Gemeinsam sind sie doppelt stark 10.12.1999, 17:23 Uhr

Hand in Hand zu mehr Innovationen

Kleine Betriebe bieten flexibel einsetzbares Spezialwissen, große Unternehmen sind ausgerüstet mit umfassendem Know-how und hoher Finanzkraft: In Forschungs- und Entwicklungslabors entsteht eine fruchtbare Allianz.

David schlug Goliath, Jerry den Kater Tom, Tweety den bösen Sylvester. Diese drei Beispiele sind Ausnahmen. In aller Regel sind die Kleinen den Großen unterlegen. Dabei ist ein friedliches Miteinander durchaus möglich. Manchmal ist es sogar angeraten. In der Wirtschaft beispielsweise. Hier können Kooperationen zwischen ungleichen Partnern beiden Seiten zum Vorteil gereichen. Vielfach ist eine Zusammenarbeit überhaupt erst die Voraussetzung für den Erfolg. Deutlich wird dies im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E).
Die Bedeutung dieses Bereiches ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Weder Konzerne noch kleine Handwerksbetriebe können es sich erlauben, den Anschluss an die moderne Technik zu verlieren. Hauptursache ist die Globalisierung. Der sich verschärfende Wettbewerb zwingt Unternehmen aller Größen dazu, immer wieder verbesserte Produkte an den Markt zu bringen. Ohne Innovationen drohen deutsche Firmen unter dem weltweiten Kosten- und Konkurrenzdruck zusammenzubrechen. Entsprechend halten laut BDI-Umfrage vom September diesen Jahres 89 % aller besonders erfolgreichen Mittelständler die Einführung neuer Produkte für die wichtigste Aufgabe der Zukunft. Bei Großbetrieben dürften die Prioritäten ähnlich gelagert sein. Das Rennen um die Gunst der Konsumenten macht, wer Neuheiten bietet.
Die Suche nach Innovationen ist jedoch schwierig, ihre Umsetzung und Perfektionierung teuer. Glücklich schätzen kann sich, wer einen Partner findet, der das eigene Leistungsspektrum ergänzt. Aus der Sicht eines Großbetriebes ist dies oft ein kleines oder mittleres Unternehmen. Diese haben nämlich Vorteile, wenn es um die reine Verbesserung von neuen Produkten und Verfahren geht. Innovationen in den unteren Entwicklungsstufen bedürfen in aller Regel nicht spezialisierter F&E-Abteilungen. Es genügt hier das Engagement einzelner Spezialisten. Die Großkonzerne, von Feinarbeiten dann entlastet, könnten sich verstärkt der Grundlagenforschung widmen.
Mittelständische Unternehmen zeichnen sich außerdem bei F&E durch eine größere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit aus. Sie können schneller auf veränderte Kundenwünsche reagieren. Nachteilig aber sind ihre vergleichsweise dünnen Mitarbeiter- und Finanzressourcen. Viele F&E-Aufgaben können wegen ihrer Unteilbarkeit nicht übernommen werden. So würde beispielsweise die Entwicklung eines völlig neuartigen Werkstoffes in der Chip-Produktion sowohl Portmonee als auch Personal eines Mittelständlers überfordern. Außerdem dürfte er im allgemeinen weniger als Großunternehmen dazu in der Lage sein, den Schutz des Patentrechts in Anspruch zu nehmen. Zu hoch wären die damit verbundenen Transaktionskosten. An dieser Stelle könnten sich die Großbetriebe mit Finanz- oder Know-how-Transfers revanchieren.

Know-how im Tausch gegen Planungssicherheit

Soweit zur Theorie. In der Praxis haben sich inzwischen zahlreiche Kooperationsformen etabliert. Etliche Beispiele finden sich in der Fahrzeugbranche. Die Tendenz zu mehr Zusammenarbeit ist nach Angaben von Isfried Hennen aus der Presseabteilung des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) offenkundig. „Die Zulieferer werden immer früher in den Entwicklungsprozess einbezogen.“ Die Fertigungstiefe der Hersteller sei inzwischen auf etwa 30 % abgesunken. „Das Auto ist zu komplex, als dass ein Unternehmen alles alleine produzieren könnte“, so Hennen. „Die Konzerne profitieren vom Know-how der Zulieferer, die Zulieferer kommen in den Genuss einer hohen Planungssicherheit.“ VW beispielsweise kooperiert im Bereich technische Berechnung mit der Engineering + Design AG, Fulda. Bei der Entwicklung von Türmodulen arbeitet der Konzern mit der Firma Brose Fahrzeugteile, Coburg, zusammen. Ingenieurdienstleistungen, etwa im Hinblick auf die Einspritztechnik, liefert die Berliner IAV (Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr).
Ein weiteres Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen Groß und Klein geben die Von Ardenne Anlagentechnik GmbH in Dresden, ein Mittelstandsunternehmen im Bereich der Vakuumprozesstechnik, und die Alanod Aluminium-Veredelung GmbH & Co, weltweiter Marktführer im Bereich hochreflektierender Aluminiumbleche mit Sitz in Ennepetal. Von Ardenne-Geschäftsbereichsleiter Christian Hecht erklärt: „Wir haben nach gemeinsamer Forschung inzwischen zwei Vakuumbeschichtungsanlagen an Alanod geliefert. Unsere betriebsgrößenbedingte Flexibilität ermöglichte es uns dabei, auf die Wünsche des Kunden einzugehen und eine maßgeschneiderte Technik zu liefern.“ Die Entwicklungszeit sei aufgrund der eigenen Spezialisierung kurz. „Alanod hat nun Maschinen, deren Technik umweltfreundlicher und produktiver ist als bei konventionellen Anlagen.“ Mit dem Endprodukt, neuartig beschichteten Reflektoren, ließe sich 15 % Energie bei der Raumbeleuchtung einsparen. Von Ardenne habe sich durch die Kooperation eine qualitativ neue Operationsbasis im Bereich des Anlagenbaus für großtechnische Vakuumprozesse geschaffen.
Gedeihlich ist auch die Kooperation zwischen der AnalytiCon AG und dem Bayer-Konzern. Die Unternehmen arbeiten gemeinsam auf dem Feld der Naturstoff-Forschung. AnalytiCon nutzt bayereigene Biomaterialien, um daraus mittels patentierter Trenn- und Strukturaufklärungstechnologie tausende neue Verbindungen zu isolieren. „Dies wird die Entdeckung von neuen Wirkstoffen aus natürlichen Quellen beschleunigen“, erklärt Dr. Klaus Frobel, Leiter des Bayer Life Sciences Zentrums für Naturstoffe. Durch die Kooperation kann das Leverkusener Unternehmen auf die Anschaffung teurer Geräte verzichten. Den Vorteil für AnalytiCon erklärt Vorstandsvorsitzender Dr. Lutz Müller-Kuhrt: „Der Vertrag mit der Bayer AG ist ein wichtiger Schritt für uns auf dem Weg, das weltweit führende Dienstleistungs- und Technologie-Unternehmen auf dem Gebiet der Entdeckung und Entwicklung von Wirkstoffen auf Naturstoff basierten Substanzen zu werden.“ Dazu trage auch der „ständige Gedankenaustausch mit den sehr erfahrenen Wissenschaftlern der Bayer AG“ bei. „Wir gewinnen Einblicke in den Ablauf der Arzneimittelgewinnung in einem Großkonzern und generieren nebenher Umsatz.“
Wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. Dr. Stephan Wimmers vom Institut für Mittelstandsforschung, Bonn, nennt Hinderungsgründe für F&E-Kooperationen. „Bis zum Abschluss eines gemeinsamen Forschungsvorhabens muss viel Zeit und Geld investiert werden. J e nach Phase der Kooperation unterscheidet man Anbahnungs, Vertrags-, Anpassungs- und Kontrollkosten. Zunächst ist es teuer, einen richtigen Partner zu finden — der muss genau das machen, was dem Suchenden fehlt und eine entsprechende Reputation mitbringen.“ Eine Vielzahl von Gesprächen sei nötig. Die zweite Phase , die Vertragserstellung, gestalte sich nicht minder schwierig. „Da bei F&E niemand voraussagen kann, was am Ende raus kommt, ist es schwierig, schon im Vorfeld Risiken und Chancen aufzuteilen.“ Für kleine Unternehmen bestünde die Gefahr, sich von den Justiziaren der Konzerne „über den Tisch ziehen zu lassen“. Immer wieder müsse nachverhandelt werden, es entstünden hohe Anpassungskosten. „Abschließend fallen die Kontrollkosten an. Wer allerdings genau ermitteln will, ob der Partner intensiv geforscht hat, kann gleich alles alleine machen. Ohne Vertrauen geht gar nichts.“ STEFAN ASCHE
Im zweiten Teil der Serie erobern Groß und Klein gemeinsam die Welt: „Huckepack in die Wachstumsmärkte“ erscheint in einer der folgenden Ausgaben.
In F&E-Labors entsteht eine produktive Allianz, wenn sich Globalwissen und Finanzkraft großer Konzerne mit flexiblem Spezial-Know-how kleiner Betriebe vereinen. F&E gilt unter Mittelständlern als besonders geeigneter Bereich für Kooperationen mit Großbetrieben.

Von Stefan Asche
Von Stefan Asche

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