Forschung 24.10.2008, 19:38 Uhr

Heureka-Rufe nach dem Unterricht

Der Legende nach lief der griechische Mathematiker Archimedes nackt durch Syrakus und rief – nachdem er in der Badewanne das Archimedische Prinzip entdeckt hatte – lautstark „Heureka!“ (Ich hab´s gefunden!). Heute ertönt dieser Freudenschrei oft an Schulen. Hier tüfteln derzeit mehr als 1300 Schüler nach dem Unterricht in Signo-Erfinderclubs an Ideen, von denen einige sogar die Fachwelt aufhorchen lassen.

Der Lieblingsjoghurt steht immer ganz hinten im Kühlschrank. Um ihn genießen zu können, müssen erst Butter, Marmelade und Wurst zwischengelagert werden. Abhilfe verspricht nun ein drehbarer Kühlschrankeinsatz. Erdacht wurde er von einem Mitglied eines Signo-Jugenderfinderclubs. Ideen dieser Art stellen die jungen Erfinder auf der Nürnberger Erfindermesse IENA vom 30. Oktober bis zum 2. November vor.

Weitere Geistesblitze werden im Internet präsentiert. Im „Ideenpool“ der Signo-Erfinderclubs findet sich u.a. eine Abseilvorrichtung für in Not geratene Wintersportler in Schwebebahngondeln oder ein mobiler Hubschrauberlandeplatz.

Signo ist eine Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums. Sie soll den Schutz und die wirtschaftliche Verwertung von innovativen Ideen unterstützen. Projektträger ist das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Köln.

Viele Signo-Ideen sind sogar über Gebrauchsmuster bzw. Patente schutzrechtlich abgesichert. Doch den meisten Erfinderclubleitern an Schulen geht es nicht um Vermarktungserfolge. „Hier dreht sich alles um Ideenfindung, um Motivation und Ansporn“, so Mathematik- und Physiklehrer Günther Bergmeier, Gründer des Erfinderclubs „Querdenker“ am Ingolstädter Apian-Gymnasium.

Um die Gewinnung des „Rohstoffes Geist“ geht es dem Kollegen Robert Wagenbrenner, der 2003 den „Nussknacker“-Erfinderclub am Josef von Fraunhofer Gymnasium in Cham initiierte. Hier lernen Schüler ab Klasse 5, Lösungen für Alltagsprobleme zu entwickeln – etwa einen höhenverstellbaren Kleiderhaken für Kleinwüchsige. Neuestes Projekt ist ein Folienstiftkiller – schülerische Not macht eben erfinderisch.

Auf dem Arbeitsmarkt kommt erfinderisches Engagement gut an. Das weiß auch Alexander Erdmann. Früher war er Mitglied am Erfinderstammtisch Berlin. Heute ist er Mitarbeiter von Rolls-Royce Deutschland. Als Student hatte der Hauptstädter einen universellen Leseständer auf den Markt gebracht, darüber seine Diplomarbeit und später eine Dissertation zur Innovationsvermarktung geschrieben. Sein Rat: „Wer gegenüber Personalleitern auf die Umsetzung der eigenen Idee oder gar eines eigenen Patents verweisen kann, hebt sich aus der Masse von Bewerbern heraus und hat dadurch weitaus mehr Chancen.“

In Japan wird das kreative technische Potenzial bereits in Kindergärten systematisch gefördert, und dies bereits seit 1973. „In Deutschland gibt es in dieser Hinsicht noch erheblichen Nachholbedarf“, so Beate Treu, Projektleiterin der Signo-Erfinderclubs. Immerhin gibt es erste Ansätze. So hat der frühere Nachrichtentechniker Fred Hocker aus Lauchhammer/Brandenburg nicht nur das „Jufozentrum“ (www.jufozentrum.de) und den darin integrierten Erfinderclub gegründet. Auch das „Haus der kleinen Forscher“ geht auf seine Initiative zurück. Hier werden Kinder unter sechs Jahren mit Experimenten verblüfft und zum Mitmachen animiert.

Eine längere Tradition hat die Kinder-Akademie Fulda (www.kaf.de), eine Kombination aus Museum und Lernort. Diese Initiative, die erst durch das Mäzenatentum eines Medizintechnik-Erfinders möglich wurde, bietet Kindern neben physikalisch-technischen Workshops ebenfalls die Mitarbeit in einem Erfinderclub an. „Wer hier einmal dabei ist, der bleibt dabei“, so Gabriele König vom Management der KAF. Und was erfinden die Kleinsten dort? Eine Fahrrad-Alarmanlage oder – besonders vorausschauend – eine Aufstehhilfe für Senioren. H.-W. OERTEL

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