Forschung 19.11.2004, 18:35 Uhr

Google wählt Hochpreisinsel Zürich als Forschungssitz

im indischen Bangalore und in Zürich. Warum ausgerechnet in der Hochpreisinsel Zürich? Antworten von Urs Hölzle, einem der führenden Köpfe von Google, während seines Schweiz-Besuches.

Die Anforderungen an die Mitarbeitenden sind hoch: „Wir verlangen nicht nur erstklassiges Fachwissen, sondern auch den Drang zum Forschen“, erläutert Urs Hölzle und präzisiert schmunzelnd: „Am liebsten sind uns Leute, die auch gratis arbeiten würden, wenn sie bei spannenden Projekten mitmachen dürfen.“
Eines ist jedenfalls klar: Wer sich einfach mit einem glänzenden Namen schmücken will oder gar auf“s schnelle Geld aus ist, ist bei Google völlig fehl am Platz.
Google betreibt seit Anfang April ein Entwicklungszentrum in Zürich. Nach Monaten des Schweigens sind die dort beschäftigten Spitzen-Informatiker jetzt erstmals an die Öffentlichkeit getreten – im Schlepptau des Schweizers Urs Hölzle, einem Google-Mitarbeiter der ersten Stunde.
Das Unternehmen wurde 1998 von den beiden Stanford-Doktoranden Larry Page und Sergey Brin gegründet. Mit innovativer Such-Technologie und einer eleganten Benutzeroberfläche eroberte Google die Herzen der Anwender und verdrängte je länger je mehr gestandene Pioniere wie Altavista oder Lycos.
Seit ein paar Jahren ist Google die unbestrittene Nummer 1 in diesem Business. Doch die Geschichte zeigt: Noch bessere Technologie oder die schiere Marktmacht eines Konkurrenten können das Blatt schnell wenden. Passiert ist dies zum Beispiel der Firma Netscape.
Netscape, einst unbestrittener Marktführer im Bereich der Internet-Browser, wurde Opfer einer groß angelegten Microsoft-Initiative und innerhalb kurzer Zeit in die Bedeutungslosigkeit zurückverdrängt.
Bei den Suchdiensten hat sich Microsoft zwar bisher nicht besonders hervorgetan – aber das soll sich jetzt erklärtermassen ändern. Auch andere Konkurrenten wittern hier Marktchancen und sind in Lauerstellung.
Ein wichtiger Schritt dabei war die Gründung der Entwicklungszentren in Zürich und im indischen Bangalore.
Diese sollen die Googles Technologie verfeinern und gleichzeitig neue Marktlösungen erfinden – mit dem Ziel, den Vorsprung auf die Konkurrenten auszubauen oder wenigstens zu halten.
Der Standort Bangalore leuchtet ein: Das indische „Silicon Valley“ ist bekannt für sein schier unerschöpfliches Reservoir an hochkarätigen Ingenieuren und Informatikern, die überdies zu sehr günstigen Tarifen arbeiten.
Als Google nach einem Ort suchte, an den die Firma die besten europäischen Informatiker locken konnte, schieden die USA von vornherein aus, weil Googles Kontingent an temporären Visa für ausländische Mitarbeitende bereits bis in den Herbst 2005 ausgeschöpft ist.
In europäischen Ländern wie Irland oder der Schweiz hingegen sind Arbeitsvisa für hoch qualifizierte Ausländer problemlos erhältlich. Zürich machte schließlich das Rennen, weil die Stadt sehr zentral in Europa liegt, gute internationale Schulen aufweist und auch für Bewerber aus nicht englischsprachigen Ländern attraktiv ist.
„Ein Franzose fühlt sich in Zürich einfach wohler als in Kalifornien oder in London“, erklärt Hölzle.
Der 41-jährige Informatiker Hölzle selbst ist diesbezüglich eine Ausnahme: Er wanderte 1988 als Absolvent der Züricher ETH in die USA aus und will dort vorläufig auch bleiben.
Er war einer der ersten zehn Mitarbeiter von Google. Als Google-Vizepräsident war er vorübergehend für die Entwicklungsgruppe verantwortlich. Da er nicht gerne Manager ist, gab er diesen Job wieder ab.
Heute ist Hölzle ein Google-Fellow, d.h. er kann theoretisch tun und lassen, was er will. Er hat sich in den letzten Monaten um den Aufbau des Entwicklungszentrums in Zürich und um die Datenzentren und Netzwerke von Google gekümmert.
Bisher hat sich die Standortwahl Zürich jedenfalls bewährt: Etwa die Hälfte der rund zwei Dutzend Googler in Zürich sind Schweizer – die meisten mit US-Erfahrung. Es folgen Deutsche, Niederländer, Franzosen, Italiener, ein Brite und ein Rumäne. Zu diesem Kern-Team, das nach wie vor aufgestockt werden soll, gesellen sich Spezialisten aus dem Hauptsitz im kalifornischen Mountain View, die in Zürich temporär an bestimmten Projekten mitarbeiten.
Wie es mit dem Entwicklungszentrum in Zürich weitergeht, hängt laut Urs Hölzle weit gehend davon ab, wie viele europäische Informatiker Google für die Arbeit anheuern kann. Zurzeit gibt es im zentral gelegenen Büro zwar noch Platzreserven, aber wenn Google mit der Rekrutierung neuer Leute Erfolg hat, wird es bald einmal so knapp, dass ein Umzug nötig wird.
FELIX WEBER

  • Felix Weber

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