Schon zwischen 1994 und 1998 fiel die Zahl der Chinesen, Taiwanesen und Süd-Koreaner, die in den USA promovierten, um 19 %, so die Angaben des Task-Force-Berichts.

Die Angstgegner der USA sind vor allem China und Indien, aber auch Süd-Korea, noch immer Europa und zunehmend auch Russland.

Was der AeA-Bericht besonders hervorhebt, ist die Tatsache, dass Unternehmer in Ländern wie Indien und China wesentlich deutlicher als in den USA Innovationen als Unternehmensziel formulieren: In China waren das gut 54 % aller Unternehmen, in den USA nur 26 %.

Ein Indiz für mangelhafte Innovationsbereitschaft, so der Bericht der AeA, ist auch das schwache Bild, das die USA bei der Nutzung innovativer Infrastrukturen wie Breitband und Handys abgeben.

In Süd-Korea etwa haben über 21 von 100 Menschen einen Breitband-Zugang, in den USA statistisch gesehen nur 6,9. Zudem ist das Breitband in Süd-Korea mit 20 Mbit/s deutlich leistungsfähiger als das amerikanische mit seinen 1,5 Mbit/s. W. MOCK

Von W. Mock

Stellenangebote im Bereich Forschung & Entwicklung

Dörken GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Dörken GmbH & Co. KG Produktentwickler Innovationen (m/w/d) Herdecke
PerkinElmer Cellular Technologies Germany GmbH-Firmenlogo
PerkinElmer Cellular Technologies Germany GmbH Sr. Electronics Design Engineer (m/w/d) Hamburg
pmdtechnologies ag-Firmenlogo
pmdtechnologies ag Machine Learning/Deep Learning Engineer (m/w/d) R&D Siegen
Diehl Defence GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Diehl Defence GmbH & Co. KG Trainee (m/w/d) für das Technische Traineeprogramm Entwicklung | Produktion | Produktmanagement deutschlandweit
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG-Firmenlogo
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Elektrotechnik / Mechatronik Norderstedt
h.a.l.m. elektronik gmbh-Firmenlogo
h.a.l.m. elektronik gmbh Senior Entwicklungsingenieur (m/w/d) in der Elektronikentwicklung Frankfurt / Main
VDI Technologiezentrum-Firmenlogo
VDI Technologiezentrum Betriebswirt / Verwaltungswirt (w/m/d) für die Forschungsförderung Düsseldorf
Layher-Firmenlogo
Layher Entwicklungsingenieur (m/w/d) Güglingen
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Leiter Entwicklung Großwärmepumpen (m/w/d) Dresden, Allendorf (Eder)
PASS GmbH & Co. KG-Firmenlogo
PASS GmbH & Co. KG Verfahrensingenieur (m/w/d) in der Produktentwicklung Schwelm

Alle Forschung & Entwicklung Jobs

Top 5 Forschung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.