Erfindungen 13.11.2009, 18:30 Uhr

Ideen für ein besseres Leben  

Auf der Erfindermesse iENA wurden vergangene Woche Hunderte Inventionen aus High- und Lowtech präsentiert. Die Spanne reichte vom automatischen Duschgel-Erwärmer über eine Geisterfahrerfalle bis hin zur ultraschallbasierten Zerstörungssensorik für Glasbauten. VDI nachrichten, Nürnberg, 13. 11. 09, sta

„Im Privatleben bin ich Warmduscher“, räumt Unfallchirurg Dr. Stefan Döbele unumwunden ein. „Morgens bin ich besonders empfindlich. Dann muss selbst das Duschgel angenehm temperiert sein.“ Als Folge dieser Kältephobie hat der 34-jährige Münchener jetzt den ersten, vollautomatischen Duschgel-Erwärmer entwickelt. Ausgestellt wurde der Prototyp vergangene Woche auf der Erfindermesse iENA in Nürnberg.

Der Duschgel-Spender, der ein wenig an einen Kaffeefilter mit Deckel erinnert, wird ganz einfach zwischen Badarmatur und Brauseschlauch geschraubt. Das Duschwasser fließt so als erstes durch das hohlwandige Gefäß. Dessen wärmeleitfähiges Material bringt den Inhalt auf wohlige Temperaturen.

„Was die Vermarktung angeht, schweben mir zwei Varianten vor“, so der Erfinder. „Man könnte eine Basisversion – hergestellt aus günstigen Materialen – den Herstellern von Duschgels anbieten. Die könnten den Spender dann zusammen mit ihren Produkten verkaufen. Alternativ ist auch eine Edelausführung denkbar, etwa aus vergoldetem Material. Abnehmer könnten dann Spitzenhotels sein.“

Alles andere als ein Warmduscher ist der Österreicher Stefan Allerstorfer. Der kernige Ingenieur hat die „Geisterfahrerfalle“ entwickelt. Sie soll Fahrzeuge aufhalten, die auf der falschen Spur unterwegs sind. Um die Netzkonstruktion zu testen, schlüpfte der 77-Jährige bereits mehrfach persönlich in die Rolle des Testfahrers. Mit bis zu 50 km/h bretterte er dabei in die Maschen. „Mir ist bisher nie etwas passiert. Auch am Auto entstand bisher kein Schaden“, versichert er.

Die Geisterfahrerfalle besteht im Wesentlichen aus einem 3,5 m breiten und 5 m langen Spezialgewebe. Es wird aufgewickelt und mit Gummiseilen an einer Schilderbrücke montiert. 50 m davor sind drei Induktionsschleifen in die Fahrbahn integriert. „Wenn jemand die Sensoren in falscher Richtung überfährt, fällt das Netz innerhalb von 1 s auf den Boden“, so der Erfinder. „Die Unterkante besteht aus einem flexiblen, keilförmigen Stab, der sich hinter den Vorderrädern verfängt.“

Der österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) sponsort die Entwicklung. Er stellte beispielsweise das Testauto zur Verfügung. Kosten soll das fertige System einmal rund 30 000 €. „Vielleicht geht es aber auch noch preiswerter“, so Allerstorfer. „Ein Kostentreiber ist aktuell noch das Fundament der Schilderbrücke. Daran arbeiten wir aber gerade.“

Mit Maschen in viel kleineren Dimensionen setzte sich Siegmund Hummel auseinander. Der ehemalige Geschäftsführer einer Firma für medizinische Hilfsmittel und Medizintechnik hat „Socks-on“ entwickelt, die erste automatische An- und Auszieh-Hilfe für Kompressions- und Stützstrümpfe. „Das Gerät erleichtert natürlich auch das Hineinschlüpfen in ganz normale Socken“, so der 61-Jährige. „Zielgruppe sind Menschen, die sich auf Grund ihres Alters oder als Folge eines Unfalls kaum noch bücken können.“

Zum Anziehen wird die Fußbekleidung mit der Spitze nach vorne in das Gerät eingespannt. Dann wird der Stoff an den seitlichen Haltebacken aufgerafft, bis das Fersengestrick am oberen Rand sichtbar wird. „Beim Prototypen müssen die Haltebacken nun mit dem beigelegten Akkuschrauber geöffnet werden“, so Hummel. „Diese Funktion soll später ein integrierter, ferngesteuerter Motor übernehmen.“ Abschließend kann der Nutzer nun mit seinem Fuß in den geöffneten Strumpf hineinsteigen.

„Das Ausziehen funktioniert in umgekehrter Reihenfolge“, so der Erfinder. Um den oberen Sockenrand im ersten Schritt an den Haltebacken zu fixieren, kommen dabei zusätzlich zwei Haltestangen zum Einsatz. „Kosten wird das Gerät einmal rund 100 €“, so Hummel. „Vermarktet werden soll es über Sanitätshäuser.“

Deutlich teurer ist die ebenfalls auf der Erfindermesse ausgestellte „Glassensorik zur Überwachung großer Fassadenbauteile“. Das System schlägt Alarm, sobald irgendwo in großflächigen Glaskonstruktionen feine Risse auftauchen. Entwickelt wurde es von vier Projektpartnern: dem Institut für Fertigteiltechnik und Fertigbau Weimar, dem Fraunhofer Institut für Silicatforschung, der Tilse Formglas GmbH und der KT-Systems GmbH.

„Basis der Erfindung sind Ultraschall-Piezokeramiken, die in Verbundsicherheitsgläser eingebracht werden“, erklärt Joachim Kreß vom IT- und Softwarehaus KT Systems. „Pro Scheibe sind – je nach Größe – mindestens zwei solcher Sensoren notwendig. Alle Sensoren eines Bauwerks sind in einem Bussystem in Reihe gesteckt. Die von ihnen gesammelten Daten fließen in eine Auswerteeinheit. Diese ist an handelsübliche Computer anschließbar. Unsere Software zeigt dann genau an, wo sich gegebenenfalls Risse gebildet haben.“

Die Sensoren spüren aber nicht nur Zerstörungen auf. „Sie nehmen auf Wunsch auch Temperatur und Helligkeit wahr“, so Kreß. „Sie können also genutzt werden, um die Heizung zu regulieren oder Jalousien zu steuern.“ Pro Funktion und Scheibe werden zwei Senderkanäle benötigt. Jeder Kanal kostet 10 €. Die Auswerteeinheit schlägt noch einmal mit 150 € zu Buche. „Der Preis für die kundenindividuell eingerichtete Software ist noch offen“, so Kreß.

Dass man auch mit kleineren Erfindungen über die Runden kommen kann, beweist Bruno Gruber. „Seit 33 Jahren lebe ich von meinen Ideen“, unterstreicht der 68-Jährige. Er hat über 400 Patente angemeldet, rund 150 wurden bereits erteilt. Sein Messestand quillt dementsprechend über von Geistesblitzen. Besonders gut in die Zeit (der Schweinegrippe) passt seine „antibakterielle Türklinke“. Auf ihrer Oberflächen bleiben keine Krankheitsüberträger haften. Und die Hände der Benutzer werden ebenfalls gereinigt.

„Die Erfindung besteht aus einer doppelwandigen, perforierten Hülse“, erklärt der Olchinger. „Im Inneren befindet sich saugfähiges Material. Dies wird getränkt mit einem speziellen Wirkstoff.“ Nachgefüllt werden müsse nur alle paar Wochen.

Als Kunden peilt der eifrige Erfinder zunächst Krankenhäuser an. „Es gibt Berichte, nach denen jeder zweite Ansteckungsfall in Kliniken über die Türklinke passiert. Das will ich ändern.“

Zu Grubers Erfindungen zählen außerdem lutschbare Zigaretten. Sie bestehen aus einem getrockneten und hochporösen Kefirpilz, der in einem Nikotinsud getränkt wird. Außerdem im Fundus des Bayern: ein Nordic-Walking-Muskeltrainer (aus zwei Fahrradluftpumpen), ein Ein-Ei-Eierkocher (auf Lötkolbenbasis) sowie die „Knarre mit Schnellgang“ (Foto). „Der Schnellgang kommt dann zum Einsatz, wenn die Mutter noch völlig lose ist und die Ratsche nicht greift. Dann kann mit dem Daumen schnell bis zum ersten Widerstand angedreht werden“, so Gruber.

Klein aber oho – in diese Rubrik fällt auch die Idee von Laurence Cairns aus Ballygawley, Nordirland. Der selbstständige Feinmechaniker hat den „Cairns-Dorlifta“ entwickelt. Wer schon mal eine massive Zimmertür aus den Angeln gehoben hat und wieder einsetzen musste, wird das Gerät zu schätzen wissen. Es sieht aus wie ein Mini-Gabelstapler ohne Räder. Bedient wird die simple Hebekonstruktion mit dem Fuß. „Ich lasse gerade die erste Charge in Indien herstellen“, erklärt der Erfinder. „Die ersten Exemplare werden dann bald für rund 20 € zu kaufen sein.“

Eher wenig Aussicht auf Vermarktungserfolg hat der Motorradhelm von Chan-Yun Yang, Professor am Technologie- und Wissenschaftsinstitut Nord-Taiwan. Die Erfindung reagiert mit Brems- und Blinkleuchten auf die Kopfbewegungen des Fahrers. Bewegungssensoren machen es möglich. Doof nur, dass der Helm einer Lichtorgel gleicht, sobald der Fahrer über unebene Straßen fährt…

Echt abgefahren ist auch die Idee von Wang Chih-Ke aus Taiwan. Sein „Amphibious Bicycle“ ermöglicht Fahrten zu Land und zu Wasser. „Sobald bei uns die Straßen mal wieder überflutet sind, klappe ich einfach die Schwimmkörper aus und radle weiter. Für Vortrieb sorgen dann die Schaufel-Speichen im Hinterrad“, so der junge Wissenschaftler von der Yuanpei Universität. Versunken sei er mit dem Prototypen noch nie. „Nur an der Maximalgeschwindigkeit muss ich noch arbeiten“, räumt er ein. „Die großflächigen Polyurethan-Flügel machen das Vorwärtskommen nicht eben leicht. Letztlich ist das aber alles eine Frage der Ausdauer.“ S. ASCHE

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