Forschung 29.10.2004, 18:34 Uhr

„Horizons 2020“ lenkt den Blick auf die nahe Zukunft

VDI nachrichten, Düsseldorf, 29. 10. 04 -Wie werden wir in 15 Jahren leben und arbeiten? Die Siemens AG hat sich auf die Suche gemacht nach Szenarien für die Zukunft. Die Studie „Horizons 2020“ soll zum Dialog in der Gesellschaft und zum Mitgestalten animieren.

Hat „Ubiquitous Computing“ im Jahr 2020 einen Siegeszug angetreten und vernetzte kleinste Computer steuern und beeinflussen sozusagen unsichtbar unsere Umgebung? Hat jeder Zugang zu modernen Medien? Mit der Studie „Horizons 2020“, die am Sonntag zum Auftakt der Münchner Wissenschaftstage vorgestellt wurde, will der Siemens-Konzern den Dialog zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen über die Zukunft Deutschlands und der europäischen Nachbarn forcieren. Zwei weitgehend entgegengesetzte Szenarien beschreiben das mögliche (Alltags-)Leben in einer entschleunigten (Version 1) oder beschleunigten (Version 2) Welt. Technikvisionen, ergänzt durch das Themenfeld Wirtschaft – das sei eine Chance, so umschrieb Edward G. Krubasik, Mitglied des Zentralvorstandes, das Produkt aus dem Hause Siemens.
Tatsächlich geht die Studie auf viele gesellschaftliche Themen ein: familiäre Beziehungen, Einkaufsverhalten, Gesundheit, Umwelt – all das wird vom beauftragten Wirtschaftsforschungsinstitut TNS-Infratest dargestellt und soll so zahlreiche Anknüpfungspunkte für Gespräche und Diskussionen liefern. Die von Siemens als „Kommunikationsszenario“ bezeichnete Erhebung basiert auf der Befragung von über 100 Experten aus Europa. Zusätzlich wurde ein Szenario-Beirat einberufen, dem Vertreter aus Wirtschaft und Forschung in Deutschland angehören.
Krubasik verwies in seiner Ansprache darauf, dass es vor allem die Innovationen sind, die für die Zukunft unabdingbar seien. In diesem Zusammenhang wies er auch auf die „hemmungslose Akzeptanz von technologischen Innovationen“ in den neuen EU-Ländern sowie in Asien hin und betonte, dass einige Länder in der Anwendung neuer Technologien einen deutlichen Vorsprung haben. Eine Innovation, die das Labor nicht verlasse, sei eben keine Innovation, sondern lediglich eine Erfindung. Er warnte zudem davor, Technologie zu verbieten und nannte in diesem Zusammenhang die Kernkraft. Das Problem liege nicht darin, dass andere Länder billiger produzieren können. Dies sei eigentlich nur ein Problem, wenn es nicht gelinge, hierzulande Ersatz zu schaffen.
Eine Lanze für den Standort Deutschland und Europa brach US-Wirtschaftsexperte Jeremy Rifkin, der auf die einmalige Leistung verwies, die Europa auf friedlichem Weg mit der Bildung der Europäischen Gemeinschaft gelungen sei. Die „United States of Europe“ könnten je nach ihrer Entwicklung in Zukunft sogar als Modell auch für die USA dienen, ist sich Rifkin sicher. Seite 4 C. HANTROP

Ein Beitrag von:

  • Claudia Burger

    Claudia Burger

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Karriere, Management, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesellschaft, Arbeitsrecht

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