Messen 14.04.2006, 18:43 Uhr

Geistesblitze zwischen Vision und Spinnerei  

Die meisten bahnbrechenden Ideen wurden anfangs belächelt…

Mougaré Lamine ist sichtlich stolz. Auf der Erfindermesse in Genf ist er der einzige Vertreter aus dem westafrikanischen Mali. Seine Invention: Ein Energie produzierender Drahtesel. Bevor der „Saft“ abgezapft werden kann, muss allerdings kräftig in die Pedale getreten werden. Erst dadurch wird der Akkumulator auf dem Gepäckträger aufgeladen. „Bei uns fahren viele Leute mit dem Fahrrad“, erklärt er mit lebendigen Gesten. „So könnten wir viel Energie gewinnen!“

Lamine hofft, einen Unternehmer zu finden, der seine Fahrräder in Serie produziert. Zwei Anfragen hatte er angeblich schon. „Sogar von Europäern!“ Hobbybastler wie der Mann aus Mali finden oft billigere Lösungen als die Profis in den Labors. Das wissen die Industrievertreter. So tummeln sich 2006 in Genf wieder viele Techniker und Manager.

Aber auch Laien sind in der Messehalle unterwegs. „Wir sind mit der ganzen Familie angereist“, sagt ein Schweizer Vater. „Mein 11-jähriger Sohn und meine 14-jährige Tochter sind begeistert von den Erfindungen.“ Das Mädchen schaut besonders entzückt auf die „Damenkrawatte“: Petra Züger und Roberta Schaller aus Zürich wollen mit diesem Kleidungsstück die Männerdomäne Schlips erobern: „Wir haben ein sehr frauliches Accessoire entwickelt, das von schlicht und businesslike bis extravagant und glamourös alle Stilrichtungen vertritt“, wirbt Züger. „Unsere Damenkrawatten werden in Zukunft von kaum einem Anlass mehr wegzudenken sein“, hofft sie und richtet das Modestück zielsicher in die Kamera.

Eine der abgehobensten Ideen präsentiert die bayerische Firma SLW. Der von ihr entwickelte Zeppelin verheißt himmlische Reklame über Städten und Ballungsräumen. Der Clou: Die glitzernden Schriften können sich ändern. So verbreitet die fliegende Litfaßsäule vielerlei Botschaften. Zudem soll sie Slogans oder Bilder auf den Boden projizieren. „Wir vermieten das Schiff plus Crew“, sagt Gerhard Weiss von SLW. Der Preis: 1500 € pro Stunde. Noch baut SLW an dem Zeppelin. „Wir werden aber bald starten“, verspricht er.

Das will auch der Norweger Adne Helle. Er stellt in Genf seinen „Fliegenden Tisch“ vor. „Wenn Sie gemütlich auf ihrer Ledercouch liegen, sind die Gläser, Zeitschriften oder Fernbedienung oft nicht in Reichweite“, umreißt der Mann aus dem hohen Norden das Problem. Seine Invention bietet die Lösung: Der Benutzer kann die Platte des Tisches leicht zu sich herüberziehen. „So können Sie auf ihrer Couch sitzen bleiben“, wirbt Helle für sein Möbel. Er selbst liegt während der Präsentation auf einem bequemen Lederstuhl.

Sportlicher geht es da schon bei Toni Kribben zu. Der Besitzer eines Fitness-Studios aus Erftstadt hat seinen „Aero-Twister“ mitgebracht. Die Erfindung erinnert an einen Boxring en miniature. Die Turner können – abhängig davon, wie sie sich in oder an den Ring begeben – ihre Arme, Brustmuskeln und Beine stärken. Dazu müssen sie lediglich an den elastischen Ring-Seilen ziehen. Kribben stellte das Gerät schon auf vielen Messen aus – selbst im fernen Florida. Kosten scheut er scheinbar nicht. „Wir haben schon rund zehn Prototypen hergestellt – Stückpreis rund 450 DM.“ Dass die Tage der D-Mark längst gezählt sind, irritiert ihn nicht. Er ist unverdrossen überzeugt: „Der Durchbruch kommt noch!“

Kribbens Beispiel ist typisch. Nur die wenigsten Erfinder erleben, dass ihre Geistesblitze als Produkt erfolgreich im Markt einschlagen. Die meisten Erfindungen – mehr als 95 % – landen im Mülleimer. Wer hat schon auf eine Baguette-Aufschneidemaschine gewartet? Oder wer benötigt einen feuerfesten mobilen Aschenbecher für den Spaziergang im Wald? Und: Warum präsentiert der Südkoreaner Ha Jin-Seok in Genf die x-te Version der angeblich ersten, wirklich hygienischen Toilettenbrille? Sein Geheimnis ist übrigens ein simpler Papierspender an der Unterseite der Sitzfläche.

Bei einigen Ausstellern muss sich der Besucher allein auf die Broschüren verlassen. So wirbt die ungarische Firma IFEX nur mit Bildern: Ein Becken mit einer Fläche von 500 Quadratmetern voll Brennstoff steht in Brand. Innerhalb von 25 Sekunden, so versichern die Magyaren, löschen ihre Hightech-Produkte die meterhohe Feuersbrunst. Wer sich von der Praxistauglichkeit überzeugen will, muss schon nach Ungarn reisen. Im Prospekt ist lediglich von Düsen die Rede, die das Feuer innerhalb von Sekunden hinter einem Vorhang aus Schaum ersticken. Der Tank bleibe dabei ebenso erhalten wie das meiste seines Inhalts – jedenfalls wenn das Unglück rechtzeitig entdeckt wird.

Auch die Sprache stellt Barrieren auf: So zeigt der Iraner Ali Asghar Berahmand einen Generator, der aus den Bewegungen der Meere Energie gewinnt. Nur leider kann der Mann vom Persischen Golf seine Technik nur auf Farsi erklären. So muss sich der weniger sprachbegabte Durchschnittsbesucher anhand des Versuchsaufbaus ein Bild davon machen, wie die Wellenkraft beispielsweise ein Licht erleuchten lässt.

Kaum verwunderlich ist, dass die meisten Düsentriebs das Schicksal von John Ettridge teilen. Der Australier hat „so an die 20 Patente“. Doch sein Geld reichte kaum für die Reise nach Genf. Mit seinen 60 Jahren wartet er immer noch auf den Erfolg.

Selbst die Messe-Direktorin Anne Loertscher kann nicht sagen, ob ein Erfinder je die ganz große Karriere hingelegt hat. „Da kann ich mich nicht daran erinnern“, sagt sie diplomatisch. Ein Grund für die Misere vieler Erfinder: Ein Patent ist nicht billig. Mehrere Tausend Euro können da schnell zusammenkommen.

Die Genfer Messe besteht allerdings auf Patenten: Nur wer das Schutzrecht für seine Erfindung angemeldet hat, darf ausstellen. Und: Jede Erfindung darf nur einmal zur Vorführung kommen. „Damit wollen wir einen Ansporn für die Erfinder schaffen“, so Loertscher. „Wir brauchen schließlich immer neue Ideen.“

Trotz der Zugangsbeschränkungen stellen die Tüftler der Messeleitung ein gutes Zeugnis aus: „Die machen einen richtig guten job“, schwärmt William Thomas Price aus Großbritannien. Er, der einen simplen Schließmechanismus für Türen ohne Schloss entworfen hat, machte sich mit anderen Waliser Erfindern auf den Weg nach Genf.

Mit von der Partie ist auch Tony Guile, der Projektmanager des staatlichen „Waliser Erfindungs-Netzwerks“. „Unsere Agentur ist einmalig“, so Guile. Großspurig behauptet er „Wales ist die einzige Region in Europa, die systematisch ihre Erfinder-Talente fördert.“ Dabei unterschlägt er u.a. die rund 140 Insti-Erfinderclubs in Deutschland, die jeweils mit jährlich 500 € vom Wirtschaftsministerium gefördert werden. Allerdings verfügt Guile über größere Summen: Er und fünf Mitarbeiter helfen mit angeblich über 700 000 € im Jahr hoffnungsvollen Newcomern. „Pro Jahr stemmen wir so rund 90 Projekte.“

Auch Dean und Luke Andrews erhielten Tipps von Guile. Jetzt stellen die Waliser Brüder ihren Getränkehalter für Toiletten aus. Der Hintergrund: „Wenn man im Pub das WC aufsucht, bleibt der Drink an der Theke oft unbeaufsichtigt. Unsere Erfindung, die einfach auf dem stillen Örtchen installiert werden kann, ist die Lösung.“ Angeblich verhandeln die Brüder schon mit weltumspannenden Imbissketten.

Auch Tim Jones hatte seine zündende Idee in der Kneipe. Immerhin stand er zehn Jahre lang hinter dem Tresen. Dabei stießen ihm die vorbereiteten Zitronenscheiben für Cola oder Gin-Tonic sauer auf. Oftmals gammelten sie unappetitlich und unhygienisch vor sich hin. Deshalb erfand Jones den „Frucht-Schneider und -Spender“. Zur Demonstration legt er eine Zitrone hinein und drückt einen Knopf. Es rüttelt und schüttelt kurz. Dann kommt eine fein geschnittene Zitronenscheibe aus dem Apparat. Der Ex-Barkeeper grinst, lässt die Scheibe in ein Glas gleiten und reicht es dem Besucher. Na dann mal prost. J. D. HERBERMANN/sta

Von Herbermann/Stefan Asche

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