Forschung 25.05.2007, 19:28 Uhr

Für Innovationen die Weichen stellen  

VDI nachrichten, Berlin, 25. 5. 07, cha – Damit Deutschland seinen sechsten Platz im internationalen Innovations-Ranking behaupten kann, werden die Unternehmen mit Ratschlägen überschüttet. Der Aachener RWTH-Professor Klaus Henning rät dringend, die Hälfte aller Abiturienten für technische Berufe zu begeistern. Andere empfehlen, in Organisations- und Personalentwicklung zu investieren.

Wie die Arbeitswelt hierzulande im Jahr 2020 aussehen wird? Klaus Henning, Dekan der Fakultät für Maschinenwesen an der RWTH Aachen, hat schlimmste Befürchtungen: „Wenn es uns nicht schnellstens gelingt, die Hälfte der Abiturienten für technische Berufe zu begeistern, werden die Unternehmen nicht mehr in Deutschland arbeiten können.“ Deutliche Worte, doch als Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e.V. in Berlin weiß der RWTH-Professor, wie ernst die Lage ist.

Wirtschaftsminister Michael Glos verweist zwar nach wie vor stolz auf das „European Innovation Scoreboard“. In diesem Innovationsanzeiger der EU-Kommission nimmt Deutschland immer noch eine, wie Glos es formuliert, „starke Position“ ein. Unter den europäischen und internationalen Technologienationen liegt Deutschland demnach hinter Schweden, Schweiz, Finnland, Dänemark und Japan auf Platz sechs, dicht gefolgt von den USA. Doch China und Indien streben mit Macht nach vorn, selbst im OECD-Vergleich verliert Deutschland kontinuierlich.

Der „Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands“, eine vom Hochschul-Informations-System (HIS) und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erstellte Expertise, betonte bereits im vergangenen Jahr, dass der Innovationsdruck erhebliche Auswirkungen auf den Qualifizierungsbedarf hat und insbesondere zusätzliches Ingenieur-Know-how erfordert.

Konsequenzen hatte diese Erkenntnis bislang aber nicht. Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) zog mit seinem VDE-Innovationsmonitor 2007 eine ausgesprochen nüchterne Bilanz:“Die diesjährigen circa 9600 Absolventen in diesem Bereich werden den Fachkräfte-Bedarf der Wirtschaft erneut nicht decken.“ Gebraucht werden jährlich 10 000 Ingenieurabsolventen – allein bei den VDE-Mitgliedsverbänden. Immer mehr Unternehmen haben deshalb Schwierigkeiten, offene Ingenieurstellen qualifiziert zu besetzen.

So weit, so schlecht. Auf Einladung des BMBF trafen sich Anfang des Jahres sogar 400 Innovationsexperten aus Wirtschaftsunternehmen, von Hochschulinstituten, Forschungs- und Bildungseinrichtungen in Berlin, um im Kontext von „Innovationsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt“ über die Möglichkeiten von „Personalentwicklung, Organisationsentwicklung und Kompetenzentwicklung“ zu diskutieren.

Eva Maria Roer, Inhaberin des europaweit größten Dental-Fachversands, hält die Existenz einer „offenen Streitkultur“ für unverzichtbar, um neue Ideen zu entwickeln und zu Innovationen werden zu lassen. Die Unternehmerin erhielt 2002 das Bundesverdienstkreuz, weil sie sich „mit Kreativität und Ausdauer für die Chancengleichheit von Frauen und Männern einsetzte“. Die Tochterbetriebe und Franchisenehmer ihres Unternehmens sind auf mehr als 15 Länder verteilt. Grundsätzlich sagt die Unternehmerin, die auch Vorstandsvorsitzende des Total E-Quality Deutschland Vereins ist: „Innovationen sollten nicht aus der Defizitecke kommen, sondern aus der Freude, Zukunft gestalten zu wollen.“

Zusatznutzen auf vorhandene Produkte aufzusatteln, ist für den St. Gallener Soziologie-Professor Peter Gross eine der sichersten Möglichkeiten, im globalen Innovationswettbewerb zu bestehen. „Wir diskutieren zu viel über die Weinflasche statt über den Wein“, sagt Gross. Reinhard Zulauf, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Innovation in Bochum, betont, dass letztendlich der Kunde entscheidet. Der Verein definiert Innovation mit „Wenn der Markt ¿Hurra“ schreit“. Eine aktuelle Studie der Internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton zeigt auf, dass geringere Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) nicht zwangsläufig die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens verschlechtern. 94 der für die „Global Innovation 1000“-Studie befragten Unternehmen überflügelten ihre Konkurrenz trotz unterdurchschnittlicher F&E-Ausgaben in puncto Performance deutlich – und über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren. Booz Allen Hamilton-Geschäftsführer Georg List sagt, dass „weder die Anzahl noch die Qualität der Patente etwas über den Erfolg eines Unternehmens“ aussagen. Allerdings weist List auch darauf hin, dass der Rückgang von F&E-Aktivitäten vielfach an deren Verlagerung in die Wachstumsmärkte China und Indien liegt. Der Berater ist überzeugt: „Mehr als 75 % der geplanten neuen Innovationszentren werden in den kommenden drei Jahren in China und Indien entstehen.“ REGINA-C. HENKEL

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