Wissenstransfer 08.04.2011, 19:52 Uhr

Gutscheine setzen auch kleine Firmen auf die Erfolgsspur

Über Innovationsgutscheine vermitteln einige Bundesländer zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Mit beachtlichem Erfolg, wie Praxisbeispiele zeigen.

Baden-Württemberg, Bayern, NRW und Brandenburg fördern ihre kleinen und mittleren Unternehmen mit Innovationsgutscheinen. Diese decken 50 % bis 80 % der Kosten für Aufträge an Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen. Es geht um die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen von der Idee bis zur Marktreife oder die wesentliche Verbesserung bestehender Produkte und Produktionsprozesse. Als Vorbild des Modellvorhabens diente der niederländische „Innovation voucher“.

Frau Müller hat ein neues Armband. Mit dem darf sich die verwirrte Seniorin in ihrem Altenheim frei bewegen. Geht sie aber raus, schlägt der Funkchip an ihrem Arm Alarm. Das System ist ein Produkt der ISIS IC GmbH aus Wesel. Der Hightech-Produzent ist auf Funksensoren für Personensicherheit und -zählen spezialisiert.

Der Prototyp wird im Rapid Technology Center (RTC) der Universität Duisburg-Essen getestet. Die Hälfte der Kosten für die Herstellung einer Kleinserie und die Funktionstests übernimmt in diesem Fall das Land NRW über einen Innovationsgutschein. Der Zuschuss verbilligt den innovationsfreudigen KMU den Zugang zu Know-how und Forschungsinfrastruktur.

„Wir haben das Platinenlayout und das Gehäuse verändert und wollen die Stabilität, den Trage- und Bedienkomfort weiter verbessern“, sagt ISIS IC-Geschäftsführer Dirk Unsenos. Seine Firma gehört zu den ersten von 282 Unternehmen, die in NRW einen Innovationsgutschein bekamen. „Für unser schmales Budget war das sehr hilfreich“, sagt der Chef von acht Angestellten. „Mithilfe des RTC-Teams konnten wir die Entwicklung um ein Drittel beschleunigen.“

Die Innovationsallianz NRW, ein Zusammenschluss von Hochschulen und Transferstellen, vermittelt die Kooperationspartner. Nach ihren Angaben suchen die meisten Mittelständler Unterstützung in den Bereichen Verfahrenstechnik, Maschinenbau und Konstruktion sowie IuK-Technologie.

In Baden-Württemberg, das als erstes Bundesland das Förderinstrument im Jahr 2008 einführte, gab es bis Ende 2009 über 1000 Anträge – zu 70 % von Firmen, die bis dato nichts mit Forschungseinrichtungen zu tun hatten. Laut „Jahresbuch 2010“ des Landeswirtschaftsministeriums hatten die Antragsteller durchschnittlich zwölf Mitarbeiter. Über die Hälfte war ein Jahr nach Abrechnung der Gutscheine mit ihrer Innovation auf dem Markt oder setzte sie im Betrieb ein.

Die Rofobox GmbH entwickelte mit Unterstützung der Hochschule Esslingen einen Roboter, der Servietten schnell, kunstvoll und präzise faltet. Die Retina Implant AG und das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung fanden eine Methode, die Halbleiter-Chips in den Retina-Implantaten maschinell zu beschichten. Die Integio Cool Power Solutions GbR und die TU Darmstadt arbeiteten an einem Kühlsystem für elektronische Bauteile auf Basis von Flüssigkeitskonvektion.

62 % der Unternehmen, die mit ihren bezuschussten Produkten und Dienstleistungen bereits auf dem Markt sind, empfanden ihre Innovationsbereitschaft höher als früher. Die meisten planten neue Kooperationen und manche stellten schon den zweiten Antrag.

„Ohne den Innovationsgutschein hätten wir unser aktuelles Projekt nicht geschafft“, ist sich Thomas Zumbroich sicher. Der Inhaber eines Planungsbüros in Bonn berät Behörden und Wasserverbände über Wasserschutz und plant Renaturierungsmaßnahmen. Und da das Land NRW beschlossen hat, die Sieg und Teile der Wupper für den Lachs wieder herzurichten, hat er mit dem anspruchsvollen Fisch alle Hände voll zu tun.

Was genau setzt dem Lachs am meisten zu? „Wir wollten ein Modul entwickeln, um eine Priorisierung der Maßnahmen für unsere Kunden zu ermöglichen“, sagt Zumbroich. Die Grundlage liefern Messdaten und Karten des Institute for Technology and Resource der FH Köln. Die dortigen Spezialisten für Wasserressourcen rechneten anhand eines Modellgebiets aus, welche Flächennutzung wie viel Feinsedimente jeweils in den Gewässern hinterlässt. Ein Diplomand habe 640 Proben aus Bächen und Flüssen ausgewertet, so Zumbroich.

Über den kombinierten Innovationsgutschein flossen insgesamt 10 000 € an das Institut. Und Zumbroich hat sein Priorisierungsmodul fast fertig. Die Entscheidungshilfe verschafft dem Bonner Planungsbüro einen Wettbewerbsvorteil, weil die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie den Wasserverbänden unter den Nägeln brennt. Die Wiederansiedlung von Fisch- und Pflanzenarten ist ein wichtiger Teil davon. Zumbroich: „Unsere Empfehlungen ziehen Investitionsvolumen nach sich, die in Millionen gehen.“

MATILDA JORDANOVA-DUDA

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