Menschliches Auge imitiert 17.06.2014, 10:31 Uhr

Gekrümmter Sensor für bessere Bilder: Erstmals Foto von Sonys Innovation

Sony hat inzwischen rund 100 gekrümmte Bildsensoren hergestellt. Die Technik, die das menschliche Auge imitiert, soll eine höhere Empfindlichkeit, weniger Rauschen und kleinere Linsensysteme ermöglichen. Angekündigt hat Sony die Innovation bereits vor zwei Monaten. Jetzt ist ein erstes Foto von dem Produkt aufgetaucht.

Sony hat einen sphärisch gebogenen Sensor für Digitalkameras entwickelt, wie er als Netzhaut auch im Inneren des menschlichen Auges sitzt. 

Sony hat einen sphärisch gebogenen Sensor für Digitalkameras entwickelt, wie er als Netzhaut auch im Inneren des menschlichen Auges sitzt. 

Foto: dpa

Haftstreifen, die kleben wie ein Geckofuß; ein Roboter-Känguru, das bei jedem Sprung Energie zurückgewinnt, eine Deckenkonstruktion, die dem inneren Aufbau von Knochen gleicht – und jetzt Sensoren, die das Auge imitieren: Die Natur hat viel zu bieten und die Industrie bedient sich zunehmend dieses Schatzes. Die Frage, wie man ein besonders gutes Auge konstruiert, hat sie Mutter Natur nun wirklich ausführlich beantwortet. Deshalb übernahm Sony nun die Idee eines sphärisch gebogenen Sensors, wie er als Netzhaut auch im Inneren unserer eigenen Augen sitzt, um bessere Bildsensoren für Digitalkameras zu konstruieren.

Nur Vorteile beim sphärischen Design

Zum ersten Mal hatte Sony die Technik schon vor zwei Monaten auf der Konferenz Symposia on VLSI Technology and Circuits erwähnt. Ein gekrümmter Sensor solle das menschliche Auge nachahmen und habe einige deutliche Vorteile gegenüber flachen Chips, hieß es dazu. Das seien beispielsweise ein besseres Signal/Rausch-Verhältnis und eine insgesamt höhere Empfindlichkeit. Die sphärischen Bildsensoren sollen im Zentrum 1,4-mal und am Rand des Chips sogar zweimal empfindlicher sein.

Gekrümmter Sensor von Sony.

Gekrümmter Sensor von Sony.

Quelle: Sony/IEEE

Insbesondere aber fallen die Verzerrungen weg, die sich bei flachen Chips an den Rändern durch den längeren Weg des Lichtes durch das Objektiv auf den Sensor ergeben. Somit müssen sie auch gar nicht erst durch das Linsensystem oder durch kleinere Blenden mit den entsprechenden Verlusten korrigiert werden, was zu weniger aufwändigen und damit auch kleineren und preiswerteren Linsensystemen führt.

Die Herstellung ist schwierig

Die sphärischen Bildsensoren werden durch eine spezielle Biegemaschine in die optimale Form gebracht und dabei durch eine Keramikschicht auf der Rückseite mechanisch stabilisiert. Bisher hat Sony ungefähr 100 Prototypen seiner Wunder-Bildsensoren mit zwei unterschiedlichen Bilddiagonalen hergestellt: Das eine Modell ist ein Vollformatsensor für Digitalkameras mit 43 Millimeter Diagonale, das zweite ist mit nur elf Millimeter deutlich kleiner und passt beispielsweise in Smartphones.

Unter Fotofans keimt nun die Hoffnung auf, dass Sony diesen Chip in seiner nächsten Full-Frame-Kompaktkamera, also dem potenziellen Nachfolger des Modells RX1 einsetzt. Ob wirklich noch in diesem Jahr mit einer Kamera mit gebogenem Sensor zu rechnen ist, steht aber noch nicht fest.

  • Klaus Ahrens

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