Forschung 03.03.2006, 18:43 Uhr

In Deutschland wächst das Gefälle zwischen den Bundesländern  

Die Zahlen sagen viel aus über Deutschland, das Beharrungsvermögen alter Strukturen und die Hilflosigkeit der Politik.

Durch Deutschland geht ein Riss. Und nicht nur einer, sondern mehrere.

Da ist zum einen der, der den Norden vom Süden trennt: Welche Umfragen man auch immer heranzieht – seien es die verschiedenen Pisa-Untersuchungen oder die jüngste Exzellenzinitiative, die die leistungsfähigsten Hochschulen in Deutschland ermittelte – immer kommt der Süden der Republik besser davon als der Norden.

Das gleiche Bild zeigen auch die statistischen Erhebungen des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft, der jährlich aktuelle Zahlen zu Forschung und Entwicklung (FuE) in der deutschen Wirtschaft publiziert.

In keinem Bundesland beschäftigt die Industrie demnach mehr FuE-Personal als in Baden-Württemberg. Nimmt man Bayern noch dazu, ist in beiden Bundesländern gut die Hälfte aller deutschen Industrie-Forscher beschäftigt.

Insgesamt gab es im Jahr 2003 (dem letzten Jahr mit komplett erhobenen Daten) 298 073 Forscher und Entwickler in den Wirtschaftsunternehmen dieser Republik, gerechnet in Vollzeit-äquivalenten. Allein in Baden-Württemberg arbeiten 76 456 von ihnen, in Bayern noch einmal 73 360.

Die Innovationskraft von Baden-Württemberg zeigt sich auch an einem anderen Phänomen: Während die Zahl der in FuE-Beschäftigten in den Jahren 2001 und 2003 in ganz Deutschland um gut 3 % zurückging, ist sie im „Ländle“ noch einmal um 6,4 % gestiegen.

Das beweist auch, dass alte Strukturen stärker wirken als kurzfristige Politik: Über Jahre schon versuchen Politiker aller Couleur, Nordrhein-Westfalen zu einem einflussreichen FuE-Land aufzubauen. Seit den 60er-Jahren ist dort eine der dichtesten Hochschullandschaften entstanden und die Landesregierungen haben viel Geld ausgegeben, um junge, innovative Unternehmen anzusiedeln.

Die Zahlen zeigen jedoch, wie wenig die Politik gegen verfestigte Strukturen ausrichten kann: In Nordrhein-Westfalen, so jüngste Erhebungen des RWI in Essen, sind die Forschungsausgaben weit unterdurchschnittlich gewachsen, preisbereinigt sind sie sogar gefallen. Der RWI-Bericht bescheinigt dem Land sogar eine „relative Forschungsabstinenz“.

So ist mittlerweile aus der Forschungslandschaft NRW der Dampf raus: Das Land wendete 2003 nur noch 1,8 % seines Bruttoinlandsproduktes (BIP) für FuE auf, Baden-Württemberg dagegen gut 4 % und Bayern gut 3 %.

Ähnlich dramatisch wie der Riss zwischen Nord und Süd ist der zwischen Ost und West. Obwohl seit der Wiedervereinigung 1989 Milliarden-Transfers auch in den Aufbau der Forschungsinfrastruktur in den neuen Ländern flossen, vertieft sich auch die Kluft zwischen dem Osten und dem Westen der Republik immer stärker.

Im Jahr 1997 lag der Anteil des industriellen FuE-Personals in den neuen Bundesländern noch bei 12,5 % des gesamten industriellen FuE-Personals der Republik. Im Jahr 2004 war dieser Anteil auf 10,2 % geschrumpft – der Osten verliert zunehmend an Gewicht.

Insofern müsste sich die Politik eigentlich fragen, welchen Sinn es macht, weiter gezielt Mittel in den Ausbau der Forschungsinfrastruktur in den neuen Ländern zu stecken.

Doch die wissenschaftsstatistischen Untersuchungen des Stifterverbandes – aber auch vieler Wirtschaftsforschungsreinrichtungen und des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung – zeigen noch eine ganze Menge mehr.

Sie zerstören insbesondere lieb gewordene Ansichten, die von der Politik mit großer Leidenschaft am Leben gehalten werden.

Ein Beispiel ist die Rolle des Mittelstandes im Innovationsprozess. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) werden gebetsmühlenartig von der Politik als „Rückrat der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands“ bezeichnet. Auch die neue Bundesregierung sieht in den KMU einen „Motor für Wachstum, Beschäftigung und Innovation“.

Zumindest beim Thema Innovation lohnt es sich, genauer hinzuschauen. So ist unbestreitbar, dass von den 46,3 Mrd. €, die die deutsche Wirtschaft im Jahr 2004 für Forschung aufwendete, der überwiegende Teil von großen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern kam. Das ist – trotz aller anders lautender Rhetorik und vieler staatlicher Förderprogramme für KMU – seit Jahren der Fall. Und der Trend verstärkt sich sogar noch.

So kamen im Jahr 2001 gut 87,3 % der gesamten FuE-Aufwendungen der deutschen Wirtschaft von großen Unternehmen. Immerhin noch 12,7 % kamen von KMU. Im Jahr 2004 war der Anteil der KMU bereits auf 11,1 % geschrumpft, der der großen Unternehmen auf 88,9 % angeschwollen.

Von „Rückrat der technologischen Entwicklung“ kann also bei den KMU keine Rede sein.

Auch die Gleichberechtigung nimmt in den Forschungslabors der Republik nicht unbedingt zu. Die letzten belastbaren Zahlen des Stifterverbandes stammen aus dem Jahr 2003. Demnach waren 18,5 % des FuE-Personals weiblich. Wenig Grund zur Freude: 2001 waren es immerhin noch 19 %.

Die Wissenschaftsstatistik sagt also nicht nur viel über Wissenschaft aus, sondern auch eine Menge über unser Land. W. MOCK

Die Forschung in Ostdeutschland verliert an Gewicht

Von W. Mock

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