Forschung 30.11.2001, 17:32 Uhr

„Ich will nur kranken Menschen helfen“

Die Nachricht vom „gelungenen“ Klonen menschlicher Embryonen in den USA stößt international auf scharfe Kritik. Die Wissenschaftler der Firma Advanced Cell Technology (ACT) betonen indes, sie wollten mit ihren Experimenten keine geklonten Menschen erschaffen

Vielmehr sollen embryonale Stammzellen gewonnen werden, von denen sich die Mediziner große Fortschritte bei der Heilung zahlreicher Krankheiten wie Diabetes, Aids, Alzheimer oder Parkinson versprechen.

„Ich will nur kranken Menschen helfen“, versichert ACT-Präsident Michael West, „wir sprechen nicht davon, ein menschliches Wesen zu erschaffen, sondern Leben auf Zellebene.“ Ziel sei es, aus den Embryonen Stammzellen zu gewinnen, die noch wandlungsfähig sind und kranke Zellen im menschlichen Körper ersetzen können. Solche Stammzellen hatte die Firma allerdings nicht isoliert. Die geklonten Embryonen waren zu Klumpen aus wenigen Zellen herangewachsen.

Es gibt kaum ein Land der Welt, das das Klonen von Menschen noch nicht verboten hat oder nicht entsprechende Gesetze vorbereitet. Auch in den USA haben die Abgeordneten im Kongress bereits mit deutlicher Mehrheit gegen das Klonen von Menschen gestimmt. Das für ein Verbot ebenfalls nötige Votum des Senats war jedoch durch die Terrorangriffe vom 11. September und den nachfolgenden Bedarf an Gesetzesentwürfen zur inneren Sicherheit aufgeschoben worden.

Die Forscher von Advanced Cell Technology haben daher mit ihrem Experiment nicht gegen geltendes US-Recht verstoßen. In Deutschland hingegen ist das Klonen mit menschlichen Zellen ausdrücklich untersagt.

dpa/ap/rtr/ber

contra: Edelgard Bulmahn

Doppelmoral
in den USA

VDI nachrichten, Berlin, 30. 11. 01 –

Diese Versuche sind verantwortungslos! In Deutschland sind therapeutisches und reproduktives Klonen verboten und das soll auch so bleiben. Die Bundesregierung setzt sich für
eine internationale Ächtung des Klonens von Menschen ein. Ich kritisiere hier die Haltung der USA, wo für private und öffentlich finanzierte Forschung unterschiedliche Regeln gelten. Dies ist eine Doppelmoral, die es bei uns nicht geben darf.

Edelgard Bulmahn, Bundesforschungsministerin

contra: Wolfgang Clement

Entscheidung überfällig

Die Forschung an menschlichen Stammzellen und das Klonen von Embryonen sind zwei völlig verschiedene Dinge. Klonen hat keinerlei medizinischen Nutzen, die Forschung an Stammzellen dagegen eröffnet die Chance, bislang unheilbare Krankheiten zu bekämpfen. Hier dürfen deutsche Wissenschaftler den Anschluss nicht verlieren. Das Klonen hingegen liegt jenseits der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der ethischen Gebote, die wir einhalten sollten.

Mir geht es darum, die Tür jetzt einen Spalt breit für die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu öffnen, um mit Hilfe der Wissenschaft feststellen zu können, ob wir uns tatsächlich auf die Forschung mit adulten Stammzellen konzentrieren können. Die Chance des Heilens schwerer Krank­heiten dürfen wir nicht verspielen.

Wolfgang Clement, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

contra: Jörg-Dietrich Hoppe

Der Albtraum ist nun Wirklichkeit

Die Klon-Experimente sind unethisch und offenbaren eine erschreckende Geringschätzung menschlichen Lebens. Es bleibt zu hoffen, dass der amerikanische Gesetzgeber diesen Menschenversuchen privater Firmen ein Ende setzt und ein weit reichendes Klonverbot erlässt.

Der erste geklonte menschliche Embryo ist beileibe kein Meilenstein, wie die amerikanischen Forscher glauben machen wollen, sondern ein Albtraum, der nun leider Wirklichkeit geworden ist.

Jetzt zeigt sich, welchen Wert unser Embryonenschutzgesetz hat. Es betrachtet die befruchtete, entwicklungsfähige Eizelle als schützenswertes menschliches Leben, das nicht zur Disposition gestellt werden darf. Diesen Grundgedanken des Embryonenschutzgesetzes gilt es aufrechtzuerhalten.

Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer

contra: Peter Liese

Ethische Grenzen wahren

In den USA hat das Repräsentantenhaus mit großer Mehrheit ein Verbot jeglicher Form des Klonens von menschlichen Embryonen beschlossen. Vor der Abstimmung im Senat wäre ein positives Signal aus Europa sehr wichtig. Wir dürfen uns nicht im Niederreißen von ethisch motivierten Grenzen gegenseitig übertreffen wollen, sondern müssen die Forschung unterstützen, die mit der Menschenwürde vereinbar ist.

Dr. Peter Liese, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Bioethik der Fraktion (EVP/ED) im Europäischen Parlament

contra: André Rosenthal

Schwer behindert und dem Tod
geweiht

Wenn ein geklonter Embryo in den Mutterleib eingepflanzt wird, wird er höchstwahrscheinlich schwerst behindert geboren werden oder noch im Mutterleib sterben. Nur etwa einer von 300 Embry­onen könnte vermutlich gesund zur Welt kommen. Dies hat das Experiment mit Klonschaf Dolly gezeigt.

Die Entwicklung von neuen Therapien für schwere Krankheiten ist ohne die Forschung an embryonalen Stammzellen nicht möglich. Ich möchte daher, dass existierende Stammzell­linien nach Deutschland gebracht werden. Außerdem sollten unter bestimmten Auflagen auch Stammzellen in Deutschland hergestellt werden dürfen – dies aber nur aus überschüssigen Embryonen unter Beachtung streng kontrollierter ethischer Grundsätze.

Prof. André Rosenthal, Geschäftsführer MetaGen

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