Forschung & Entwicklung 22.05.2009, 19:41 Uhr

„Hybridfahrzeuge sehe ich nur als Übergangslösung“  

Das Thema Energieeffizienz wird für Siemens zum neuen Umsatzmotor. Der Konzern investiert in der Krise in Innovationen. Im Interview mit den VDI nachrichten erläutert Reinhold Achatz, Leiter des Bereichs Corporate Research and Technologies, wie bei Siemens Innovationen und grüne Technologien entstehen. VDI nachrichten, München, 22. 5. 09, swe

Achatz: Natürlich sind wir auch gezwungen, unsere Themen zu priorisieren. Im Siemens-Konzern insgesamt wird aber in diesem Jahr voraussichtlich sogar mehr Geld in die Forschung fließen als 2008 – denn unsere Innovationen sind die Basis für die Geschäfte der Zukunft. Im vergangenen Jahr wurden 5 % des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert.

Auf viele derzeit brennende Fragen scheint Siemens bereits einige Antworten und fertige Produkte in der Schublade zu haben. Wie kommt das?

Siemens hat schon vor einigen Jahren die Megatrends Urbanisierung, demographischer Wandel und Klimawandel ausgemacht. Diese Trends haben wir analysiert und unsere Produkte danach ausgerichtet. Energieeffizienz ist hier einer der wichtigsten Treiber. Das zahlt sich jetzt aus.

Inwiefern?

Siemens hat im vergangenen Jahr bereits 19 Mrd. € Umsatz im Geschäft mit grünen Technologien erwirtschaftet. Dieser Anteil soll weiter steigen, bis 2011 auf 25 Mrd. €. Das entspricht einem Wachstum von durchschnittlich 10 % pro Jahr – trotz Wirtschaftskrise.

In der zentralen Forschung arbeiten bei Siemens weltweit 2200 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigt der Konzern mehr als 32 000 Mitarbeiter für Forschung und Entwicklung (F & E). Ist das effizient?

Die F & E-Mitarbeiter in den Siemens-Divisions entwickeln konkrete Produkte, wir bei Corporate Research and Technologies blicken etwas weiter in die Zukunft, aber stets in enger Kooperation mit den Kollegen der Divisions.

Wir sind ein Think Tank, wir entwickeln Szenarien, wie sich Kulturen und Märkte verändern: Welche Technologien brauchen wir, um auch in der nächsten und übernächsten Generation erfolgreich zu sein? Diese grundlegenden Technologien entwickeln wir, insbesondere auch solche, die mehr als einer Division nützen – beispielsweise neue Materialien, Sensoren oder Softwarelösungen.

Unsere Finanzstruktur bewirkt, dass wir geschäftsrelevante Themen aufgreifen: Zwei Drittel des Budgets müssen wir aus Aufträgen innerhalb des Unternehmens generieren, ein Drittel kommt aus zentralen Mitteln. Damit finanzieren wir die Themen, von denen wir glauben, dass sie in Zukunft relevant werden.

Wann glauben Sie wird es in Deutschland Elektroautos in Verbindung mit intelligenten Stromnetzen, den Smart Grids, geben?

Ich bin mir nicht sicher, ob Deutschland das erste Land ist, in dem das passiert. Denn hierzulande haben wir die am weitesten entwickelten Fahrzeuge und die höchsten Ansprüche an Autos. Doch der Trend ist nicht mehr aufzuhalten und wird sich durchsetzen, in Deutschland wohl bis zum Jahr 2020. 100 000 E-Cars würden schon reichen, um einen relevanten Schub auszulösen. Hybridfahrzeuge sehe ich nur als Übergangslösung, denn es verursacht immer hohe Kosten, klassische Technologien und neue Technik gleichzeitig zur Verfügung zu stellen.

Sie veranworten seit April 2009 auch das Corporate Development-Center mit weltweit 2600 Softwareentwicklern. Welche Rolle spielt Software beim Thema Energieeffizienz?

Der Software-Aspekt wird meines Erachtens momentan stark unterschätzt. Gerade bei grünen Technologien schaut der Kunde meist auf die Hardware, dabei übernimmt die Embedded Software die wichtigsten Funktionen. Den Trend zu einer stärkeren Bedeutung von Software kennen wir bereits aus der Automobil- und Automatisierungstechnik. Jetzt erreicht er auch die Infrastrukturbranchen wie die Energietechnik. Darauf ist Siemens gut vorbereitet, schon jetzt sind etwa 20 000 Softwareentwickler im Unternehmen beschäftigt. Doch der Bedarf wird weiter steigen.

Sie sprechen gerne davon, dass Sie auch „open innovation“ betreiben. Was meinen Sie damit?

Früher haben sich Forscher oft ins Labor zurückgezogen und die Türen geschlossen. Heute sind die Türen weit geöffnet und wir arbeiten mit vielen externen Partnern zusammen.

Pro Jahr starten wir rund 1000 Forschungskooperationen. Wir haben zum Beispiel in unmittelbarer Nähe zu den Universitäten in Berkeley und Shanghai sogenannte „Technology-to-business-Centers“ gegründet. Hier laden wir im Sinne von „open innovation“ externe Forscher ein, Prototypen zu bauen. Im Gegenzug helfen wir dabei, die wirtschaftliche Seite mitzuentwickeln. Denn zu einer Innovation gehört nicht nur die Technik, sondern auch komplexe Prozesse, etwa für eine kostengünstige Fertigung.

Wo sehen Sie generell weiteren Forschungsbedarf?

Der höchste Forschungsbedarf besteht meines Erachtens beim Thema Kohlendioxid – so gibt es momentan noch keinen Weg, CO2 in einem großtechnischen industriellen Maßstab wieder zu verwenden. Hier sehe ich noch viele Chancen. SIMONE FASSE

Von Simone Fasse

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