„Grüne“ Elektronik 20.09.2013, 09:46 Uhr

Fraunhofer Forscher untersuchen Tablets auf Recycling- und Reparaturfreundlichkeit

Hochwertige und robuste Tablets sind oft schwer zu reparieren oder zu recyceln. Fraunhofer-Forscher haben 21 Tablets demontiert und dabei herausgefunden, dass zwischen Reparatur- und Recyclingfreundlichkeit manchmal Zielkonflikte entstehen.

Forscher des Fraunhofer-Instituts IZM haben 21 Tablets demontiert. Sie wollten herausfinden, inwieweit das Design der elektronischen Geräte mit ihrer Reparatur- und Recyclingfreundlichkeit zusammenhängen. 

Forscher des Fraunhofer-Instituts IZM haben 21 Tablets demontiert. Sie wollten herausfinden, inwieweit das Design der elektronischen Geräte mit ihrer Reparatur- und Recyclingfreundlichkeit zusammenhängen. 

Foto: Fraunhofer IZM

Die Umweltfreundlichkeit von elektronischen Produkten wird international von Kriterien des EPEAT „Electronic Product Environmental Assessment Tool“ bestimmt. Dahinter steht wiederum der „Green Electronics Council“, der nach den EPEAT-Standards die bewerteten Produkte in die Klassen Gold, Silber und Bronze einteilt, je nachdem wie viele Kriterien sie erfüllen. Im letzten Jahr stand etwa das Retina MacBook Pro von Apple auf der Gold-Liste von EPEAT.

21 Tablets von Fraunhofer-Forschern demontiert

Nun hat sich der Green Electronics Council die beliebten Tablets vorgenommen. Auf die Vergabe von Gold, Silber oder Bronze müssen die Verbraucher allerdings noch ein wenig warten, denn zunächst werden die Kriterien, die zur Bewertung führen, erarbeitet. Diese Diskussionsgrundlage zu schaffen war die Aufgabe des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) in Berlin. Sie führten eine unabhängige Studie dazu, wie das Design der Tablets in Verbindung steht mit deren Reparatur- und Recyclingfreundlichkeit.

Hierfür haben die Forscher insgesamt 21 Tablets demontiert, darunter das Apple iPad mini, das Samsung Galaxy Tab 2, das Asus Google Nexus 7 und das Kindle Fire HD. Die Forscher gingen Fragen nach inwieweit sich die Tablets auseinanderbauen ließen, ob dafür besondere Werkzeuge notwendig waren, welche Teile speziell entsorgt werden müssen, ob das Design reparatur- und recyclingfreundlich ist und ob Hersteller nützliche Hinweise zu ihren Produkten den Konsumenten zur Verfügung stellen. Es zeigte sich, dass sowohl bei der Recycle- als auch bei der Reparierbarkeit große Unterschiede bestehen.

Die Fraunhofer-Forscher bei der Arbeit: Für Tablets-Besitzer empfiehlt es sich nicht, selbst Hand anzulegen. Eine Reparatur durch den Konsumenten ist bei der Mehrzahl der Geräte kaum möglich, ohne Teile des Geräts zu beschädigen

Die Fraunhofer-Forscher bei der Arbeit: Für Tablets-Besitzer empfiehlt es sich nicht, selbst Hand anzulegen. Eine Reparatur durch den Konsumenten ist bei der Mehrzahl der Geräte kaum möglich, ohne Teile des Geräts zu beschädigen

Foto: Fraunhofer IZM

Aus dem Projekt ging folgender Zusammenhang hervor: Je hochwertiger und robuster ein Gerät ist, umso komplizierter lässt es sich demontieren. Eine aufwändige Demontage des Gerätes erschwert wiederum sowohl die Reparatur, als auch den Recycelvorgang.

In einigen Fällen ergibt sich aus dem Anspruch möglichst recycling- und reparaturfreundlich zu sein, ein Zielkonflikt. Zum Beispiel wäre eine Verschraubung von Einzelteilen eines Tablets für einen späteren Austausch einzelner Teile ideal. Für den Recycelvorgang hingegen ist die Verwendung von Plastikclips, die sich leicht aufbrechen lassen, vorteilhafter. Verklebte Bauteile sind dagegen sowohl für eine Reparatur als auch für eine gute Materialtrennung problematisch, ermöglichen aber eine besonders flache Bauform.

Akku ließ sich nur in einem einzigen Gerät austauschen

Für das Recycling ist es wichtig, den Akku rasch entnehmen zu können. Dies ist jedoch in der Regel nicht der Fall. Unter den geprüften Tablets befand sich lediglich ein Gerät für den Businessbereich, das ähnlich wie für Laptops üblich die Entnahme und somit auch den Wechsel des Akkus ermöglicht. Der Austausch kann auch für den privaten Nutzer relevant sein, wenn sich der Akku seinem Lebensende nähert.

Die Reparatur durch den Konsumenten ist bei der Mehrzahl der Geräte kaum möglich, ohne Teile des Geräts zu beschädigen. Meistens ist es nicht offensichtlich, wie ein Gerät am geeignetsten geöffnet werden kann. In vereinzelten Fällen haben Hersteller aber ausführliche Serviceanleitungen ins Internet gestellt, die eine Reparatur deutlich vereinfachen.

Es ergeben sich auch enorme Unterschiede zwischen den Tablets bezüglich der Austauschbarkeit von defekten Einzelteilen. Zum Beispiel ist bei manchen Geräten das Bedienfeld untrennbar mit dem LCD-Display verklebt. Wenn das Frontglas bricht, muss die ganze Displayeinheit ausgetauscht werden. Bei anderen Geräten ist der Austausch nur des Bedienfeldes möglich.

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